Interview Climate Change Management
Internationaler Master-Studiengang startet an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf zum Wintersemester 2020/21
Der Europäische Klimadienst Copernicus veröffentlichte unlängst die Meldung, dass 2019 für Europa das heißeste gemessene Jahr war. Wälder, Wiesen und Felder erleiden Trockenschäden, Gewässer überhitzen, extreme Unwetter häufen sich. Dies sind schon jetzt deutlich spürbare Folgen des Klimawandels, der insbesondere die Landnutzung vor große Herausforderungen stellt.
Der neue Master-Studiengang „Climate Change Management“ der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) setzt sich mit genau diesen Herausforderungen auseinander. Die drei Fakultäten Landschaftsarchitektur, Wald und Forstwirtschaft sowie Nachhaltige Agrar- und Energiesysteme arbeiten für den Master eng zusammen und bieten diesen erstmals zum Wintersemester 2020/21 an.
Professor Dr. Jörg Ewald von der Fakultät Wald und Forstwirtschaft hat an der Entwicklung des Studiengangs mitgewirkt. Was genau hinter dem neuen Master steckt, erläutert er im Interview.
Sehr geehrter Professor Ewald, was ist das Ziel des neuen Studiengangs?
Der neue Studiengang „Climate Change Management“ richtet sich an ein sehr breites Publikum. Er setzt sich mit drei großen Kern-Fragestellungen auseinander: Wie wirkt sich der Klimawandel in der freien Landschaft aus? Was können Land- und Forstwirtschaft sowie die Landschaftsplanung tun, um die Effekte des Klimawandels abzumildern? Und wie können sie sich an den Klimawandel anpassen? Wir gehen davon aus, dass Klimawandel und Landnutzung weltweit ein Riesenthema ist. In den Berufssektoren wird zunehmend nach Experten gefragt, die aufbauend auf einer grünen Grundausbildung spezielles Fachwissen zum Klimawandel mitbringen. Wir sehen da auch den internationalen Markt. Der Studiengang wird deshalb konsequent auf Englisch abgehalten. Ziel der Hochschule ist hier, ein weltweites Publikum anzusprechen und Studierende aus aller Herren Länder anzuziehen, die dann unsere Kompetenzen und Ideen, wie man in Mitteleuropa mit dem Klimawandel umgeht, in ihre Länder mitnehmen und dort in ihre Arbeit einbringen. Es soll also durchaus ein guter Teil der Studierenden aus anderen Ländern kommen.
Wie ist der Studiengang aufgebaut?
Der Studiengang hat drei Semester. Im ersten stehen die Auswirkungen des Klimawandels auf die Natur, die freie Landschaft, aber auch schon auf die Landnutzungssysteme im Mittelpunkt. Das zweite Semester ist den Lösungen dringender Fragen gewidmet: Wie sieht Anpassung konkret aus? Wie können Klimawandelfolgen abgemildert werden? Welche Maßnahmen können getroffen werden, und wie können diese durch entsprechende Politik umgesetzt werden? Dann folgt das dritte Semester mit der Master-Arbeit.
Jetzt ist es so, dass es durch die Bologna-Reform unterschiedliche Studiensysteme gibt. Hier an der HSWT haben wir im Bachelor sieben Semester. Dazu passt das dreisemestrige Aufbaustudium nahtlos zusammen. Andere Studierende werden ihren Bachelor zum Teil auch in sechs Semestern absolviert haben. Diese Studierenden brauchen dann ein weiteres Semester, das als Praxissemester vorgesehen ist. Häufig ergeben sich darüber auch Masterarbeits-Themen und gute Aussichten auf Arbeitsplätze.
Die Idee zu dem Master liegt sicher schon etwas zurück. Hat die Fridays for Future-Bewegung zusätzlich Wind in die Segel für die Umsetzung gebracht?
Das hat auf jeden Fall Wind in die Segel gebracht. Es hat definitiv auch unsere Hochschulleitung und das Ministerium überzeugt, dass es sinnvoll und marktkonform ist als Hochschule für angewandte Wissenschaften hier ein eigenes Angebot zu machen. Da sind wir durchaus auf offene Ohren gestoßen.
Und auch wir als zukünftige Lehrende haben ziemlich viele Anfragen bekommen. Zum Beispiel unser Studiengangkoordinator, Professor Dr. Matthias Drösler, hat mehrmals bei Fridays for Future gesprochen und dort die Bedeutung der Moore für die Abmilderung des Klimawandels herausgestellt. Zahlreiche Dozenten haben sich auch an den Public Climate Schools, die Students for Future hier am Campus organisiert haben, beteiligt. Klar, wir sehen da auch die Nachfrage von den jungen Leuten, die sich eine berufliche Perspektive schaffen wollen. Und das wollen sie im Einklang mit ihren Überzeugungen tun. Da sehen wir so einen Studiengang als sehr wichtig an.
Der Studiengang soll ab dem Wintersemester 2020 angeboten werden. Was müssen Interessierte mitbringen, um sich dafür bewerben zu können?
Die Voraussetzung für den Studiengang ist ein grundständiger Bachelor, der die Themen Landnutzung abdeckt – Klassiker wären hier Land- und Forstwirtschaft oder Forstwissenschaft – und das Feld der Umweltwissenschaften. Dazu gehören Studiengänge mit physischer Geographie, Geoökologie, Landschaftsplanung, Landschaftsarchitektur und einige mehr. Und es gibt natürlich Bachelor-Studiengänge, die den Klimawandel schon als Hauptthema behandeln. Wir gehen also davon aus, dass die Studierenden bereits eine Systemkenntnis von zumindest einem Landnutzungssystem mitbringen und auch die naturwissenschaftlichen Grundlagen für dieses System beherrschen. So fangen wir im Master nicht bei null an, sondern können uns auf die klimawandelspezifischen Themen konzentrieren. Der Fokus liegt ganz klar auf der Landnutzung und den Auswirkungen des Klimawandels auf die freie Landschaft – passend zum Profil unserer grünen Hochschule mit den grünen Fächern.
