Forstzentrum-Winter-Kickerturnier an der HSWT
Am 03. Dezember 2019 fand das Forstzentrum-Kickerturnier des Wintersemesters statt. Bei kalten Temperaturen ging es heiß her am Austragungsort an der Fakultät Wald und Forstwirtschaft. Zunächst eröffnete Professor Dr. Knut Hildebrand, Dekan der Fakultät WF das Kickerturnier mit einer kurzen Motivationsrede, bevor die Teams ausgelost wurden und die Turnierspiele beginnen konnten.
Die Spieler der HSWT und LWF kämpften in bunt gemischten Teams in lockerer aber doch ehrgeiziger Atmosphäre um jeden Zentimeter auf dem "Platz". Siegreich aus diesen Kämpfen gingen Christian Genser zusammen mit Tilman Zepf als Erstplatzierte hervor, dicht gefolgt von Josef Gangkofer mit Teampartner Prof. Dr. Wolf Rommel auf Platz 2 und Helmut Beer mit Mannschaftskollegin Caroline Bennemann auf Rang 3. Zu gewinnen gab es für das bestplatzierte Team den begehrten Wanderpokal und – wie auch für Platz zwei und drei – einen Gutschein.
Insgesamt konnten alle Teilnehmer etwas mit nach Hause nehmen, nämlich eine Urkunde und das Gefühl einen spaßigen Abend verbracht zu haben.
Besonderer Dank geht auch in diesem Turnier wieder an die Firma REITER für die Zurverfügungstellung der Gutscheine.
"Klimaschutzoffensive Bayern: Angewandte Forschung und Lehre bieten das Rüstzeug für eine erfolgreiche Umsetzung"
Kommentar von Dr. Eric Veulliet, Präsident der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, zur Bayerischen Klimaschutzoffensive, die das Kabinett der bayerischen Staatsregierung am 19. November 2019 verabschiedet hat.
„Die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf sieht ihre konsequente Ausrichtung auf angewandte Lebenswissenschaften und grüne Technologien in Lehre, Forschung und Wissenstransfer durch die Bayerische Klimaschutzstrategie, die das Kabinett der bayerischen Staatsregierung am 19. November verabschiedet hat, voll bestätigt. Eine der drei Säulen, auf denen der Zehn-Punkte-Plan basiert, ist die verstärkte Forschung zu Umwelt- und Klimaschutz. Ich begrüße, dass der Forschung der verdiente Stellenwert zugeschrieben wird. Und zur Forschung gehört die Lehre, damit die Expertinnen und Experten von morgen das nötige Rüstzeug haben, um den Herausforderungen, die mit dem Klimawandel einhergehen, zu begegnen.
Unter dem Motto 'Applied Sciences for Life' zählen an der HSWT in Forschung und Lehre bereits seit Jahren viele der zehn Punkte des Plans zu den wichtigsten Themen. So forschen wir intensiv zum Thema Klimawandel und Wald, zum Erhalt und zur Renaturierung der Moore sowie zu verschiedenen Aspekten der Klimaarchitektur. "Vorfahrt für erneuerbare Energien", wie es in der Klimastrategie heißt, gilt auch in unserem Studienangebot: Wir bieten vier Studiengänge an, die die zukünftigen Expertinnen und Experten für nachhaltige Energiesysteme ausbilden. Auch die klimaschonende Landwirtschaft und der Ökolandbau stehen bei uns im Fokus - immer anwendungsbezogen und nah an der Praxis, damit die Erkenntnisse der Wissenschaft ihren konkreten Nutzen für Umwelt und Gesellschaft zeitnah und möglichst unmittelbar erfüllen können. Effiziente anwendungsorientierte Forschung und praxisnahe Lehre stehen bei uns im Vordergrund, denn wir sind davon überzeugt, dass wir so Umwelt und Gesellschaft am besten dienen können.
