Semesterstart unter Corona-Bedingungen
Forstzentrum begrüßt neue Studierende
HSWT
An der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf hat das Wintersemester am 1. Oktober 2020 begonnen. Hochschulweit starten 1.780 junge Erwachsene ins Studium, davon 1.200 am Campus Weihenstephan. Die Erstsemesterzahlen liegen leicht über dem Vorjahresniveau.
An der Fakultät Wald und Forstwirtschaft haben sich 137 Studienanfänger für den Bachelor Forstingenieurwesen immatrikuliert (über 520 Bewerbungen). Im Bachelor Management erneuerbarer Energien starten 106 in das erste Semester (rund 200 Bewerbungen). Neu dabei ist der englischsprachige Master-Studiengang Climate Change Management mit derzeit 11 Studierenden. Neben HSWT- und TUM-Absolventen sind Studierende aus anderen Bundesländern sowie aus Indien, Israel, Usbekistan und Zimbabwe dabei. Über Hintergründe zum neuen Studiengang berichteten wir im Juni-Newsletter im Interview mit Professor Ewald. Im Master Business Management und Entrepreneurship Erneuerbare Energien, der von der Fakultät Wald und Forstwirtschaft zusammen mit weiteren Fakultäten angeboten wird, starten 24 ins erste Semester.
Zum Semesterstart begrüßt die Geschäftsstelle des Forstzentrums traditionell die neuen Studierenden. Dies war auch dieses Jahr unter strengen Hygiene-Regeln möglich. In Kleingruppen durften zum Beispiel die neuen Forstingenieur-Studierenden das Forstgebäude betreten, wo sie von der Fakultät und dem Zentrum mit „Willkommens-Stoffbeutel“ begrüßt wurden. Der Förderverein ZWFH e.V. sponsert jedes Jahr das Willkommenspaket des Forstzentrums. Mentorinnen und Mentoren aus höheren Semestern gaben den Kleingruppen darüber hinaus einen ersten Einblick und Orientierung auf dem Campus.
TUM
An der Technischen Universität München (TUM) startete das Wintersemester etwas später als üblich am 2. November 2020. Rund 14.000 Studierende, mehr als jemals zuvor, haben sich an der TUM neu eingeschrieben. Die Master-Studiengänger verzeichnen einen Zuwachs um 17 Prozent, zum ersten Mal kommt mehr als die Hälfte der Master-Erstsemester aus dem Ausland.
In Weihenstephan starten an der TUM School of Life Sciences 1.478 Studienanfänger in die verschiedenen Bachelor- und Masterstudiengänge. Im Bachelor Forstwissenschaft und Ressourcenmanagement gibt es 211 Immatrikulationen (456 Bewerbungen), im Master Forst- und Holzwissenschaft 38 (75 Bewerbungen). Für den englischsprachigen Master Sustainable Resource Management (SRM) gab es 708 Bewerbungen – ein neuer Rekord. Neu immatrikuliert sind 201 Studierende aus 46 Nationen. Da in diesem Semester die Immatrikulation bis zum siebten Dezember möglich ist, sind die Zahlen vorläufig.
Die TUM begrüßte ihre Studienanfänger virtuell. Neben der zentralen Begrüßungsveranstaltung mit Präsident Thomas F. Hofmann dienten fachspezifische Online-Einführungsveranstaltungen einer ersten Orientierung. Die Studierenden der Fachschaften führten einen virtuellen Campusrundgang (@tum_forst auf Instagram) und eine SRM Halloweenparty über Zoom durch und stellten darüber hinaus ein umfangreiches Tutoren-Programm auf die Beine. Sofern die Corona-Entwicklung es zulässt, sollen Präsenz-Begrüßungen zum Sommersemester nachgeholt werden.
Bei der Gestaltung der Lehre kann die TUM auf den Erfolgen des Sommersemesters aufbauen. Innerhalb kürzester Zeit hatten die Dozentinnen und Dozenten mehr als 30.000 Lehrvideos sowie weitere Materialien für rund 5.000 Kurse produziert. Unterstützt wurden sie von den Hochschuldidaktik-Expertinnen und -Experten der TUM sowie von mehr als 500 Studierenden, die sich zu „E-Scouts“ haben ausbilden lassen.