Welche Rolle spielen Wald und Forstwirtschaft im neuen Master?
Wald und Forst sind allein schon bei den Lehrenden stark vertreten. Wir haben mehrere Dozenten aus der Fakultät Wald und Forstwirtschaft, die sich in den neuen Studiengang einbringen. Wir bestreiten das Modul Statistik und Dendroökologie, das Modul natürliche Ressourcen zusammen mit der Fakultät Landschaftsarchitektur, in dem auch der Naturschutz abgedeckt wird. Wir sind grundsätzlich in den Modulen, die sich der Landnutzung widmen, zu praktisch 50 Prozent vertreten.
Da geht es natürlich auch um die Anpassung unserer Wälder und der Forstwirtschaft an den Klimawandel. Wir sind hier in Bayern eine Art Pilotregion, da sich der Klimawandel in Mitteleuropa besonders stark auswirkt. Es geht aber auch um die weltweiten Mechanismen, beides wird im Studiengang abgedeckt sein.
Und wir hoffen, dass wir mit der neuen Professur, die wir demnächst ausschreiben werden, den Bereich Governance aus forstlicher Sicht bedienen können. Da geht es um Themen wie REDD+ als Programm gegen Entwaldung und gegen die Degradierung von Waldökosystemen, um politische Mechanismen wie Klimaschutz-Zertifikate und Emissionshandel und das in Wert setzen von Ökosystemleistungen.
Welche Möglichkeiten haben Studierende sich zu spezialisieren?
Wir gehen von einer Studierendenzahl von 30 aus. Es gibt keine speziellen Studienrichtungen innerhalb des Masters. Wir werden die Studierenden aber mit Projekt-Modulen in jedem Semester betreuen. Jeder kann sich für die Masterarbeit ein Thema aus dem eigenen Heimatland aussuchen. So können individuell eigene Schwerpunkte gesetzt werden.
Die Wahlfächer haben wir dagegen überwiegend im Bereich der Soft Skills angesiedelt. Wir gehen davon aus, dass es im Bereich der Kommunikation, des Konfliktmanagements und der interkulturellen Kompetenz einen großen Bedarf geben wird. Es geht da immer auch um den Erwerb von Fachsprachkompetenz. Diesen Bereich organisiert unser Sprachenzentrum.
Wir rechnen dabei durchaus mit neuen Herausforderungen: Mehrsprachigkeit, unterschiedliche Kulturen und Denksysteme sowie die Herkunft aus verschiedenen Rechtssystemen müssen erst einmal zusammengebracht werden. Da gilt es die kommunikativen Fähigkeiten zu schärfen, die überall im Beruf wichtig sind.
Sind Kooperationen mit externen wissenschaftlichen Einrichtungen geplant?
Ja, wir haben Lehrinput von Universitäten und renommierten Institutionen, darunter bekannte Persönlichkeiten, die bei uns bestimmte Lehrveranstaltungen übernehmen. So unterrichten z.B. Professor Dr. Peter Höppe von der Rückversicherung Munich Re und Dr. Christian Zang von der TU München.
Im Rahmen von internationalen Forschungsprojekten arbeiten wir mit Einrichtungen zusammen, die als Gastgeber für die Studierenden im Praxissemester eine wichtige Rolle spielen. Hier haben wir zum Beispiel Kontakte nach Costa Rica zum CATIE-Institut und nach Afrika, Äthiopien und Kenia, wo die HSWT die Kooperationen im landwirtschaftlichen Bereich stark ausbaut. Wir sind dabei weitere Kooperationen einzugehen und denken dabei auch an Gastwissenschaftler, die zeitweise zu uns an die HSWT kommen. Wir möchten auch eine englischsprachige Ringvorlesung jeweils im Wintersemester organisieren, für die wir regelmäßig Gastredner aus dem Ausland einladen werden.
Welche Arbeitsbereiche erschließen sich zukünftigen Absolventen?
Wir sehen da auf dem heimischen Markt durchaus die klassischen Arbeitgeber der Forstbranche, also auch die Forstverwaltung. Wir nehmen durchaus wahr, dass das Thema Klimawandel mit einer stärkeren Spezialisierung vertreten sein sollte. Da glauben wir, dass der Master eine sehr gute Qualifikation ist. Das gleiche gilt natürlich für die landwirtschaftliche Beratung an den Ämtern, auch an den Wasserwirtschaftsämtern. Es gibt mehrere große Verwaltungen, die sich mit der freien Landschaft beschäftigen und die den Klimaschutz immer stärker einbeziehen. Wir denken aber auch an die größeren Kommunen, die zunehmend Klimaschutzmanager-Stellen schaffen. Es gibt derzeit Förderprogramme, damit speziell solche Stellen eingerichtet werden können. Gerade Kommunen im ländlichen Raum mit stark vom Klimawandel betroffenen Flächen dürften an solchen Fachleuten stark interessiert sein.
