REGULUS-Statuskonferenz 2026 in München
Vom 16. bis 18. März 2026 fand die 3. REGULUS-Statuskonferenz „REGULUS im Dialog – Forschungsergebnisse im Praxistransfer“ in München statt. Über 130 Teilnehmende aus dem gesamten Verbund kamen aus ganz Deutschland zusammen, um aktuelle Forschungsergebnisse zu diskutieren und den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis zu stärken.
Der Auftakt führte am 16. März in den Forschungswald von LMU und TUM bei Landshut, wo Forschende der Innovationsgruppe „LabForest“ ihre Versuchsflächen präsentierten. An mehreren Stationen wurden laufende Arbeiten zu Fernerkundung, Hydrometeorologie, Biodiversität und Waldschutz direkt im Gelände vorgestellt und in ihren praktischen Kontext eingeordnet.
Am 17. und 18. März fand das Konferenzprogramm im Münchner Gasteig HP8 mit Vorträgen, Poster-Pitches und intensiven Diskussionen statt. Auch das A-DUR-Projekt war fachlich stark vertreten. Der Vortrag von Sophie Feiertag zeigte Ergebnisse zum Einfluss des Waldmikroklimas auf das körperliche Wohlbefinden des Menschen. Ergänzend wurden mehrere Posterbeiträge präsentiert, die im Anschluss mit interessierten Zuhörern diskutiert wurden.
Besonders erfreulich: Beim REGULUS-Posterpreis 2026 wurde unter anderem ein Beitrag aus A-DUR ausgezeichnet. Das Poster „Waldverjüngung im Wandel“ von Korbinian Tartler und Clemens Detsch wurde als eines von drei Postern vom Publikum prämiert.
Den Abschluss bildete die Paneldiskussion „Vom Labor zum Wald und wieder zurück – Welche Brücken müssen wir bauen?“, moderiert von Prof. Dr. Andreas Bolte (Thünen-Institut). Dr. Irene Seling (AGDW), Philipp Gloning (Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus), Dr. Ralf Straußberger (BUND Naturschutz Bayern) und Rudolf Plochmann (Bayerische Staatsforsten) diskutierten zentrale Herausforderungen des Wissenstransfers. Deutlich wurde: Der Transfer von Forschung in die Praxis funktioniert nur im Dialog und braucht Akteure, die beide Seiten verbinden!
Beiträge von A-DUR auf der Konferenz:
Vortrag:
Feiertag, S., Scheller, D., Mess, F. und Menzel, A.: Ein Spaziergang im Wald tut nicht nur der Seele gut – Wie das Mikroklima im Wald das körperliche Wohlbefinden von Menschen beeinflusst.
Posterbeiträge:
- Tartler, K., Detsch, C., Fuchs, T., Feiertag, S., Kollmann, J., Annighöfer, P., Eisen, A.-K.: Waldverjüngung im Wandel: Dynamik und Treiber in einem anthropogen veränderten Auwald
- Kappler, K., Angerer, B., Maier, N., Lampl, R., Eisen, A.-K., Lupp, G., Egerer, M. (2026): Gesellschaftliche Ansprüche an revitalisierte Auwälder am Beispiel der Isar
- Höbenreich, K., Disse, M., Chiogna, G.: Grundwassermodellierung und Analyse der Grundwasserstände entlang der Isar zwischen München und Landshut
- Eisen, A.-K., Toma, R. A., Annighöfer, P.: Auwaldforschung digital: Zentrale Datenbank für Geodaten, Messwerte und Langzeitmonitoring
- Fendl-Zeyer, H., Zormaier, F. (AELF EE): Naturwaldentwicklungskonzept für den Naturwald „Auwälder an der Mittleren Isar“
Mehr Eindrücke:
Wie Brände, Stürme und Borkenkäfer Europas Wälder bis 2100 formen
Schäden im Wald könnten sich verdoppeln
- Studie berechnet entlang verschiedener Klimapfade, wie viel Waldfläche in Europa bis 2100 durch Brände, Stürme und Borkenkäfer geschädigt werden könnte.
- Kombination aus Satellitendaten und Waldsimulationen für 13.000 Orte in Europa simuliert mittels KI-Modell flächendeckend mögliche Störungsszenarien.