Theorie trifft Praxis 2.0
Angewandtes Wildtiermanagement im Revier Deisenhofen
Die Bayerischen Staatsforsten unterstützen die Hochschule Weihenstephan Triesdorf bei der Vertiefung jagdpraktischer Inhalte. Seit Anfang 2019 können Studierende theoretisch gelerntes Wissen im Ebersberger Wildpark (FB Wasserburg) in die Praxis umsetzen. Diese besondere Kooperation aus Lehre und Praxis erfreut sich 2020 eines neuen Zuwachses.

Im September 2020 fand im Forstbetrieb München im Revier Deisenhofen unter Leitung der Revierleiterin Franziska Kremitzl und der Dozentin Dr. Martina Hudler ein neuer Kurs zum Jagdmanagement statt. Im Rahmen des Kurses konnten 15 Studierende eine Woche lang ihr gelerntes Wissen in angewandtes Wildtiermanagement übertragen. Für 152 Hektar des neuen Lehrreviers wurde ein Drückjagdkonzept und die dazugehörige Infrastruktur entwickelt. Drückjagden sind eine effektive Methode um Wildbestände in Habitaten auf einem wild- und waldverträglichen Niveau zu regulieren. Das Wild wird dabei auf einer bestimmten Fläche nur kurzzeitig und konzentriert
bejagt. An erster Stelle steht dabei immer die Sicherheit. Für eine erfolgreiche, tierschutzgerechte und vor allem unfallfreie Durchführung muss eine solche Gesellschaftsjagd gut organisiert und vorbereitet werden. Um dies zu gewährleisten wurden das Revier von den Studierenden begutachtet, geeignete Standorte für Drückjagdstände ausgewählt, Drückjagd-Einrichtungen gebaut und positioniert sowie Sicherheitsbereiche ausgewiesen. Den Abschluss des Kurses stellte die Präsentation verschiedener Drückjagdkonzepte für den Drückjagdbogen in Deisenhofen dar. Bei abendlichen Sammelansitzen während der Kurswoche
konnten die Studierenden ihre jagdpraktischen Fertigkeiten zusätzlich vertiefen.
Ende Oktober sollte das von den Studierenden entwickelte Drückjagdkonzept in Form einer Lehrdrückjagd umgesetzt werden. Dabei sollten die Studierenden bei wichtigen Aufgaben der DJ-Vorbereitung und Durchführung involviert werden. Corona bedingt musste die Drückjagd abgesagt werden.
Die Zusammenarbeit zwischen der Hochschule Weihenstephan und den Bayerischen Staatsforsten ist ein wichtiger Beitrag, um den forstakademischen Nachwuchs für seine künftigen Aufgaben zu qualifizieren.
Holzsortierung in einem mittelalterlichen Dachstuhl
Herbsttreffen des Arbeitskreises Forstgeschichte
Der Arbeitskreis Forstgeschichte des Zentrums Wald-Forst-Holz Weihenstephan traf sich am 12. Oktober 2020 in Bamberg zu seiner 56. Sitzung. Corona-bedingt war der Teilnehmerkreis auf 30 Personen beschränkt. Es wurde ein spannendes Programm geboten. Zunächst stellte der Kulturwissenschaftler Dr. Hubertus Habel, Organisator vor Ort, die Geschichte der Bamberger Gärtnerzunft vor. Die Gärtner prägten den Stadtteil um den heutigen Hauptbahnhof mit ihrer speziellen Bau- und Siedlungsweise. Ihre Technik mehrere Gemüsefrüchte parallel in einem Beet zu ziehen, ist heute als immaterielles Kulturerbe anerkannt. Sie haben damit die Idee des urban gardening vorweggenommen.
Robert Staufer von der Forstschule Lohr berichtete über die ethischen Dimensionen von Nachhaltigkeit und schlug einen Wertekanon für Forststudierende vor, der ökologische, ökonomische und soziale Komponenten umfasst. Hans
Stark, vom Universitätsforstbetrieb Sailershausen, stellte die Geschichte des nördlichen Steigerwaldes vor, die er aus alten Forsteinrichtungsakten rekonstruiert hatte. Beide Vorträge sind auch ausformuliert in der Festschrift zur Ruhestandsversetzung von LWF-Präsident Olaf Schmidt zu finden, die an diesem Tag vorgestellt wurde. 35 Autor*innen haben in 27 Artikeln zum Gelingen des Werkes beigetragen. Leider war Herr Schmidt krank, weswegen ihm das Werk nach der Veranstaltung zugesendet wurde.