Und wir halten es so, wie es das Kabinett in der Klimaschutzoffensive für den Staat Bayern ausgerufen hat: Wir nehmen unsere Vorbildrolle ernst. Unsere Campus werden überwiegend durch erneuerbare Energien versorgt - der Campus Weihenstephan derzeit zu 70 Prozent, der Campus Triesdorf zu 100 Prozent. Die HSWT ist eine der wenigen Hochschulen, die EMAS (Eco Management and Audit Scheme) zertifiziert sind, und nicht zuletzt dadurch sind wir laufend bestrebt, unseren CO2-Footprint zu reduzieren.
Die HSWT wird den eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen und ihren Beitrag zum Erfolg der bayerischen Klimastrategie leisten."
Dr. Andreas Hahn neuer Waldschutz-Abteilungsleiter
Einige von Ihnen werden mich noch aus meiner Zeit an der TUM kennen. Ich war als Beamter der Bayerischen Forstverwaltung gute achteinhalb Jahre Mitglied im Team von Prof. Dr. Thomas Knoke am Fachgebiet für Waldinventur und nachhaltige Nutzung. In dieser Zeit konnte ich den Wissenschaftsbetrieb kennenlernen, promovieren, in verschiedensten Projekten von der Antragstellung bis zu Abschlusspublikationen mitarbeiten, sowie in der Lehre unterstützen.
Im August 2014 wechselte ich an das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Pfaffenhofen an der Ilm. Ich hatte dort eine sehr abwechslungsreiche, herausfordernde und erfüllende Zeit, in der ich als Koordinator für die Forsteinrichtung in den oberbayerischen und schwäbischen Kommunalwäldern und als Bereichsleiter Forsten tätig war. Zu den Institutionen des Forstzentrums habe ich in dieser Zeit u.a. durch Lehraufträge an der HSWT Kontakt gehalten.
Seit dem 01. Oktober 2019 bin ich zurück an der LWF und leite dort die Abteilung Waldschutz. In den vergangenen Wochen konnte ich schon viele Aspekte meines neuen Aufgabenbereiches kennenlernen. Es ist mir ein Anliegen, im Rahmen der Abteilungsleitung sowohl die Erfahrungen aus meiner Forschungszeit an der TUM als „grüner Beamter“ als auch die „Praxissicht“ aus Pfaffenhofen einzubringen. Aus beiden Abschnitten ergeben sich inhaltliche Anknüpfungspunkte zum Waldschutz: von der Stichprobentheorie, über die Quantifizierung von Risiken der Waldbewirtschaftung bis zum Waldschutzmeldewesen.
Inzwischen ist die Übergangszeit beendet, in der ich noch tageweise in Pfaffenhofen tätig war. Ich bin froh, dass ich mich nun voll auf mein neues Aufgabenfeld konzentrieren kann. Und ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Euch und Ihnen!
Wald und Holz 4.0
ROSEWOOD B2B Event bringt Anbieter von Forstmanagement-Apps zusammen
Die Cluster-Initiative Forst und Holz Bayern und die baden-württembergische Schwesterinitiative Cluster-ProHolzBW luden gemeinsam mit dem europäischen ROSEWOOD Netzwerk für nachhaltige Holzmobilisierung Experten und Unternehmen ein, ihre Lösungen für die „Digitalisierung in der Forst- und Holzwirtschaft“ im Rahmen der ROSEWOOD B2B-Initiative vorzustellen. Insgesamt nahmen 38 Repräsentanten der Forstwirtschaft, darunter Start-Ups, etablierte Unternehmen, Förster und Waldbesitzer, an der B2B Veranstaltung am 22. November 2019 im Zentrum Wald-Forst-Holz Weihenstephan teil.