- In allen Szenarien übersteigen die zukünftigen Waldschäden das bisherige Ausmaß – mit deutlichen Auswirkungen auf den Wald und seine Funktionen.
Waldbrände, Stürme und Borkenkäfer haben großen Einfluss auf Wälder und die Leistung, die diese für Klima, Mensch und Umwelt erbringen. Ein großes internationales Team um Forschende der Technischen Universität München (TUM) hat erstmals berechnet, wie diese drei Faktoren Europas Wälder bis 2100 verändern könnten. Bereits im bestmöglichen Szenario sehen die Forschenden einen deutlichen Anstieg der geschädigten Fläche – im pessimistischsten Fall sogar eine Verdoppelung der Waldschäden.
Das Absterben von Bäumen im Wald ist nicht neu und Teil der natürlichen Entwicklung von Wäldern – wo alte Bäume sterben, wachsen in der Regel junge Bäume nach. Neu ist jedoch das Ausmaß, in dem Waldbrände, Stürme und Borkenkäfer – angetrieben vom Klimawandel – die Wälder verändern. Dies hat sich bereits in den dramatischen Waldschäden in Mitteleuropa in den letzten Jahren gezeigt, doch Zahlen darüber, wie viel Waldfläche in Zukunft geschädigt werden könnte, lagen bisher nicht vor. Dabei beeinflussen diese Störungen auch, wie viel Kohlenstoff Wälder zukünftig speichern können, wie viel Nutzholz sie liefern und welche Arten in ihnen leben – und sind somit für Politik und Gesellschaft hochrelevant.
Das Team um Rupert Seidl, Professor für Ökosystemdynamik und Waldmanagement an der TUM, hat diese Lücke nun geschlossen. Die Forschenden gehen davon aus, dass sich bei einer Erderwärmung von etwas mehr als 4 Grad Celsius das Ausmaß der von Bränden, Stürmen und Borkenkäfern geschädigten Fläche bis 2100 mehr als verdoppeln könnte. Als Vergleich legten die Forschenden Daten aus den Jahren 1986 bis 2020 zugrunde, also einer Periode, in der bereits ungewöhnlich viele Waldschäden auftraten. Selbst im besten Fall einer Erwärmung von nur etwa 2 Grad Celsius erwarten die Forschenden in Zukunft mehr Schäden im Wald als in diesem Vergleichszeitraum.
Regionale Unterschiede
Die Forschenden arbeiteten mit einem KI-gestützten Simulationsmodell. Dieses trainierten sie mit 135 Millionen Datenpunkten aus Waldsimulationen für 13.000 Orte in Europa und kombinierten die Ergebnisse mit Satellitendaten zu Waldstörungen. So konnten sie die zukünftige Waldentwicklung sowie das Auftreten und die Folgen von Störungen bis auf einen Hektar genau berechnen und dadurch sehr präzise Aussagen zu den unterschiedlichen regionalen Entwicklungen treffen.
Die Wälder Süd- und Westeuropas werden laut der Studie in Zukunft besonders stark von Waldschäden betroffen sein und sich entsprechend stark verändern. Nordeuropa trifft dieser Wandel im Verhältnis weniger stark, wobei auch hier Hotspots zukünftiger Waldschäden zu erwarten sind. „Störungen werden zunehmend überregional zum Problem, bringen die Holzmärkte in ganz Europa durcheinander und gefährden die Gemeinwohlleistungen des Waldes“, sagt Rupert Seidl.
Die Autorinnen und Autoren der Studie sehen daher dringenden Bedarf, weiter steigende Waldschäden bereits jetzt in der Waldbewirtschaftung zu berücksichtigen: „Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir auch in den nächsten Jahren große Schäden im Wald haben werden. Das heißt einerseits, dass wir größere Schwankungen in den Leistungen des Waldes abpuffern werden müssen. Andererseits bieten Störungen auch die Chance, einen neuen, Klima-angepassten Wald zu begründen – sie wirken als Katalysatoren der Veränderung. Diesen Risiken und Chancen durch steigende Störungen muss sich die Forstpraxis – unterstützt durch neue Methoden und Erkenntnisse der Wissenschaft – stellen“, so Seidl.