Danach referierte Dr. Thomas Eißing über die Methodik der Dendrochronologie. Sie ist ein spezieller Wissenschaftszweig der Holzforschung bzw. der historischen Denkmalforschung, der zwar vielen Forstleuten bekannt ist, aber nicht dessen moderne Ergebnisse. Es war spannend wie Dr. Eißing anhand seiner zahlreichen Proben die Zusammensetzung der historischen Wälder rekonstruierte. Ein Beispiel: das aus dem Frankenwald nach Bamberg herbeigeflößte Nadelholz war bis zum Jahr 1600 fast ausschließlich Tanne, danach fast ausschließlich Fichte. Vermutlich hatte die Fichte auf den großen Kahlschlägen große Wachstumsvorteile. Auch für die Städte Nürnberg, Augsburg und Halle kann Dr. Eißing über acht Jahrhunderte ein jeweils eigenes Profil der verwendeten Hölzer und damit einen lokalen Bestockungswandel aufzeigen.

Höhepunkt des Tages war die Besichtigung des Dachstuhls von Sankt Gangolf: die Holzbalken aus dem romanischen Teil des Dachstuhls sind weitgehend astfrei und von hoher Qualität, während der Dachstuhl aus der Barockzeit viele drehwüchsige und stark astige Elemente enthält, aber auch Balken, die klar erkennbar hier zum zweiten Mal verwertet wurden. So wird die Knappheit von Holz im 18. Jahrhundert in einem Dachstuhl mit Händen greifbar, die man vor allem aus der Literatur kennt. Genauso kann man aber auch die weiten und hohen Tannenwälder des mittelalterlichen Frankenwaldes aus den Hölzern des Dachstuhls erahnen. Alle Teilnehmer waren sehr beeindruckt von dieser Exkursion mit weiten Eindrücken in einem engen, staubigen Dachstuhl.
Joachim Hamberger, Moderator des Arbeitskreises
Website des AK Forstgeschichte
Weitere Informationen finden Sie auf der Website des AK Forstgeschichte.
Gemeinsame Exkursion der Weihenstephaner Hochschulgruppen von ANW & JNF
Bayerischer Wald und Österreich vom 18.-20.09.2020
Trotz aller widrigen Umstände haben wir es uns auch dieses Jahr nicht nehmen lassen eine Exkursion zu Veranstalten. Dieses Mal als eine gemeinsame Aktion der beiden Hochschulgruppen von ANW (Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft) und JNF (Junges Netwerk Forst). Nach dem Aufstellen eines Corona Hygienekonzepts konnten wir dieses Mal zehn Studenten, jeweils auf die beiden Vereine aufgeteilt, auf ein gemeinsames Wochenende in den Bayerischen Wald schicken. Ein paar kurze Eindrücke werden im Folgenden geschildert.