Zum Einstieg in das Thema digitale Wald- und Holzwirtschaft präsentierte Daniel Ketzer von der Steinbeis 2i GmbH, die das EU-Netzwerk ROSEWOOD koordiniert, die Ergebnisse der im Projekt erstellten Potenzialanalyse für nachhaltige Holzmobilisierung in der DACH-Region. „Die Aktivierung der Privatwaldbesitzer stellt insbesondere in Mitteleuropa eine Herausforderung dar. Hier können digitale Anwendungen und Plattformen, die eine kostengünstige und einfache Dokumentation des Waldzustandes sowie der Durchführung forstwirtschaftlicher Maßnahmen ermöglichen, einen großen Beitrag leisten“, so Ketzer bei der Veranstaltung. ROSEWOOD hat aus diesem Grund Leuchtturm-Initiativen, wie die Online-Plattform für Waldbesitzer „Wald-wird-mobil“ und ihr finnisches Pendant „Metsäfinn“ sowie das französische Projekt „La forêt bouge“ in die Liste der vom Netzwerk ausgewählten „Best Practices“ aufgenommen. Insgesamt 17 Projekte sind unter dem Schlagwort Digitalisierung in der Best Practice-Bibliothek des Projekts, dem ROSEWOOD Map Viewer, zu finden.
Dass das digitale Angebot für den Forst- und Holzbereich jedoch bereits weiter gediehen ist, zeigten die anschließenden Vorstellungen und Pitches von Smartphone-Apps zur Unterstützung der Waldinventarisierung und anderer digitaler Tools, von mobilen 3D-Baumbestand Scannern bis hin zum GPS-Tracking von Holzstämmen. „Die Zeiten, in denen der Förster mit Block und Stift durch den Wald ging, sind definitiv vorbei. Der Markt der Anwendungen, die eine digitale Erfassung des Waldes sogar via Smartphone ermöglichen, wächst stetig. Damit deren Potenzial voll ausgeschöpft werden kann, bedarf es insbesondere des Wissenstransfer und der Entwicklung von Schnittstellen zwischen den einzelnen Lösungen."
Das ROSEWOOD B2B Event bot den Raum für den Austausch von Ideen und die Anbahnung von Geschäftskooperationen, um diesem Ziel ein Stück näher zu kommen. Im Nachfolgeprojekt ROSEWOOD4.0, das im Januar 2020 startet und das ROSEWOOD Netzwerk von 10 auf 18 Europäische Länder ausbaut, wird überdies die Digitalisierung besonders im Mittelpunkt stehen. Ziel ist es, die Zusammenarbeit im Bereich Digitalisierung in der europäischen Holz- und Forstbranche zu fördern.
Im Rahmen des ROSEWOOD B2B Events stellten folgende Unternehmen respektive Institutionen Ihre Anwendungen vor:
- Bitcomp GmbH – WoodsApp
- inforst UG – WaldFliege & WaldKarte
- TUM Campus Straubing – i-Wald Projekt
- rBITECH UG – Forest Manager
- VINS 3D GmbH – Waldscanner
- Esri Deutschland GmbH – ESRI ArcGIS
- Baumhaustechnik e.V. – Treehouse Walk
- Xylene – GPS Holztracking/-tracing
Mehr Informationen zu dem durch das EU Forschungs- und Innovationsprogramm geförderten Projekt ROSEWOOD finden Sie unter www.rosewood-network.eu
Kontakt ROSEWOOD Koordination
Dr. Anthony Salingre - salingre@steinbeis-europa.de
Daniel Ketzer - ketzer@steinbeis-europa.de
Tabea Link - link@steinbeis-europa.de
Neuerscheinungen im Verlag Kessel
Mehrere forstliche Neuerscheinungen stellt der Verlag Kessel im unten verlinkten PDF vor. Weitere Informationen, Gratis-Bücher, Leseproben sowie das komplette Verlagsprogramm mit über 200 forstlichen Titeln finden Sie auf der Seite www.forstbuch.de.
Nachruf Professor Dr. Erwin Klein
Sein Leben gehörte dem Wald
Am 25. August 2019 verstarb mit Professor Dr. Erwin Klein ein Hochschullehrer und Wissenschaftler, der maßgeblich die Fakultät Wald und Forstwirtschaft der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf mit aufgebaut und geprägt hat.