Publikation:
Grünig, M.; Rammer, W.; Senf, C. et al 2026. Climate change will increase forest disturbances in Europe throughout the 21st century, Science, in press, https://doi.org/10.1126/science.adx6329
Weitere Informationen:
- Die Studie wurde im Rahmen des Projekts Resonate – Resilient Forests for Society (https://resonateforest.org/) durchgeführt, welches vom European Forest Institute (EFI) koordiniert wurde.
- Rupert Seidl ist Professor an der TUM School of Life Sciences. Darüber hinaus leitet er den Fachbereich Forschung und Monitoring des Nationalparks Berchtesgaden und ist Mitglied im Zentrum für alpine Waldwirtschaft an der TUM.
Wissenschaftlicher Kontakt
Prof. Dr. Rupert Seidl
Technische Universität München
Lehrstuhl für Ökosystemdynamik und Waldmanagement
+49 (8161) 71 – 4691
Rupert.seidl@tum.de
Kontakt im TUM Corporate Communications Center
Anja Lapac
Media Relations
Tel. +49 8161 71-5403
presse@tum.dewww.tum.de
Studierende der HSWT mitten im Isar-Auwald
Drei Tage im Gelände, 30 Untersuchungsplots und jede Menge spannende Entdeckungen: Studierende der Bachelorstudiengänge Forstingenieurwesen sowie Arboristik & Urbanes Waldmanagement der HSWT waren im Rahmen der praxisbegleitenden Lehrveranstaltung (PLV) für das A-DUR-Projekt unterwegs.
Im Mittelpunkt standen Baummikrohabitate – kleine Strukturen an Bäumen wie Höhlen, Rindenverletzungen, Stammrisse, Kronenbrüche oder Nester. Sie entstehen durch natürliche Prozesse und bieten zahlreichen spezialisierten Arten Brut-, Nahrungs- oder Rückzugsplätze. Bäume mit solchen Mikrohabitatstrukturen sind echte Biodiversitäts-Hotspots im Wald.
Nach der Geländearbeit wurden die gesammelten Daten an zwei weiteren Tagen in Kleingruppen ausgewertet und in Präsentationen diskutiert. Dabei setzten sich die Studierenden intensiv mit der Vielfalt der Mikrohabitate in verschiedenen Waldtypen auseinander, untersuchten die Bindung von Singvögeln an bestimmte Strukturen, den Einfluss von Boden und Vegetation auf die Avifauna und die Folgen von Hochwasser auf Mikrohabitate.
Die Datenerhebung im Gelände lieferte dabei nicht nur wertvolle Praxiserfahrung für die Studierenden, sondern auch wichtige Informationen für das A-DUR-Projekt. Die aufgenommenen Daten werden projektintern weiter ausgewertet und fließen in die wissenschaftlichen Analysen zur Strukturvielfalt und Biodiversität der Isar-Auwälder ein.
Erfolgreiches Team vom Campus Weihenstephan beim Forstlichen Biathlon
Mit Sonnenschein und besten Loipenbedingungen begrüßte das Landesleistungszentrum Hohenzollern-Skistadion am Fuße des Arbers die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Bayerischen Forstlichen Biathlons 2026. Etwas mehr als 50 Personen aus der Wald- und Forstbranche waren der Einladung des Bayerischen Vereins für forstlichen Skilauf e.V. als Veranstalter und dem Forstbetrieb Bodenmais sowie dem AELF Regen gefolgt. Dabei war auch eine kleine Mannschaft des Campus Weihenstephan, die sich nicht scheut der Konkurrenz zu stellen. Die Strecke von 2 km im Leistungszentrum war von den männlichen Läufern dreimal von den Läuferinnen zweimal zu durchlaufen. Dabei forderte das Streckenprofil durch die Anstiege auch alle Athleten. Jeweils nach dem ersten Durchlauf erfolgten die fünf Schüsse mit den im Schießstand ausliegenden Kleinkalibergewehren auf die Biathlonscheiben. Damit auch hier ein paar Treffer für die weniger geübten Teilnehmerinnen und Teilnehmer möglich waren, wurde der Anschlag stehend angestrichen an einem Pflock ermöglicht.