Als ersten Exkursionspunkt steuerten wir den Nationalpark Bayerischer Wald an, das Wahrzeichen der Gegend. Hier erhielten wir eine kompetente Führung von Franz Baierl, Leiter des Sachgebiets Wald- und Flächenmanagement. Uns wurde das 3-Zonen-Konzept vorgestellt, mit dem eine langfrisitge Konformität des Nationalparks mit den IUCN Kriterien gewährleistet werden soll. In Kategorie I des Parks herrscht absoluter Prozesschutz. Weder Jagd noch Holzernte werden hier betrieben. „Natur Natur sein lassen“ heißt hier das Motto. Die Kategorie II umfasst die Entwicklungszonen. Hier wird noch Waldumbau und Käfermanagement betrieben. Hier sollen naturferne Bestände umgebaut werden und empfindliche Hochlagenbestände vor genetischer Verarmung geschützt werden. Als Ziel ist jedoch die Überführung zur Kategorie I angestrebt. In der dritten Kategorie, der sogenannten Pufferzone, wird intensives Käfermanagement und Jagd betrieben. Diese Zone erstreckt sich als 50-300 Meter Pufferbereich um den Nationalpark, je nach angrenzender Bewirtschaftungsart. Hier soll Ärger mit den Nachbarn durch ausfliegende Borkenkäfer oder Wildverbiss vermieden werden. Hierbei wurden verschieden Möglichkeiten des Borkenkäfermanagements vorgestellt. Neben klassischen Methoden finden auch immer mehr unkonventionelle Praktiken Ihren Einsatz. Mit debarking heads und dem Eder-Streifgerät kann befallenes Holz unschädlich gemacht werden. Somit kann eine Käfer Gradation verhindert werden und dennoch wertvolles Totholz im Bestand verbleiben. In den Hochlagen bestaunten wir die ehemaligen Sturm- und Käferflächen. Unter den abgestorbenen Fichten stellte sich auf großer Fläche wieder vitale Naturverjüngung ein. Interessant war die Erkenntnis, dass die Wiederbewaldung auf den nicht geräumten Flächen effektiver voranging. Die beschattende Wirkung und Wasserhaltekapazität des Totholzes begünstigt die jungen Bäumchen.
Am Nachmittag statteten wir Frau Gudula Lermer, BaySF Forstbetriebsleiterin Neureichenau, einen Besuch ab. Gestärkt nach einer kleinen Brotzeit am Mauritz-Haus schlossen wir uns einer Exkursion im Rahmen der deutschen Waldtage, unter dem Motto „gemeinsam für den Wald“ an. Als besonderen Gast durften wir unseren emeritierten Waldbauprofessor Reinhard Moosandl begrüßen. Auf einer kleinen Wanderung durch die Bergmischwälder am Dreisessel im östlichen Forstbetrieb lernten wir viel über ...weiterlesen (PDF 2,2 MB)
Professur für „Pilzbiotechnologie in der Holzwissenschaft“
Prof. Dr. J. Philipp Benz, Holzforschung München, wurde an der Technischen Universität München (TUM) verstetigt. Prof. Benz leitete seit 2014 die auf sechs Jahre befristete W2-Assistenzprofessur für „Holz-Bioprozesse“. Das dazugehörige „Tenure Track“ Verfahren mit finaler Evaluierung konnte er im Mai erfolgreich abschließen und zum August 2020 die unbefristete W3-Associate Professur für „Pilzbiotechnologie in der Holzwissenschaft“ übernehmen.
Die Arbeitsgruppe von Prof. Benz beschäftigt sich mit den Mechanismen, die Pilzen erlauben, die Zusammensetzung der pflanzlichen Biomasse, auf der sie wachsen, zu entschlüsseln und ihren Metabolismus gezielt daraufhin anzupassen, um diese effizient zu zersetzen. Die Erkenntnisse daraus werden genutzt, um Pilze gezielter in biotechnologischen Anwendungen einsetzen zu können – z.B. im Zuge der Nutzbarmachung von Holz und anderen Lignocellulosen im Rahmen einer zirkulären Bioökonomie, aber auch um besser zu verstehen, wie Fäulnis entsteht oder wie Pilze sich in ihre jeweiligen Ökosystemnischen eingepasst haben. Zum Thema welches Potential Pilze für die moderne Bioökonomie haben, hat Prof. Benz vor Kurzem zusammen mit Kollegen (und unter Leitung von Prof. Dr. Vera Meyer, TU Berlin) ein vielbeachtetes Weißbuch herausgebracht: Meyer V, Basenko EY, Benz JP, et al. (2020) Growing a circular economy with fungal biotechnology: a white paper. Fungal Biology and Biotechnology, 7, 5. doi: 10.1186/s40694-020-00095-z.
Aber auch im Zusammenhang mit den vielschichtigen Ökosystemdienstleistungen, die von Wäldern erbracht werden, spielen Pilze eine gewichtige Rolle. Zu diesem Thema hat Prof. Benz mit Prof. Fischer und einer Reihe von Kollegen der forstlichen Studienfakultät und zusammen mit Kollegen der Partneruniversität Northwest Agricultural and Forestry University (NWAFU) in Yangling, China, ein Weißbuch über die Multifunktionalität von Wäldern herausgebracht, welches ebenfalls empfehlenswert ist: Benz JP, Chen S, Dang S, Dieter M, Labelle ER, Liu G, Hou L, Mosandl RM, Pretzsch H, Pukall K, Richter K, Ridder R, Sun S, Song X, Wang Y, Xian H, Yan L, Yuan J, Zhang S, Fischer A (2020) Multifunctionality of Forests: A White Paper on Challenges and Opportunities in China and Germany. Forests, 11(3):266. doi: 10.3390/f11030266.