Dann gibt es den großen internationalen Markt, der mit Entwicklungszusammenarbeit und Emissionshandel zusammen hängt. Hier gibt es wichtige NGOs, die versuchen eine Klimagerechtigkeit auf globaler Ebene herzustellen und Projekte anzuschieben, die gegen Entwaldung und gegen die Degradierung von Forst- und Agrarökosystemen weltweit arbeiten. Das kann klassische Entwicklungshilfe sein, das können aber auch Formate sein, die anders finanziert sind. Vielleicht auch aus privatwirtschaftlich finanzierten Quellen. Hier sehen wir sowohl für die deutschen Absolventen die Möglichkeit sich zu entwickeln, als auch für die Studierenden aus anderen Ländern, die im Heimatland mit dieser Qualifikation ein Betätigungsfeld finden können.
Herzlichen Dank für das Interview.
Sehr gerne! Wir freuen uns auf viele neue Gesichter und engagierte Studierende!
Weitere Informationen:
- zur Pressemeldung der HSWT:
- zum Studiengang: https://www.hswt.de/studium/studiengaenge/mcc.html
- zur Person: https://www.hswt.de/person/joerg-ewald.html
- zur Online-Vortragsreihe "Vom Klimawandel zur Waldkrise": https://www.hswt.de/klimawandel-waldkrise.html
Fragen an Professor Volker Zahner, Leiter des Zentrums
Professor Dr. Volker Zahner studierte Forstwissenschaften an der LMU, war unter anderem Mitarbeiter an der LWF, hat an der TU München zum Thema Biber und gewässernahe Wälder promoviert und ist seit 2002 Professor für Zoologie, Wildtierökologie und Entomologie an der HSWT. Er hat also alle drei Partner im Zentrum Wald-Forst-Holz Weihenstephan intensiv kennenlernen können. Seit Oktober 2019 ist er – bereits zum zweiten Mal – für zwei Jahre der Leiter des Forstzentrums.
Lieber Professor Zahner, Sie sind im Spessart aufgewachsen. Wurde der Zugang zum Wald Ihnen damit bereits in die Wiege gelegt? Und wann sind die Wildtiere für Sie zum Thema Nummer eins geworden?
Ich bin in einem Haus am Ortsrand von Lohr mit einer großen Streuobstwiese unweit des Lohr-Bachs aufgewachsen. Hier gab es jede Menge zu entdecken, bunte Molche, Bachforellen, Nester mit Jungvögeln. So kam die Begeisterung für die Natur von klein auf. Urgroßvater, Großvater und Onkel waren zudem Forstleute und auch die Geschichten meines Vaters von seiner Jugend im Forsthaus Altenbuch prägten mich sicher mit.
Wald und Biodiversität haben in der öffentlichen Diskussion der letzten zwei Jahre ordentlich an Fahrt aufgenommen. Welche Chancen sehen Sie darin für das Forstzentrum?
Ich halte es für wichtig, dass das Forstzentrum auch neue und gesellschaftlich relevante Themen aufgreift und Antworten sucht. Ich denke, dass wir am Zentrum eine breite Expertise an Wissenschaftlern und Fachleuten haben um diese Fragen gut bearbeiten zu können.
Welche Erfahrungen bringen Sie aus der politischen Arbeit als wissenschaftlicher Berater mit und welche Möglichkeiten sehen Sie für das ZWFH?
Ich halte es für wichtig, dass die Politik wissens- und evidenzbasiert handelt. Von daher ist die Politik gut beraten, wenn sie bei Waldthemen unsere Expertise nutzt. Meine Erfahrung mit der Politik beschränkt sich aber auf die Tätigkeit als Mitglied im obersten Naturschutzbeirat am Umweltministerium und im Bayerischen Naturschutzfond, bzw. einzelnen Siftungsräten.
Ob Maschinen-Einsatz, Jagd oder FFH-Gebiet – die Arbeit des Försters birgt Konfliktpotenzial. Stößt die integrative Waldbewirtschaftung an ihre Grenzen?
Ich halte das Prinzip der integrativen Waldbewirtschaftung gerade in einem dicht besiedelten und stark urbanisierten Land für richtig. Allerdings ist es in meinen Augen wichtig, den forstlichen Wertekanon entsprechend der gesellschaftlichen Bedürfnisse nach zu justieren.
Die Vermittlerrolle im Wald wird immer wichtiger. Wie werden angehende Forstingenieurinnen und Forstingenieure im Studium darauf vorbereitet?
Ich denke, dass die Arbeit von Forstleuten heute so komplex und vielfältig ist wie noch nie. Entsprechend mehr Feingefühl und kommunikative Fähigkeiten sind gefragt. Gerade Beratungssituationen trainieren Kollege Endres und Vogl intensiv und interaktiv mit unseren Studierenden. Aber auch über mehrere Präsentationen im forstwirtschaflichen, dem forstpolitischen Seminar oder einer der praxisbegleitenden Lehrveranstaltungen lernen unsere Studierenden zuzuhören, zu argumentieren und zu moderieren.
Die Seminarreihe Wildtiere der HSWT feiert ihr zwanzigjähriges Bestehen. Haben Sie einen Lieblingsvortrag der letzten Jahre? Und gibt es Themen die Ihnen dauerhaft auf den Nägeln brennen?
Die Seminarreihe hat mir immer Spaß gemacht und wir hatten im Laufe der Zeit viele große Namen wie z.B. Eric Ziemen, Peter Berthold, Franz Baierlein oder Jan Haft zu Gast. Entsprechend kann ich nicht einen Vortrag herausheben. Was mich aber sehr gefreut hat ist, dass die Studierenden die Seminarreihe über all die Jahre intensiv angenommen haben, ebenso wie viele Interessierte aus dem Zentrum (v.a. LWF) aber auch aus Freising.