Von den vier Startern des Campus Weihenstephan erreichten Johann Geiger (LWF) in der Klassischen Technik der Altersklasse M51 und Martin Högl (LWF) in der Freien Technik (M61) jeweils als zweite ein Platz auf dem Stockerl. Ebenfalls von der Partie waren Jonathan Fibich (TUM – Professur für Waldinventur und nachhaltige Nutzung) und Markus Blaschke (LWF). Die große Überraschung brachte dann die Mannschaftwertung bei der das Team des Campus Weihenstephan (mit Johann Geiger, Martin Högl und Jonathan Fibich) durch die ausgeglichenen Einzelleistungen in der Mannschaftswertung den zweiten Platz hinter dem siegreichen Forstbetrieb Bodenmais und vor dem Team „Schutzwald, Schützer / Grenzgänger“ belegte.
Im kommenden Jahr plant der Bayerische Verein für forstlichen Skilauf wieder einen Forstlichen Biathlon im Bundesleistungszentrum in Ruhpolding und hofft die ein oder andere Läuferin und Läufer mehr an den Start zu bringen.
Einzelergebnisse gibt es unter: www.forstski-bayern.de

Die Teilnehmer des Teams Campus Weihenstephan von links: Jonathan Fibich, Martin Högl, Markus Blaschke und Johann Geiger
Foto: J. Geiger
Platz schaffen für die Zukunft - Warum Durchforstungen Wälder stabiler machen
Wie viel Platz brauchen Bäume, um stabil zu wachsen? Und welchen Beitrag leisten gezielte Durchforstungen zu gesunden und widerstandsfähigen Wäldern?
Mit diesen Fragen beschäftigten sich Forstexperten der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) gemeinsam mit Vertretern des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürstenfeldbruck (AELF) sowie des Forstbetriebs Landsberg der Bayerischen Staatsforsten (BaySF) bei einer Exkursion zur Versuchsfläche nahe Fürstenfeldbruck.
Frühe Durchforstungen stärken Stabilität
Die Versuchsfläche bei Althengenberg liegt im Staatswald und wird wissenschaftlich von der LWF betreut.
Hier wird seit vielen Jahren untersucht, wie sich unterschiedliche Pflanzdichten und Durchforstungen auf das Wachstum der Fichten auswirken.
Die Ergebnisse sind eindeutig: Wenn Bäume frühzeitig gezielt ausgewählt und ihre Konkurrenten entnommen werden oder mit genügend Abstand gepflanzt werden, entwickeln sie sich stabiler und erreichen schneller größere Durchmesser.
Diese besonders geförderten Bäume nennt man Zukunftsbäume oder kurz „Z-Bäume“.
Sie sind vital, standfest und liefern hochwertiges Holz. Gleichzeitig leistet der Bestand einen hohen Gesamtzuwachs.
Rechtzeitige Durchforstungen können zudem die Umtriebszeit verkürzen – also die Zeitspanne, bis ein Bestand hiebsreif ist und geerntet werden kann.
Das eröffnet Waldbesitzenden zusätzliche wirtschaftliche Spielräume.
Eine reine Niederdurchforstung hingegen – bei der vor allem unterständige oder schwächere Bäume entnommen werden, die kaum am Kronendach mitwirken – bringt für die stärksten Bäume im Bestand nur geringe Vorteile.
Entscheidend ist, gezielt Raum für die leistungsfähigsten Bäume zu schaffen.
„Gezielte und frühzeitige Durchforstungen sind ein Schlüssel für stabile, zukunftsfähige Wälder“, betont LWF Präsident Dr. Peter Pröbstle. „Langfristige Versuche liefern dafür die entscheidende Wissensgrundlage.“
Forschung, Beratung und Praxis ziehen an einem Strang
Die Versuchsfläche ist Teil des „Ertragskundlichen Versuchsflächennetzes Bayern“. Dieses Netzwerk besteht seit über 150 Jahren und umfasst heute 157 Versuchsstandorte mit rund 1.400 Versuchsparzellen in ganz Bayern.
Die meisten Flächen liegen im Staatswald. Die LWF koordiniert und betreut dieses weltweit einzigartige Netz. Seit seinem Bestehen hat das Versuchsflächennetz eine Vielzahl von Erkenntnissen erbracht und Gesetzmäßigkeiten aufgedeckt.