Weitere Informationen auf der Website der Professur für „Pilzbiotechnologie in der Holzwissenschaft“:
https://www.hfm.tum.de/professur-fuer-pilzbiotechnologie-in-der-holzwissenschaft/
Webstory zur Waldzustandserhebung im Gebirge
Die Waldzustandserhebung (WZE) in Bayern findet 2020 bereits zum 37. Mal statt. 36 speziell geschulte Försterinnen und Förster dokumentierten an 314 Probepunkten bayernweit den Gesundheitszustand der Waldbäume anhand der Benadelung oder der Belaubung. Zusätzlich erfassten sie Schäden, die Pilze oder Insekten sowie Sturm, Hagel und Trockenheit verursachen. Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) plant und organisiert die WZE von der Personalabfrage bis zur Datenauswertung und verfasst den Waldzustandsbericht. Die WZE ist Bestandteil des langfristigen forstlichen Umweltmonitorings in Bayern und liefert wichtige Hinweise zur Beantwortung bedeutender Fragen, etwa zu den Auswirkungen der Trockenjahre 2015 bis 2019, zum Anbaurisiko bestimmter Baumarten im Klimawandel oder zur Verbreitung von Schädlingen.
Einblicke zu den Aufnahmen in den Bayerischen Alpen gibt die folgende Webstory:
Die Robinie online kennengelernt
Online-Tagung zum Baum des Jahres 2020 war für 130 Teilnehmer ein voller Erfolg
(25.06.2020) Freising; Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) und die Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) verlegten die diesjährige gemeinsame „Tagung zum Baum des Jahres“ auf Grund der Corona-bedingten Einschränkungen ins WorldWideWeb.
Ziel der Tagung zum Baum des Jahres ist es, die jeweilige Baumart in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken, ihre Besonderheiten näher zu beleuchten und diese einem breiten Publikum zugänglich zu machen.
Nachdem es wegen des Corona-Virus bayernweit zu dem "Aus" für Großveranstaltungen kam, verlegten die Verantwortlichen die diesjährige „Baum des Jahres“-Tagung kurzerhand ins WorldWideWeb.
Dadurch konnten sich Wissenschaftler, Forstleute, Waldfreunde und ambitionierte Waldbesitzer doch treffen, um neue wissenschaftliche Erkenntnisse zur Robinie zu diskutieren und persönliche Erfahrungen mit dieser kontrovers diskutierten Baumart auszutauschen - nur diesmal digital.
Behandelt wurden dabei die Themen Dendrologie und Morphologie von PD Dr. Gregor Aas, Leiter des Botanischen Gartens der Universität Bayreuth, Waldbauliche Erfahrungen und Empfehlungen von Stefan Tretter (LWF), Wald- und Naturschutz bei Robinie von Präsident Olaf Schmidt (LWF) und die Bedeutung der Robinie im Klimawandel von Dr. Hans-Joachim Klemmt (LWF).
Angelehnt an die realen Tagungen der Vorjahre wurden neben 4 Vorträgen ebenfalls Diskussionsrunden gehalten und auch die beliebte Exkursion war in den Ablauf integriert. Sie führte in Bayerns größten Robinienbestand, das Kellerholz bei Breitengüßbach bei Bamberg – nur dieses Mal nicht mit dem Bus, sondern digital, per aufgezeichnetem 18-minütigen Video. (https://youtu.be/Yvx5PhirtsM).
Insbesondere von der Möglichkeit über die Chat-Funktion Fragen zu stellen wurde reichlich Gebrauch gemacht. Auch die Internationalität war beachtlich: Tagungsteilnehmer schalteten sich nicht nur aus dem gesamten Bundesgebiet, sondern auch aus Dänemark, Tschechien, Österreich, der Schweiz, Frankreich, Belgien und den Niederlanden zu.