Mit der Zentrums-Strategie 2030 blicken wir in Richtung Zukunft. Wo sehen Sie die Schwerpunkte in der Strategie?
Die große Aufgabe den Klimawandel anzugehen ohne dabei das Thema Biodiversität zu vergessen, ist in meinen Augen der Schwerpunkt der nächsten Jahrzehnte.
Was liegt Ihnen als Leiter des Forstzentrums am meisten am Herzen?
Mir liegt natürlich am Herzen, dass das Zentrum noch stärker zusammenwächst und als der Ansprechpartner in Sachen Wald wahrgenommen wird. Ich hoffe daher auf unser Projekt „Waldsofa“, mit dem wir ein eigenes Format in der Kommunikation setzen wollen. Leider ist dies zunächst mit Corona ausgebremst, aber ich hoffe auf die Zukunft.
Sehr geehrter Professor Zahner, herzlichen Dank für die Beantwortung unserer Fragen.
Kontakt und weitere Informationen: https://www.hswt.de/person/volker-zahner.html
Studienbetrieb in der Corona Krise
Was passiert an der Fakultät Wald und Forstwirtschaft im Sommersemester?
Der Semesterstart an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf musste auf Grund der Coronavirus-Pandemie vom 16. März 2020 auf den 20. April 2020 verschoben werden. Auch nach dem 20. April ist an einen Lehrbetrieb mit Vorlesungen im Hörsaal derzeit nicht zu denken. Wie geht die Fakultät Wald und Forstwirtschaft mit den neuen Herausforderungen um? Dem Dekan Professor Dr. Knut Hildebrand haben wir dazu zehn Fragen gestellt:
Wie schätzen Sie aktuell die Situation für die Fakultät ein?
Im Moment (vorerst bis 19. April 2020) ist die Hochschule geschlossen, das heißt nur diejenigen Personen, die unbedingt notwendig für den Betrieb vor Ort sind, dürfen die Gebäude betreten. Alle anderen arbeiten, soweit möglich, von zu Hause aus. Ich würde sagen, die Stimmung ist den Umständen entsprechend gut. Wir telefonieren viel miteinander und haben nahezu täglich eine Videokonferenz, das „Virtuelle Café Toni“, wo sich alle informell miteinander austauschen können.
Wie bereitet sich die Fakultät auf das Sommersemester 2020 organisatorisch vor?
Alle Dozierenden sind derzeit in großem Umfang damit beschäftigt, sich Fertigkeiten in digitalen Medien anzueignen oder diese zu erweitern, um möglichst alle Inhalte der Lehre online anbieten zu können. Es werden Lehrvideos produziert, Podcasts erstellt und zahllose Folien überarbeitet. Das alles nimmt wahnsinnig viel Zeit in Anspruch!
Im Hintergrund informiert sich die Fakultätsleitung beständig über die neuesten Regelungen, da noch sehr viel unklar ist und natürlich „von oben“ geregelt werden muss. Da fällt täglich eine Flut von Mails und Telefonaten an. Es sind unruhige, aber auch sehr produktive und kreative Zeiten.
Durch den späteren Semesterstart fehlen 21 Unterrichtstage. Wie geht die HSWT mit dem verkürzten Semester um und was bedeutet das für den Prüfungszeitraum?
Wir versuchen tunlichst alle Inhalte Online anzubieten und das möglichst interaktiv. Die Zeit vor dem 20. April haben sehr viele genutzt um entweder Material vorzubereiten, oder schon vorab für die Studierenden bereit zu stellen, so dass wir ab dem 20. April durchstarten können. Ferner sollen die Vorlesungszeiten und Prüfungen sehr flexibel gehandhabt werden, und es kann möglicherweise eine Verlängerung geben.
Gegenwärtig ist noch unklar, wie die Prüfungen abgehalten werden können, aber klar ist, dass sie angeboten werden. Das heißt für die Studierenden geht kein Semester komplett verloren.
Wird es eine Präsenzlehre im Sommersemester 2020 geben?
Im Studiengang Forstingenieurwesen wäre es natürlich von Vorteil, wenn es noch eine, wenn auch vielleicht kurze, Präsenzphase gäbe. Denn gerade praktische Übungen im Wald lassen sich nur mit eingeschränkter Qualität in den digitalen Raum übertragen. Aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es noch keine genaue Erkenntnis darüber, wie es nun genau weitergeht. Wir hoffen allerdings auf Klärung in den nächsten Wochen.
Wie gehen Sie dann mit den vollen Hörsälen um?
Das wäre dann eines der vielen Probleme, die es bezüglich einer Präsenzlehre zu klären gilt. Möglich wäre, rein hypothetisch zum aktuellen Zeitpunkt, dass wir alle Vorlesungsinhalte online anbieten und nur Veranstaltungen, wie z.B. Praktika und Waldübungen mit kleinen Gruppen und vorzugsweise draußen anbieten.
Welche Schutzmöglichkeiten gegen Ansteckung sind geplant?
Da wir noch nicht wissen, ob es in diesem Semester zu einer Präsenzlehre kommt, haben wir diesbezüglich keine abschließenden Konzepte. Es muss ja dann auch konform mit dem gehen, was wir von Seiten des Ministeriums und der Hochschulleitung für Vorgaben bekommen.
Denkbar ist gegenwärtig vieles, von Desinfektionsmittelspender an den Hörsälen, über verpflichtenden Mundschutz und ausreichendem Abstand. Wichtig, wie für alle anderen Bereiche auch, wird aber meiner Meinung nach irgendwann eine flächendeckende Immunisierung sein.