1931 geboren und aufgewachsen in Cziudin in der Bukowina, bedingten die Wirren des Zweiten Weltkriegs die Vertreibung aus der ursprünglichen Heimat nach Thüringen. Geprägt durch die dortige Waldlandschaft nahm Professor Klein an der Humboldt-Universität zu Berlin das Studium der Forstwissenschaften auf, das er 1955 abschloss. Nach zweijähriger Reviertätigkeit folgten drei Jahre wissenschaftliches Arbeiten an der Abteilung Ertragskunde an der Forstlichen Forschungs- und Versuchsanstalt Eberswalde. Hier erfolgte auch 1963 die Promotion. Danach übernahm Erwin Klein die Leitung des Forstbetriebs Mühlhausen, ein Betrieb, der weit über die Grenzen Thüringens hinaus für seine Laubholzplenterwälder berühmt ist. Nach achtjähriger Amtszeit wechselte er als Leiter der Forsteinrichtung und Standortskunde zum Forsteinrichtungsamt in Weimar. Aufgrund der politischen Gegebenheiten erfolgte 1974 eine abenteuerliche Flucht in die Bundesrepublik Deutschland.
Mit seiner fachlichen und persönlichen Kompetenz gelang es Professor Klein in Bayern schnell Fuß zu fassen. Nach vierjähriger Tätigkeit in der Forsteinrichtung an der Forstdirektion Augsburg erfolgte im Oktober 1978 die Berufung zum Professor für Forsteinrichtung und Waldwachstumskunde an die Fakultät Wald und Forstwirtschaft der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf.
Seine Tätigkeit an der Hochschule war geprägt von der Verbindung zwischen anwendungsbezogener Lehre und praxisorientierter Forschung.
Seine persönliche Ausstrahlung, ausgezeichnete Lehre, verbunden mit dem Schwerpunkt der praktischen Umsetzung brachten ihm die höchste Anerkennung der Studierenden ein. Durch seine Lehrtätigkeit hat er eine Generation von Förstern/innen waldbaulich mitgeprägt und den Ruf der Hochschule weit über Bayern hinausgetragen.
Von 1985–1989 stand Professor Klein der Fakultät als Dekan vor. 1991 erfolgte neben seiner eigentlichen Lehr- und Forschungstätigkeit die Berufung zum Gründungssenator der neu zu gründenden Fachhochschule Eberswalde, wo er maßgeblich beim Aufbau der dortigen Hochschule mitwirkte.
Seine wissenschaftliche Tätigkeit äußerte sich unter anderem in zahlreichen Veröffentlichungen zu forsteinrichtungstechnischen und waldbaulichen Fragestellungen mit dem Schwerpunkt von naturnahen Pflegekonzeptionen. Im Fokus seiner Lehr- und Forschungstätigkeit stand für Ihn schon vor 40 Jahren die Umgestaltung von Reinbeständen in gemischte, gestufte naturnahe Wälder und hier war er dem damaligen Zeitgeist weit voraus. Schematisiertes waldbauliches Vorgehen lehnte er ab, nicht das Einzelindividuum stand bei Ihm im Mittelpunkt, sondern das System Wald als Ganzes.
Gleichzeitig legte er in Weihenstephan ein umfangreiches Versuchsflächennetz an, das er bis nur wenige Monate vor seinem Tode selbst noch mit betreute und auswertete.
Für sein erfolgreiches Wirken in Lehre und Forschung wurde Professor Klein 1993 vom Bund Deutscher Forstleute mit der Ehrennadel in Gold ausgezeichnet.
Als Mensch bestach Professor Klein durch seine Toleranz gegenüber Anderen und Anderem, durch seine ausgleichende Persönlichkeit, einem klaren Urteilsvermögen und seiner Kollegialität. Seine direkte Art, meist gepaart mit einem tiefgründigen Humor, wusste jeder zu schätzen, da sie nie verletzend war.