Die langfristigen Daten sind eine wichtige Grundlage für den Waldumbau im Klimawandel.
Die Bayerischen Staatsforsten setzen viele dieser Erkenntnisse im Staatswald praktisch um.
„Die richtigen Bäume gezielt zu fördern, zahlt sich ökologisch und wirtschaftlich aus“, so Robert Bocksberger, Forstbetriebsleiter des BaySF-Forstbetriebs Landsberg.
Für den Privat- und Körperschaftswald übernimmt die Forstverwaltung die Beratung.
„Unser Ziel ist, dass das Wissen aus der Forschung auch über die Beratung direkt zum Waldbesitzer kommt“, erklärt Marc Koch, Bereichsleiter Forsten am AELF Fürstenfeldbruck.
Gemeinsam zeigen Forschung, Beratung und Praxis: Wer frühzeitig gezielt pflegt, schafft stabile Wälder – und legt damit die Grundlage für eine sichere Zukunft unserer Wälder im Klimawandel.

Martin Nickel (TUM) und Marie Neufanger (LWF) zeigen zwei gleich alte Baumscheiben mit unterschiedlicher Dicke:
Mehr Platz bedeutet stärkeres Wachstum. Foto: R. Bocksberger
TUM startet Zentrum für alpine Waldwirtschaft
60 Prozent der bayerischen Alpenwälder sind Schutzwälder, die Siedlungsräume und Infrastruktur vor den Auswirkungen von Extremwetterereignissen absichern. Auch sie geraten im Klimawandel zunehmend unter Druck. Die Eva Mayr-Stihl Stiftung fördert deshalb das Zentrum für alpine Waldwirtschaft an der Technischen Universität München (TUM). Im Fokus der Forschung stehen ein besseres Verständnis dieser Auswirkungen und zukunftsfähige Konzepte zum Erhalt der Schutzwälder.

Alpine Bergwälder sind besonders vom Klimawandel betroffen. Das Zentrum für alpine Waldwirtschaft wird untersuchen, ob und inwieweit die Wälder ihre Funktionen im Klimawandel weiterhin erfüllen können.
Schwindende Gletscher, steigende Schneefallgrenzen und Steinschlag: Die Folgen des Klimawandels sind in Gebirgsregionen bereits heute sichtbar und wirken sich auch auf die alpinen Bergwälder aus. Diese sind besonders vom Klimawandel betroffen, denn die Erwärmungsraten hier sind doppelt so hoch wie im globalen Mittel – mit erheblichen Auswirkungen auf die Wälder. Dies betrifft auch Schutzwälder, also Waldflächen, die Menschen vor Naturgefahren schützen und damit speziellen Bewirtschaftungs- und Pflegepflichten unterliegen.
Ob und inwieweit die Schutzwälder in den Alpen diese Funktion künftig noch ausüben können, ist bislang unklar. Zugleich steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Schneelawinen, Murgängen und Steinschlag kommt, also eben solchen Ereignissen, deren Auswirkungen Schutzwälder abmildern. In den kommenden viereinhalb Jahren wird das Zentrum für alpine Waldwirtschaft mit der Förderung durch die Eva Mayr-Stihl Stiftung erforschen, wie sich diese Entwicklungen auf die Alpenwälder auswirken und wie man diesen Wandel aktiv gestalten kann.
Robert Mayr, Stifter und Vorstandsvorsitzender der Eva Mayr-Stihl Stiftung, begründet das Engagement: „Meine Kindheit in Oberbayern habe ich zum größten Teil draußen in der Natur verbracht. Auch später bestand mein Urlaub immer aus Bergwanderungen und Skifahren. Ich sehe die Veränderungen durch den Klimawandel besonders bei Bergwäldern mit großer Sorge.“
Zwischen Naturwissenschaften und Gesellschaft
Fünf TUM-Professorinnen und -Professoren der Klima- und Forstwissenschaften bündeln im Zentrum ihre Expertise, um ein möglichst umfassendes Bild der aktuellen und zukünftigen Situation zu ermitteln. Annette Menzel, Professorin für Ökoklimatologie an der TUM und Leiterin des Zentrums, erklärt: „Wir arbeiten intensiv daran, ein besseres ökologisches und soziales Verständnis des alpinen Bergwald-Systems zu erlangen.“ Gemeinsam mit Co-Leiter Thomas Knoke (Waldinventur und nachhaltige Nutzung), Rupert Seidl (Ökosystemdynamik und Waldmanagement), Richard L. Peters (Tree Growth and Wood Physiology) und Cornelius Senf (Earth Observation for Ecosystem Management) wird sie das Zentrum für alpine Waldwirtschaft betreiben.