Weitere Fachinformationen sowie die aufgezeichneten Originalvorträge im O-Ton können auch weiterhin unter
https://www.lwf.bayern.de/waldbau-bergwald/waldbau/248795/index.php
abgerufen werden.
Einmal Stellentausch und zurück
oder life-long learning at work
Seit dem Sommersemester 2020 lehrt Prof. Dr. Andreas Rothe wieder an der HSWT, Forstdirektor Dr. Micheal Roßkopf leitet seit dem 1. März den Bereich Forsten am AELF Regensburg. Prof. Rothe war seit März 2016 bei den Bayerischen Staatsforsten tätig, darunter 3 Jahre bei der Forstbetriebsplanung (Forstbetriebe Bad Tölz, Burglengenfeld, Wasserburg, Bodenmais, Weißenhorn und Oberammergau) sowie ein Jahr Reviervertretung in einem Staatswaldrevier im Ebersberger Forst. In diesen vier Jahren hat FD Michael Roßkopf von der Bayerischen Forstverwaltung die Lehre im Fachgebiet “Angewandte Standortslehre und Ressourcenschutz“ an der Hochschule vertreten, darüber hinaus auch Impulse im Bereich Forschung gesetzt, die in einer Promotion mündeten. So lautet eine knappe Zusammenfassung der Fakten. Es steckt aber mehr dahinter, wenn zwei „Kollegen in den besten Jahren“ die bekannten Gefilde verlassen und zu neuen Aufgaben aufbrechen. Nachdem sich jetzt beide wieder in ihrem neuen/alten Aufgabenbereich eingelebt haben ist Zeit für einen kurzen Rückblick.

Prof. Dr. Andreas Rothe:
Nach 22 Semestern Hochschullehre reifte die Erkenntnis, Praxiskenntnisse, Kontakte und Motivation brauchen ein „Update“. Nachdem es sich bei dem angedachten Personalaustausch um Neuland handelte waren durchaus einige Überzeugungsgespräche und Vorarbeiten nötig bis Michael Roßkopf und ich im März 2016 an den jeweils neuen Stellen starteten. Natürlich war es eine Herausforderung nicht mehr nur zu sagen, wie es geht sondern die Arbeit als Forsteinrichter oder Revierleiter dann auch selbst zu tun und sich in neue Aufgaben einzuarbeiten. Aber all die erlernten Kenntnisse z.B. bei der Digitaliserung der Forstbetriebskarte, bei Abfragen der Forsteinrichtungsdatenbank, bei der Anlage eines Holzaufnahmebuchs oder bei der Bedienung von ZE-Insekt lassen sich jetzt in die Lehre einbauen. Besonders interessant war, als Revierleiter diejenigen Tätigkeiten selbst auszuüben wofür wir unsere Studierenden ausbilden. Eine wichtige Folgerung daraus ist, dass viele unserer Lehrinhalte in der Praxis die Basis legen, wenngleich die Arbeit natürlich nicht immer der „reinen Lehre“ folgt. Ein Highlight war auch ehemalige Studierende als Kollegen wiederzutreffen. Diese hatten für meine praktischen Fragen stets ein offenes Ohr, gleichzeitig waren sie interessiert an News aus Wissenschaft und Lehre. Insgesamt war es aus meiner Sicht für beide Seiten eine produktive und lehrreiche Zeit, zumal ich mich menschlich sowohl bei der Forsteinrichtung als auch am Forstbetrieb willkommen gefühlt habe.