Online Vorlesungen zu entwickeln braucht auch seine Zeit, welche Möglichkeiten wurden in Erwägung gezogen? Welche Probleme sehen Sie?
Wie erwähnt, sind im Moment alle Kolleginnen und Kollegen sehr beschäftigt damit, Vorlesungen und Übungen im digitalen Format zur Verfügung zu stellen. Hier geht es ja nicht nur darum einfach Skripten in das Netz zu stellen, sondern auch zeitgemäße Selbstlernmethoden zu fördern. Die Bandbreite ist groß, sie reicht von Videokonferenzen, Gruppenchats, Podcasts, Lehrvideos bis hin zu virtuellen Tafelanschrieben über Tablets. Außerdem nutzen wir das Angebot der Virtuellen Hochschule Bayern (https://www.vhb.org/).
Ich bin täglich in Kontakt mit Kolleginnen und Kollegen, der Hochschulleitung und der Verwaltung. Es wird sich rege ausgetauscht, um die Herausforderungen (Technik, Organisation, Rechtliches) zu meistern. Die Solidarität ist überwältigend groß und ich bin zuversichtlich, dass wir das sehr gut hinbekommen werden!
Gibt es schon Überlegungen zur Durchführung von Exkursionen, ein- und mehrtägig?
Wir haben die geplanten Lehrfahrten für dieses Semester leider absagen müssen, auch hinsichtlich der sonst zu erwartenden Stornokosten für Busse und Unterkünfte. Sollte es wirklich noch zu einer längeren Präsenzphase kommen, so wird vielleicht das ein oder andere noch nachgeholt werden können. Aber das bleibt abzuwarten.
Sehen Sie in den zu entwickelnden Vorlesungsmodellen auch Chancen für die Zukunft?
Die von den Dozierenden entwickelten Formate und die erworbenen Fertigkeiten und Kenntnisse bleiben erhalten. Ich gehe davon aus, dass wir in einigen Bereichen eine starke Zunahme in der Onlinelehre sehen werden. Zumindest flankierend zur klassischen Vorlesung werden sich digitale Formate immer mehr durchsetzen. Alles andere ist in zunehmendem Maße kaum mehr zeitgemäß.
Wo sehen Sie Grenzen der digitalen Lehre für die Fakultät Wald und Forstwirtschaft?
Speziell im Forstingenieurwesen werden wir auf Grund des sehr hohen Praxisanteils auch in naher bis in die mittlere Zukunft auf Präsenz der Studierenden bestehen müssen. Vielleicht ist eines Tages ein virtueller Gang durch den Wald möglich, vielleicht über VR-Brillen. Dafür würden aber Bandbreiten erforderlich werden, die wir gegenwärtig noch nicht haben. Aber auch hier würden dann einige entscheidende Merkmale fehlen, die wir wahrscheinlich nie wirklich virtuell abbilden können. Ich rede von den Geräuschen des Waldes, dem Gefühl des federnden Waldbodens und nicht zuletzt vom Geruch.
Sehr geehrter Herr Professor Hildebrand, ich bedanke mich, dass Sie das Interview kurzfristig möglich gemacht haben.
Die Fragen stellte Heinrich Förster, Geschäftsführer des Zentrums Wald-Forst-Holz Weihenstephan.
Weitere Informationen zu Professor Knut Hildebrand: https://www.hswt.de/person/knut-hildebrand.html
Warten bis die Käfer schlüpfen
HSWT-Projekt untersucht Hochstümpfe als Lebensraum für xylobionte Artengemeinschaften
Im Gewächshaus der Fakultät Wald und Forstwirtschaft der HSWT lagern derzeit 50 Stammabschnitte in großen Plastiksäcken. Aus ihnen sollen – so die Hoffnung von Dr. Tomás Lackner – zahlreiche Insekten schlüpfen. Drei Mal in der Woche öffnet er die Säcke, kontrolliert sie auf Käfer und Co. und entfernt das Kondenswasser. Das ist aufwändig und dauert pro Durchgang etwa zwei Stunden, zum Feierabend werden die Säcke dann wieder geschlossen. Die Larven der xylobionten Arten brauchen zwar die Feuchtigkeit für eine zügige Entwicklung, aber ohne das Lüften und Trocknen würden die Hölzer verstocken und faulen.
Seit November 2019 bearbeitet Lackner das Projekt Biotopstümpfe (Hochstümpfe) als Lebensraum für xylobionte Artengemeinschaften - Studie einer unechten Zeitreihe an der HSWT. Kooperationspartner sind die Bayerischen Staatsforsten, die seit 2018 rund 5000 Hochstümpfe aktiv als stehendes Totholz geschaffen haben. Im Rahmen des Projekts werden Fragestellungen zur Biomasse der Insekten und zur Zusammensetzung der Artengruppen an Hochstümpfen untersucht. Aber auch die Relevanz der Ergebnisse für Natur- und Waldschutz oder Fragen zur Habitatnutzung an Hochstümpfen sind für das Projekt von Interesse.
Noch ist die Ausbeute an frisch geschlüpften Insekten gering. „Der Februar war zwar schon warm, aber jetzt im März ist es sehr kalt. Da lassen die Käfer noch auf sich warten“, meint Dr. Tomás Lackner und hält einen Becher mit 95-prozentiger Ethanol-Lösung hoch. Bei jedem Holzstück lagert einer dieser Becher. Die Insekten werden darin aufbewahrt, bis sie bestimmt werden. „Einige der Becher sind noch leer, aber heute habe ich schon mehrere Schlupfwespen und einen Dunklen Zierbock (Anaglyptus mysticus) gefunden.“ Lackner ist sich sicher, dass im April viel mehr Insekten ans Tageslicht kommen und dass dann auch mehrere Bockkäferarten dabei sind. Ab Mai möchten dann sechs Studierende Daten aus dem Projekt für ihre Bachelor-Arbeit nutzen.