„Ein wichtiger Aspekt unserer Arbeit wird darin liegen, den vielschichtigen Ansprüchen gerecht zu werden, die die Gesellschaft an ihre Wälder stellt. Wälder dienen schließlich auch der Naherholung, sind Quelle eines wichtigen nachwachsenden Rohstoffs und Lebensraum für Tiere“, sagt Thomas Knoke. Die Forschenden werden deshalb in fünf Teilprojekten arbeiten, die Forschungslücken in den Bereichen Baumwachstum, Wald- und Ökosystemmanagement sowie der gesellschaftlichen Akzeptanz schließen sollen.
„Mit dem Zentrum für alpine Waldwirtschaft stärken wir einen Forschungsbereich, der für die Zukunft der Alpenregion von großer Bedeutung ist. Unsere Schutzwälder erfüllen wichtige Funktionen für Mensch und Natur – ihre Bewirtschaftung angesichts des Klimawandels anzupassen, ist dringend geboten. Ich freue mich deshalb sehr, dass exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der TUM ihre Expertise im Zentrum zusammenführen, um Forschungslücken zu schließen“, sagt Prof. Martin Klingenspor, Dekan der TUM School of Life Sciences.
Text: Anja Lapac, TUM
Bild: Rupert Seidl, TUM
Luchsmonitoring in Bayern: Populationen in Nordbayern festigen sich
Neue Monitoringdaten der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) belegen, dass sich Luchse im nordostbayerischen Raum langsam etablieren. Der bayernweite Bestand ist auf dem Vorjahresniveau.
Im Frankenwald konnte zum zweiten Mal in Folge die Reproduktion einer Luchsin bestätigt werden, auch im Fichtelgebirge und im Steinwald gab es erneut Nachwuchs. Im Monitoringjahr 2024/25 hat die HSWT in Bayern insgesamt 61 selbständige Luchse (älter als ein Jahr), sowie 28 Jungtiere nachgewiesen. Die Hochschule führt dieses Monitoring im Auftrag des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) durch. Ein Großteil der Tiere ist grenzüberschreitend im Dreiländereck Deutschland/Tschechien/Österreich unterwegs. 14 Weibchen hatten dieses Jahr Nachwuchs.
Nach wie vor eine stark gefährdete Tierart
Im Vergleich zu den Vorjahren ist der aktuelle Bestand stabil, unterliegt aber seit Jahrzehnten starken Schwankungen. Der Luchs in Bayern bleibt somit nach wie vor eine stark gefährdete Tierart. In einem aktuellen Forschungsprojekt „Populations- und Ausbreitungsdynamik des Luchses (Lynx lynx) in Bayern (PopLynx)“, das von 01.12.2025 – 30.11.2029 läuft und durch das LfU gefördert wird, untersucht die HSWT derzeit, wie hoch der Anteil an Individuen ist, die innerhalb von einem Jahr durch Tod oder Abwanderung verschwinden und durch Geburten oder Zuwanderung ersetzt werden. Dies lässt Rückschlüsse auf die Vitalität der Population zu.
Mithilfe aus der Bevölkerung erwünscht
Neben den etablierten Fotofallen in bekannten Luchsgebieten sind vor allem Hinweise aus der Bevölkerung, im besten Fall mit Belegfotos, ein wichtiges Standbein des Monitorings. „Um die Zahlen der Luchspopulation in Bayern möglichst realitätsnah abzubilden, sind wir aufgrund der Größe des Gebiets auf die Mithilfe aus der Bevölkerung angewiesen“, so Prof. Dr. Volker Zahner, der verantwortliche Leiter des Luchs-Projekts an der HSWT. Vor allem Jäger können hier einen wertvollen Beitrag leisten, indem sie Fotofallen-Bilder aus ihren Revieren teilen. Die HSWT und das LfU setzen hierbei auf eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Jägerschaft und der örtlichen Bevölkerung und stehen für Rückfragen gerne zur Verfügung.