Die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf wird Ihm ein ehrendes Andenken bewahren.
Prof. Dr. Wolf D. Rommel
Rupert Seidl an die TUM berufen
Professur für Ökosystemdynamik und Waldmanagement in Gebirgslandschaften
Waldbau ist die zielgerichtete Steuerung von Waldökosystemen. Diese Kompetenz ist nicht zuletzt aufgrund der steigenden gesellschaftlichen Anforderungen an Wälder und einer sich immer rascher ändernden Umwelt heute wichtiger denn je. Um ein komplexes System wie den Wald erfolgreich steuern zu können, muss man zuerst seine natürliche Dynamik verstehen. Genau hier setzt die neue Professur für Ökosystemdynamik und Waldmanagement an: Ihr zentrales Ziel ist es, das Verständnis der Ökosystemdynamik zu verbessern und dieses für die nachhaltige Waldbewirtschaftung nutzbar zu machen.
Die Ökosystemdynamik beschäftigt sich mit Veränderungen der Natur in Raum und Zeit. Sie wendet eine Kombination vielfältiger Methoden an, um Veränderungen in Ökosystemen zu beschreiben, deren Ursachen zu erforschen und deren Auswirkungen zu quantifizieren. Diese Informationen bilden die Basis für die Ableitung von robusten Managementkonzepten mit dem Anspruch, einen Beitrag zur nachhaltigen Bereitstellung vielfältiger Ökosystemleistungen zu erbringen und die Integrität und Diversität von Ökosystemen in einer sich wandelnden Welt zu bewahren.
Ein spezieller Fokus der Professur liegt auf Gebirgslandschaften. Diese stellen ein ideales Studienobjekt für den oben umrissenen Themenkomplex dar, da sie vom Klimawandel besonders betroffen sind, sich durch eine hohe biologische Vielfalt auszeichnen und gleichzeitig einer Vielzahl von gesellschaftlichen Ansprüchen gerecht werden müssen. In enger Kooperation mit dem Nationalpark Berchtesgaden – Deutschlands einzigem Nationalpark in den Alpen – erforscht die Professur die Prozessdynamik in Gebirgslandschaften. Die hohe topographische Komplexität sowie die Dichte an Umweltbeobachtungen machen den Nationalpark Berchtesgaden zu einem herausragenden Lernort der Ökosystemdynamik. Der Fokus der Arbeiten bleibt jedoch nicht auf eine einzelne Gebirgslandschaft beschränkt, sondern analysiert deren Besonderheiten im Kontrast zu anderen Gebieten (inkl. aktiv bewirtschafteten Ökosystemen der Tief- und Mittellagen). Dieser Vergleich auf größerer räumlicher Ebene erlaubt es, spezielle von generellen Mechanismen zu separieren und die der Dynamik von Ökosystemen zugrunde liegenden Prozesse besser zu verstehen.
Kurzbio
Rupert Seidl (*1979 in Salzburg) studierte nach vorangegangener Ausbildung zum Förster (Försterschule Bruck/Mur) an der Universität für Bodenkultur (BOKU) Wien Forstwirtschaft. Er promovierte 2008 ebenfalls an der BOKU mit einer Arbeit zum Thema Waldbewirtschaftung im Klimawandel. Nach PostDocs an der Oregon State University (OSU) in Corvallis, OR (USA) und der Swedish University of Agricultural Sciences (SLU) in Alnarp (Schweden) kehrte er 2012 an die BOKU zurück. Dort trat er 2013 eine Assistenzprofessur am Institut für Waldbau an und habilitierte sich 2014 im Fach Waldökosystemmanagement. Ab 2015 war Seidl Assoziierter Professor am Institut für Waldbau der BOKU, für welches er 2018 auch die stellvertretende Leitung übernahm.