„Ich selber habe jetzt Zeit – wegen mir könnten die Käfer auch erst im Juni oder Juli schlüpfen. Wegen der Corona-Pandemie sind alle Fachkongresse abgesagt, ich bin also eh hier.“ Dr. Tomás Lackner ist seit über vier Jahren in Deutschland. Der aus der Slowakei stammende Entomologe hat bereits reichlich internationale Erfahrung gesammelt. Er hat unter anderem in Amsterdam studiert und dort sieben Jahre lang Arbeitserfahrung gesammelt. Für seine Promotion war er sechs Jahre in Japan. Es folgten Stellen in Prag und München, wo er zuletzt über ein Humboldt-Forschungsstipendium an der zoologischen Staatssammlung arbeitete und Käfer verschiedener Wüsten in Afrika und Asien untersuchte.
Auf die Frage, warum er Entomologe geworden ist kommt er ins Schwärmen. Er erzählt von den Wäldern und der Natur seiner Heimat im Osten der Slowakei. Angrenzend an seine Stadt gab es einen Eichenwald, in den es ihn schon als Kind immer wieder hinauszog. Etwas weiter entfernt standen wunderschöne alte Buchenwälder und etwas höher gelegen die Nadelwälder. „Seit ich elf Jahre alt war sammle ich schon Käfer. Und als Jugendlicher konnten mich nicht einmal die Mädchen vom Sammeln abhalten.“ Er lacht. Aber mit der Biodiversität ist es ihm ernst. „Diese Vielfalt – gerade bei den Käfern – die fasziniert mich einfach.“
Weitere Informationen zum Hochstümpfe-Projekt finden Sie unter: https://forschung.hswt.de/forschungsprojekt/1460-hochstumpfe-projekt
Annighöfer zum Professor für Wald- und Agroforstsysteme ernannt
Professor Dr. Peter Annighöfer (37) wurde zum 1. April 2020 auf die Professur Wald- und Agroforstsysteme am Forschungsdepartement Ökologie und Ökosystemmanagement der Technischen Universität München (TUM) berufen.
Seine forstwissenschaftliche und waldökologische Ausbildung erhielt Annighöfer an der Georg-August-Universität in Göttingen, von wo aus er auch ein Auslandssemester an der Universidad Austral de Chile in Valdivia absolvierte. Er promovierte 2013 mit „summa cum laude“ zum Doktor der Forstwissenschaften an der Abteilung von Prof. Dr. Christian Ammer in Göttingen. Anschließend arbeitete er dort als Postdoc – seit 2014 als Akademischer Rat – zu wissenschaftlichen Fragen der Verjüngungsökologie und Waldstrukturdynamik, zu fremdländischen Baumarten sowie zu waldbaulichen Möglichkeiten der Wald- und Ökosystementwicklung. Im Jahr 2018 verbrachte er ein Forschungssemester an der University of California, Berkeley, von wo aus er nach Göttingen zurückkehrte.
Zur Forschung
Die Vergesellschaftung von Bäumen lässt auf faszinierende Weise global hochdiverse, komplexe und dynamische Ökosysteme entstehen – unsere Wälder und Baumlandschaften. Dabei kommt es zu abiotischen und biotischen Interaktionen der Pflanzen, aus denen vielfältige Ökosystemstrukturen, -dynamiken und -dienstleistungen resultieren. Diese stehen an der Professur für Wald- und Agroforstsysteme im Zentrum des Forschungsinteresses. Ziel der Forschungstätigkeit ist es dabei, durch die Quantifizierung der Interaktionen und Zustände einerseits die Vorhersagbarkeit der Ökosystementwicklung weiter voranzutreiben und ihre Adaptionskraft zu erhöhen sowie andererseits Handlungsempfehlungen für eine nachhaltige und zielgerichtete waldbauliche und agroforstliche Bewirtschaftung ableiten zu können. Im Schwerpunkt war die bisherige Forschungstätigkeit auf mitteleuropäische Wälder und temperate Klimazonen konzentriert. Allerdings wurden auch regelmäßig Projekte und Fragestellungen mit einem darüberhinausgehenden Fokus bearbeitet. Die Möglichkeit einer zielgerichteten Steuerung von Ökosystemen im Hinblick auf bestimmte Eigenschaften und Funktionen erfordert ein grundlegendes Verständnis der Beziehungen im System. Sie ist nicht nur von existenzieller Bedeutung für viele Lebewesen, sondern auch Grundlage für das menschliche Wohlergehen.
Weitere Informationen: https://www.fafs.wzw.tum.de/
Laubholz hat Zukunft!
Neues Verbundprojekt analysiert innovative Verwertungslinien für Laubholz
Holz als nachwachsender und nachhaltig erzeugbarer Rohstoff wird zukünftig eine immer wichtigere Rolle spielen. Doch der Klimawandel stellt die Forst- und Holzwirtschaft vor dynamische Herausforderungen. Vor allem der erforderliche Waldumbau hin zu klimatoleranteren Wäldern wird zu einer veränderten Baumarten-Zusammensetzung und einem vermehrten Angebot von Laubholz-Sortimenten führen. Daraus resultiert sowohl die Herausforderung als auch die Chance, neue innovative Verwertungslinien zu entwickeln.