Dr. Michael Roßkopf:
Dass die Dienstbekleidung in den Schrank wanderte und stattdessen wieder Jeans und Pullover rauskamen war nur ein äußeres Zeichen für die Freiheit an der Hochschule. Nichtsdestoweniger war es für mich eine große Herausforderung in der knappen Lehrzeit den Studenten Wichtiges mit auf ihren Berufsweg mitzugeben. Die fachlichen Inhalte exakt präsent zu haben war das eine. Das andere und für mich spannende war der Umgang mit den jungen Studierenden: Das heißt Kontakt aufbauen und dann das Wissen strukturiert darstellen. Doch für mich war Lehre auch immer aufmerksames Zuhören und Beobachten meiner Studenten: Was wissen sie bereits, was haben sie verstanden, wo braucht´s eine kleine Wiederholung und – für mich manchmal schwierig – wann ist es genug. Dann auch fragen, Bilder einbauen und ein paar Fakten in „Geschichten aus der Praxis“ verpacken, damit die Lehre nicht zum trockenen Monolog verkommt. Ob das gerade klappt, da waren die Studierenden ehrlich und gaben mir als Dozent rasch Rückmeldungen. Doch wenn´s dann gut läuft und der Bus nach einer spannenden Lehrfahrt mit zufriedenen und erschöpften Studenten und Dozenten nach Freising zurückrollt ist das ein schönes Gefühl. Wertvolle Erfahrungen ergaben sich auch aus den vielfältigen Kontakten mit den Kollegen an der Fakultät sowie im gesamten Zentrum Wald Forst Holz Weihenstephan, insbesondere bei einer großen Bandbreite an persönlichen Charaktereigenschaften und Arbeitsweisen. Geschätzt habe ich auch die Kameradschaft an der Hochschule. Diese menschlichen Erfahrungen waren für mich mindestens ebenso wichtig wie der persönliche Wissensgewinn in der Forschung und Lehre, und von beidem lässt sich einiges in die Arbeit am Amt einbauen.
Fazit:
Mit dem Stellentausch haben wir beide viel Neues gelernt, zahlreiche Anregungen erhalten und eine neue Sichtweise auf so manches Thema gewonnen. Gleichzeitig haben wir neue Kontakte und Freunde gefunden, was sich sicher positiv auf die zukünftige Zusammenarbeit der beteiligten Institutionen auswirken wird. Auf Neudeutsch: eine Win-Win-Situation für alle. Es war die Anstrengung wert und vielleicht –aus unserer Sicht hoffentlich- ein Modell für die Zukunft.
Prof. Dr. Andreas Rothe und FD Dr. Michael Roßkopf
Forstzentrum für die Zukunft gerüstet
Die Strategie 2030 des Zentrums Wald-Forst-Holz Weihenstephan wurde am 3. Juli 2020 unterzeichnet. Sie gilt für die nächsten zehn Jahre und benennt die wichtigsten, gemeinsamen Zukunftsthemen und Handlungsfelder für die drei Partner im Zentrum – den Fachbereich Forstwissenschaft und Ressourcenmanagement der TU München (TUM), die Fakultät Wald und Forstwirtschaft der Hochschule Weihenstephan Triesdorf (HSWT) sowie die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF).
„Mit der Strategie 2030 stellen wir die Weichen für die Arbeit im Forstzentrum, um in der Ausbildung der jungen Forstleute und der Forschung für die großen Herausforderungen wie Verlust der Biodiversität und den Klimawandel gerüstet zu sein", sagt Professor Volker Zahner von der HSWT, Leiter des Zentrums.
Ob Gesellschaft, Waldbesitzer oder Forstbetriebe – alle sollen gleichermaßen von Forschung und Lehre profitieren, weshalb die Strategie unter dem Leitgedanken „Wissenschaft für die Praxis“ steht. Die Verknüpfung von Grundlagenforschung, angewandter Forschung und Wissenstransfer setzt Synergieeffekte frei, die für die Förderung stabiler Waldökosysteme im Klimawandel und der Sicherung des nachwachsenden Rohstoffs Holz für künftige Generationen unabdingbar sind.
Als einmaliger Zusammenschluss dreier großer forstlicher Institutionen bündelt das Zentrum Forschung, Lehre und Wissenstransfer am Campus Freising-Weihenstephan. Es ist damit zentraler Ansprechpartner zu allen Fragen rund um den Wald, Forst und Holz.
Unterzeichnet wurde die Strategie 2030 von Professor Dr. Klaus Richter, Study Program Director für Forstwissenschaft und Ressourcenmanagement an der TUM. Für die HSWT unterzeichnete Professor Dr. Carsten Lorz, Vizepräsident für Internationales und Diversity. Von Seiten der Bayerischen Forstverwaltung unterzeichneten Präsident Olaf Schmidt für die LWF und für das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ministerialrat Sören Timm, Referatsleiter Waldpädagogik, Wissenstransfer und Internationale Waldbelange.