Seidls Forschungsarbeiten wurden in renommierten internationalen Fachzeitschriften publiziert. Mit über 6000 Zitierungen zählt er lt. Clarivate Analytics zu den am meisten zitierten Wissenschaftlern seines Feldes. Er erhielt für seine Arbeiten eine Vielzahl von Auszeichnungen, darunter den Schweighofer Innovationspreis sowie den START-Preis des Österreichischen Wissenschaftsfonds. Seidl war der erster Kandidat in der 137-jährigen Geschichte der BOKU, der sein Doktoratsstudium mit der höchstmöglichen Auszeichnung „sub auspiciis praesidentis“ abschloss. Im Jahr 2016 wurde er in die Österreichische Akademie der Wissenschaften (Junge Kurie) aufgenommen.
Neben wissenschaftlicher Exzellenz zeichnet sich Seidls Arbeit durch hohe Praxisnähe aus. Er initiierte und leitete z.B. Kooperationsprojekte mit den Österreichischen Bundesforsten und dem Landesforstdienst Oberösterreich zur angepassten Bewirtschaftung von Bergwäldern im Klimawandel. Weiters erarbeitete er in Kooperation mit Schutzgebietsmanagern Abschätzungen zu den Auswirkungen aktueller und zukünftiger Störungen auf die Entwicklung des Nationalparks Kalkalpen.
7. Forum Agroforstsysteme – Blick aufs Ganze!
Erfreuliche Resonanz bei der Tagung Agroforstsysteme
Das Interesse war groß an dem erstmals in Bayern stattfindenden 7. Forum Agroforstsysteme am 10. und 11. Oktober 2019 in Freising-Weihenstephan. Das Forum versteht sich als Plattform für Praxis, Forschung und Beratung der Agroforstwirtschaft und gilt als wichtigste Veranstaltung zu diesem Themengebiet im deutschsprachigen Raum.
Unter dem Motto "Blick aufs Ganze! Innovative Landnutzung mit vielfältigen Funktionen in der Kulturlandschaft" trafen sich rund 200 Wissenschaftler, Berater und Praktiker aus Deutschland, Österreich, Tschechien und der Schweiz auf dem Weihenstephaner Campus in Freising und beleuchteten die Agroforstsysteme aus verschiedenen Blickwinkeln. Zu der Veranstaltung luden die Bayerischen Landesanstalten für Landwirtschaft (LfL) sowie für Wald und Forstwirtschaft (LWF), die TU München (TUM), Lehrstuhl für Strategie und Management der Landschaftsentwicklung und das Zentrum Wald-Forst- Holz Weihenstephan gemeinsam ein.
Die Präsidenten der Bayerischen Landesanstalten für Landwirtschaft und für Wald und Forstwirtschaft - Jakob Opperer und Olaf Schmidt - eröffneten die Tagung.
Einen mitreißenden Keynote-Vortrag hielt Professor em. Dr. Alois Heißenhuber, ehemals TUM, zum Thema „Landwirtschaft der Zukunft – produktiv, umweltverträglich und gesellschaftskonform“. Gerade die beiden Aspekte effizient und produktiv sowie nachhaltig und gesellschaftskonform widersprechen sich eigentlich und es ist die große Herausforderung, diese beiden Vorgaben bei zukunftsfähigen Modellen
der Landwirtschaft in Einklang zu bringen.
Im Fokus der rund 40 Vorträge und Posterpräsentationen standen ökologische, ökonomische, landschaftsgestalterische, pflanzenbaulich- produktionstechnische und rechtliche Aspekte. Gegenstand der Vorträge und Poster zu den Umweltleistungen von Agroforstsystemen waren vor allem die positiven Wirkungen auf den Wasserhaushalt, den Boden, die biologische Vielfalt und die Kohlenstoffbindung im Boden.