Ein zentraler Beitrag, den das Projekt LauBiOeK „Laubholznutzung im Rahmen einer effizienten Bioökonomie. Entwicklung einer Entscheidungsmatrix für die zukünftige Laubholznutzung am Beispiel der Pilotregion Bayern.“ hierbei leisten kann, ist die Betrachtung von innovativen Verwertungslinien aus unterschiedlichen Perspektiven (Sozialökonomie, Technik, Markt, Ressourceneffizienz, Klimabilanz).
Ziel des Projekts ist die Analyse der ökologischen und sozio-ökonomischen Auswirkungen verschiedener Nutzungsformen von Laubholz als möglicher Bestandteil einer nationalen und regionalen Bioökonomie-Strategie. Dazu sollen anhand wissenschaftlich basierter, ausgewählter Nachhaltigkeitsindikatoren die Potenziale und Herausforderungen einer innovativen Laubholzverwendung analysiert und bewertet werden. Aus den Forschungsergebnissen des Projektes wird eine exemplarische Entscheidungsmatrix für die Akteure der Wald-Forst-Holz-Kette abgeleitet. Mit Hilfe dieses Expertensystems soll es ermöglicht werden, alternative Nutzungsmöglichkeiten für die zukünftige Laubholznutzung anhand von Produktlinien sowie regionaler Ressourcen-Szenarien zu vergleichen und Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Die Ergebnisse des Verbundprojekts können dazu genutzt werden, die Entwicklung der zukünftigen Laubholznutzung unter Berücksichtigung unterschiedlicher Nachhaltigkeitskriterien zu evaluieren und bei Bedarf gezielt zu steuern.
Projektpartner sind die .bwc management consulting GmbH aus Abensberg, die Cluster-Initiative Forst und Holz in Bayern gGmbH und die Technische Universität München mit dem Lehrstuhl für Holzwissenschaft und dem Lehrstuhl für Wald- und Umweltpolitik. Das Projekt hat eine Laufzeit vom 01.03.2020 bis zum 28.02.2023 und wird aus Mitteln des Waldklimafonds finanziell gefördert.
Klima-Holzwürfel auf Tournee
Eine Initiative der Vertreter der Bayerischen Forstwirtschaft
Seit Herbst 2019 ist der Klima-Holzwürfel – ein auf der Spitze stehender Würfel mit einem Meter Kantenlänge – wieder auf Tournee durch Bayern. Bereits im Jahr 2009 wurde die Initiative von den “Vertretern der Bayerischen Forstwirtschaft“ (VBF) ins Leben gerufen. An verschiedenen Standorten, bei Veranstaltungen zu Ökologie, Klimawandel und Wald ist der Holzwürfel derzeit präsent und wirbt für Klimaschutz durch Holzverwendung.
Wald ist Opfer und zugleich Teil der Lösung
Im Verlauf der letzten zehn Jahre hat sich die Situation für den Wald nicht verbessert. Darauf möchten die VBF mit der Neuauflage des Klima-Holzwürfels hinweisen. Eine Seite des Würfels steht symbolhaft für die existenzielle Herausforderung durch den Klimawandel. Unter den Folgen des stetig steigenden CO2-Gehalts in der Atmosphäre leidet der Wald immens.
Der Wald ist aber auch gleichzeitig Teil der Lösung in der Klimakrise. Er lässt die Menschen aufatmen, er spendet Sauerstoff, kühlt die Luft und liefert sauberes Trinkwasser. Für all‘ diese Leistungen steht die O2-Seite des Würfels.
Holznutzung ist aktiver Klimaschutz und schützt damit auch das Ökosystem Wald. Das symbolisiert die dritte Seite, sie lenkt den Blick auf die CO2-Speicher- und Senkenwirkung von Holz. Ein Kubikmeter Holz bindet ein Tonne CO2. Wird das Holz verbaut, ist der Kohlenstoff über mehrere Jahre gebunden. Die Senkenwirkung bei der Holzverwendung wird durch die Vermeidung fossiler Energie- und Rohstoffe noch verstärkt. Ein Kubikmeter Holz – so viel wächst auch pro Sekunde in Bayern nach. Gerade in Bayern steht also besonders viel dieses vielseitigen, ökologischen und nachwachsenden Rohstoffs zur Verfügung.
Der Würfel steht allerdings „Spitz auf Knopf“. Wohin der Würfel fällt, ist offen. Noch haben Bürger, Kommunen, Politik und Wirtschaft es in der Hand, das Ruder herumzureißen und dem Hauptverursacher CO2 den Kampf anzusagen. Kernanliegen der Tournee ist es also, das Bewusstsein für die Bedeutung des hervorragenden Bau- und Rohstoffs Holz zu steigern. Jeder kann den Würfel nachbauen oder in Auftrag geben, die Baupläne sind frei zugänglich. Die Organisatoren stehen Ideen zu weiteren Stationen jederzeit offen gegenüber.
Tournee und Waldtag Bayern
Die Tournee des Würfels durch die Regionen Bayerns begann in Unterfranken, war schon in Oberfranken und Regensburg. Als nächstes wären Freising, der Bayerische Wald, die Landesgartenschau Ingolstadt und weitere Stationen geplant. Aufgrund der aktuellen Corona-Krise muss die Tournee selbstverständlich pausieren. Der Zielpunkt für 2020 ist Iphofen, wo am 10. September der von den Vertretern der Bayerischen Forstwirtschaft veranstaltete “Waldtag Bayern 2020“ stattfinden soll. Ein besonderer Fokus liegt dort auf dem Thema Klimawandel und Kommunalwälder.