Wirtschaftlichkeit von Agroforstsystemen
Dr. Herbert Borchert von der LWF stellte ein Agroforstsystem mit Fruchtfolge aus Winterweizen, Hafer und Kleegras im Ökolandbau in Kombination mit Energieholzstreifen vor, das genauso wirtschaftlich sein kann wie die reine Ackerkultur. Nahe den Gehölzstreifen waren die Erträge der Ackerfrüchte niedriger als auf dem Feld ohne Energieholzstreifen, etwas weiter entfernt von den Gehölzen waren sie jedoch höher. Beides glich sich aus, sodass bezogen auf die beackerte Fläche die Erträge gleich blieben.
Blauglockenbäume mit erstaunlichem Wachstum
Christian Genser von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf präsentierte Ergebnisse von Anbauversuchen mit Paulownien in Weihenstephan. Bei den in China beheimateten Arten der Gattung Paulownia (Blauglockenbäume) handelt es sich um schnell wachsende Baumarten, die hervorragendes Nutzholz wie auch Energieholz liefern. Bei einer Rohdichte von 0,29 g/cm³ ist das Holz deutlich leichter als Fichtenholz, besitzt aber dennoch eine hohe Festigkeit, die einen Einsatz im Instrumenten-, Möbel-, Fahrzeug- und Schiffsbau ermöglicht. Die Arten könnten durch den Klimawandel derart profitieren, dass sie auch für einen Anbau in Bayern in Frage kommen. Die Tagungsteilnehmer konnten sich von der erstaunlichen Wuchskraft selbst ein Bild machen. Zweijährige Stockausschläge aus dem zweiten Umtrieb erreichen auf einer Campus- Versuchsfläche Höhen von acht Metern.
Agroforstwirtschaft mindert Erosion und trägt zum Humusaufbau bei
Dr. Philipp Weckenbrock von der Justus-Liebig-Universität Gießen betonte, dass Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel aktuell zu den größten Herausforderungen für Landwirtschaft und Gesellschaft zählen. Bodenerosion durch Starkniederschläge und Ernteausfälle bei Hitze- und Dürreperioden werden zunehmend problematisch. In Hinblick dessen gilt es, landwirtschaftliche Flächen so zu nutzen, dass durch ganzjährige Bedeckung – wie beispielsweise durch Energie-, Wertholz- und Obstbaumstreifen – direkter Oberflächenabfluss gebremst und reduziert wird. Gleichzeitig kann der Boden durch Humusaufbau mehr Wasser aufnehmen und langfristig speichern.
Neben der Anpassung an sich ändernde Klimabedingungen werden von diesen Agroforstsystemen auch viele weitere positive Auswirkungen erwartet: zum einen – z. B. durch erhöhte Bodenfruchtbarkeit und zusätzliche Erträge – für den Hof selbst, zum anderen auch für die Gesellschaft. So zeigen viele wissenschaftliche Studien den Wert von Agroforstsystemen für den Schutz der Artenvielfalt, des Grundwassers und des globalen Klimas.
Verstärkte Förderung für Agroforstwirtschaft gefordert
Dr. Daniel A. Amthauer Gallardo vom Thünen-Institut betonte, dass Agroforstsysteme das Potenzial haben, wichtiger Bausteine einer zukunftsfähigen, nachhaltigen und multifunktionellen Landnutzung zu werden. Bislang rechnet sich diese Bewirtschaftungsform trotz bestehender Förderwege für die Landwirte häufig nicht. Die Politik ist daher gefragt, die Systeme so zu fördern, dass sie für Landwirte finanziell attraktiv werden und alle Vorzüge dieser Anbauform zur Geltung kommen. Die Verbreitung von Agroforstsystemen in Deutschland zu erhöhen ist erklärtes Ziel des im Sommer 2019 gegründeten „Deutschen Fachverbands für Agroforstwirtschaft e.V. (DeFAF)“. Dr. Christian Böhm von der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg berichtete über die Aktivitäten des DeFAF in Politik und Branche.
Im Rahmen eines "Marktplatzes" konnten sich die Tagungsteilnehmer über Dienstleistungen, staatliche und private Beratungsangebote sowie Praxiserfahrungen von Landwirten informieren. Am zweiten Tag fanden zur Veranschaulichung ein Workshop zur Planung von Agroforstsystemen sowie Fachexkursionen zu Betrieben in der Region statt.
Einig waren sich die Teilnehmer der Tagung darin, dass Sie sich mehr Unterstützung für die Etablierung dieser ökologisch sehr nachhaltigen Landnutzungsform durch die Politik und die Landwirtschaftsverwaltung wünschen.
Weitere Informationen:
Publikationen der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft:
Website zum 7. Forum Agroforstsysteme der Bayerischen Landesanstalt für Landwirstschaft:
7.500 Besucher beim Waldbesitzertag in Donauwörth
Zahlreich folgten Waldbesitzer und Waldbesitzerinnen sowie Interessierte der Einladung zum Waldbesitzertag Nordschwaben am 22. September nach Donauwörth. Die Veranstaltung wurde von den beiden Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Nördlingen und Wertingen in Zusammenarbeit mit der Stadt Donauwörth, der Forstbetriebsgemeinschaft Dillingen, der Waldbesitzervereinigung Nordschwaben, dem Forstbetrieb Kaisheim der Bayerischen Staatsforsten AöR sowie der Sozialversicherung Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau ausgerichtet.
Über 100 Firmen, Verbände und weitere Akteure informierten im Herzen der Altstadt und im Stadt-Wald rund um Wald-Themen, Forstwirtschaft und Naturschutz. Das Zentrum Wald-Forst-Holz Weihenstephan (ZWFH) informierte an seinem Ausstellungsstand über die Studienmöglichkeiten am ZWFH und präsentierte zahlreiche Publikationen der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) zu verschiedensten Praxisthemen. Die Ausstellung zu Borkenkäfer und Eichenprozessionsspinner stieß bei den Besuchern am Forstzentrums-Stand auf besonders großes Interesse. Wie Buchdrucker, Kupferstecher und Nordischer Fichtenborkenkäfer stark vergrößert aussehen, konnte jeder selbst an zwei Mikroskopen erkunden. Anhand winziger Eigelege, Falter und Häutungsresten konnte den Waldbesitzern das Problemfeld Eichenprozessionspinner nähergebracht werden. Eine studentische Projektarbeit der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf zu Biodiversität im Freisinger Staatswald ergänzte mit zahlreichen Fotos auf vier Rollups den Zentrums-Auftritt.
Der Waldparcours war vom Hauptausstellungsgelände per Shuttle-Bus zu erreichen. Dort war die ganze Bandbreite moderner Forsttechnik live erlebbar. Über 5.000 Forstinteressierte informierten sich bei den Vor- und Ausführungen an den einzelnen Ständen. Baumpflanzverfahren, historische Motorsägen, eine ganz spezielle Saattechnik, Verkehrssicherung am stehenden Baum und vieles mehr machten den Weg durch den Wald zu einem wahrlich besonderen Erlebnis. An vielen Stationen war es möglich praktische Arbeiten selbst durchzuführen.
Drei der fünf Referenten der Fachvorträge aus Wissenschaft und Praxis kamen aus dem Zentrum Wald-Forst-Holz Weihenstephan. Professor Dr. Hubert Röder referierte über Holzaufkommen und Bioökonomie, Sebastian Kienlein von der TU München gab Einblicke, wie Waldbesitzer die Biodiversität im gemischten Wirtschaftswald fördern können. Am dringendsten interessierte die Waldbesitzer jedoch das Thema Baumarten im Klimawandel, zu dem Dr. Hans-Joachim Klemmt von der Abteilung Boden und Klima der LWF den aktuellen Wissenstand vorstellte. MR Stefan Pratsch hielt den Vortrag Brennpunkt Waldschutz und Michael Schenk gab wichtige Hinweise zur Arbeitssicherheit.
weitere Informationen: http://www.aelf-wt.bayern.de/forstwirtschaft/waldbesitzer/211234/index.php