Nachbau und weitere Informationen
Bei Fragen und Anregungen zum Klima-Holzwürfel oder für die Bestellung der neu aufgelegten sechsseitigen Broschüre können Sie sich an info@forstzentrum.de wenden. Unter www.die-bayerische-forstwirtschaft.de ist die Broschüre auch digital verfügbar. Baupläne für alle, die an einem Nachbau interessiert sind sowie eine Bildergalerie finden sich ebenfalls dort.
Abschluss-Symposium des Waldklimafond-Projekts „GenMon“
Unter dem Motto „Genetische Systeme von Waldbäumen im zeitlichen und räumlichen Wandel“ fand am 03. März 2020 in Freising-Weihenstephan die Abschlusstagung des FNR-Forschungsprojekts „GenMon“ statt. Die Veranstaltung besuchten über 45 Interessenten aus Forstwissenschaft und Praxis.
In dem seit Juni 2016 laufenden Verbundprojekt konnte erstmals ein deutschlandweites forstgenetisches Beobachtungsnetzwerk für die beiden Hauptbaumarten Buche und Fichte für den dauerhaften Monitoringbetrieb aufgenommen werden. GenMon ist eines der derzeit größten nationalen Verbundprojekte im Bereich Forstgenetik, an dem 10 Institutionen auf Länder- und Bundesebene beteiligt sind. Das Bayerische Amt für Waldgenetik (AWG) in Teisendorf ist Projektkoordinator. Beim „forstgenetischen Monitoring“ wird die Weitergabe der genetischen Ausstattung von den Altbäumen über die Samen auf die Jungpflanzen auf Populationsebene analysiert. Dabei lassen sich die über den Genotyp beeinflussten physiologischen Reaktionsfähigkeiten der Bestände feststellen, und damit die Intaktheit genetischer Systeme bewerten. Intakte genetische Systeme sind die Voraussetzung für den Erhalt der genetischen Vielfalt und damit für eine erfolgreiche Anpassung von Waldbaumpopulationen an sich ändernde Umweltbedingungen. Die genetische Vielfalt gilt als Basis für die Anpassungsfähigkeit und das Überleben der Baumarten im Klimawandel und ist zugleich der entscheidende Faktor für die Stabilität und die Leistungsfähigkeit von Waldökosystemen. In der vormittäglichen Veranstaltung wurden erste Projektergebnisse in sieben Vorträgen vorgestellt. Das Programm wurde abgerundet durch eine Exkursion zu einer forstgenetischen Monitoringfläche in den Kranzberger Forst bei Freising.
Weitere Informationen: https://www.gen-mon.de/2020/03/09/erfolgreiches-abschluss-symposium-am-03-03-2020-in-freising-weihenstephan/
Studierende verhandeln Klimaschutz
UN-Klimakonferenz im Masterstudiengang "Sustainable Resource Management"
Erstmals fand im Rahmen des internationalen Masterprogramms „Sustainable Resource Management“ der Technischen Universität München (TUM) unter Leitung des Lehrbeauftragten Dipl.-Ing. Hans Dieter Kasperidus vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ und Dr. Peter Biber (Lehrstuhl für Waldwachstumskunde, TUM) ein interaktives, modellgestütztes Klimaschutz-Event statt. Dazu kamen 25 Studierende aus 17 Nationen und fünf Kontinenten sowie Dirk Schmechel, Leiter der Abteilung Wissenstransfer, Öffentlichkeitsarbeit und Waldpädagogik der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF), am Freitag, den 14. Februar 2020 im Hanskarl-Göttling-Saal der LWF in Freising zusammen.
Erderwärmung begrenzen – Ein hartes Stück Arbeit
Ziel war es, in einem Rollenspiel bei einer fiktiven UN-Klimakonferenz Vereinbarungen zur Reduktion der CO2-Emissionen und des Waldverlustes zu verhandeln, um die globale Erderwärmung bis zum Jahr 2100 auf die in Paris vereinbarten 1,5° C, mindestens aber unter 2°C zu begrenzen. Dazu schlüpften die Teilnehmenden in die Rollen von Delegierten, welche die sechs großen Weltregionen repräsentierten. Das dynamische Simulationsmodell C-ROADS berechnete aus den vorgeschlagenen Emissionsreduktionen und forstlichen Maßnahmen (Entwaldungs- und Aufforstungsraten) der Delegierten in Echtzeit die zu erwartende globale Erderwärmung. Nach zwei kontrovers und mit großem Engagement geführten Verhandlungsrunden wurde – für alle Beteiligten überraschend – lediglich eine Reduktion der Klimaerwärmung auf 2.5°C erreicht. Das Rollenspiel vermittelte eindrucksvoll, wie schwierig die Umsetzung von Klimawissen in politische Maßnahmen sein kann und wie träge gleichzeitig das Klimasystem auf Maßnahmen reagiert. Die positive Erkenntnis aus der Veranstaltung war, dass immer noch die Möglichkeit zu wirkungsvollem Handeln besteht. Allerdings ist dafür gegenseitiges interstaatliches Vertrauen in einer Größenordnung Voraussetzung, die sich erst noch herausbilden muss. Wirksamer Klimaschutz erwies sich darüber hinaus nur dann als möglich, wenn die Entwicklungsländer und deren Belange im Zuge von Maßnahmen mit berücksichtigt werden.
Die sehr positiven Rückmeldungen der Studierenden sehen die Veranstalter als Ansporn, dieses Format auch in Zukunft anzubieten.