Um die Entwicklung der Luchse möglichst gut nachvollziehen zu können, wird darum gebeten, die Luchshinweise und Fotofallenbilder direkt an die HSWT (luchs.projekt@hswt.de) oder alternativ an die Fachstelle Große Beutegreifer des LfU (Tel. 09281 1800-4640, tägl. 10 – 16 Uhr, fachstelle-gb@lfu.bayern.de) zu schicken.
Text: Friederike Wanzner, HSWT
Bilder: Miriam Hansbauer
Der Bauernkrieg von 1525 aus forstlicher Sicht
Forstlicher Forschungsbericht 226 herausgegeben von Joachim Hamberger und Richard Mehler
Der Bericht untersucht den Deutschen Bauernkrieg von 1525 aus einer bislang wenig beleuchteten ökologischen Perspektive und stellt den Umgang mit Wald und Allmende in den Mittelpunkt historischer Konflikte. Neben politischen und religiösen Ursachen wird gezeigt, wie Bevölkerungswachstum, zunehmender Druck auf gemeinschaftliche Ressourcen und die Entstehung neuer forstlicher Rechtsordnungen (z. B. Weistümer, territoriale Forstordnungen) das Verhältnis von Bauern und Obrigkeit prägten.
Ein zentraler Punkt ist die Analyse der Zwölf Artikel von Memmingen (1525), in denen die Bauern freien Zugang zu Wald, Holz und Jagd als Gemeingut forderten – ein früher Vorstoß zu nachhaltiger Ressourcennutzung und sozialer Verantwortung. Der Bericht dokumentiert, wie nach der Niederlage der Bauern die feudale Ordnung und das kodifizierte Forstrecht die Allmende stärker unter staatliche Kontrolle stellten, während gleichzeitig erste forsttechnische Innovationen (Niederwaldwirtschaft, Nadelholzsaat) eingeführt wurden, um den steigenden Nutzungsdruck zu bewältigen.
Wald ist heute wie damals schon immer mehr als nur ein einfacher Holzlieferant gewesen. Der Wald ist Lebensraum, Wirtschaftsgrundlage, Energieträger und vieles mehr. Er war ein Mitauslöser des Aufstands der Bauern - vor allem wegen der Holznutzung und der Jagdausübung. Der Konflikt um die gerechte Nutzung des Waldes ist ein Dauerthema - und das nicht nur in forstlichen Kreisen, sondern in der gesamten Gesellschaft - und auch heute wieder aktueller denn je.
"Der Bauernkrieg ist Geschichte - aber viele Fragestellungen sind aktuell."
- Staatsminister a. D. Josef Miller in seiner Eröffnungsrede zur Tagung in Memmingen
Informationstafel erinnert an Vordenker des Waldbaus
Mischwälder, naturnaher Waldbau – spätestens seit den Borkenkäferkalamitäten der vergangenen Jahre sind Konzepte auch großen Teilen der Bevölkerung ein Begriff.
Dabei sind die Ideen nicht neu, bereits im 19. Jahrhundert lehrte ein Mann diese Waldbaumethoden: Karl Gayer.
Zwei Jahrzehnte lang wirkte an der Königlich-Bayerischen Nationalen Forst-Lehranstalt in Aschaffenburg und legte wichtige Grundsteine für Waldbewirtschaftung und sein weiteres Wirken.
In Gedenken an ihn wurde nun in Aschaffenburg-Strietwald eine Informationstafel aufgestellt.
Und zwar genau da, wo der Vordenker des Waldbaus Versuche mit Sitka-Fichte, Douglasie und Tulpenbaum durchführte, die man dort heute noch finden kann.
Etwa bei einem Spaziergang über den Europäischen Kulturweg Aschaffenburg 1 Strietwald, dessen Teil die Tafel nun ist.

Oberbürgermeister Jürgen Herzing (Mitte), David Scheuthle vom Forstamt der Stadt Aschaffenburg (rechts)
und Dr. Gerrit Himmelsbach vom Unterfränkischen Institut für Kulturlandschaftsforschung an der Universität Würzburg / Archäologisches Spessart-Projekt e. V.
Text: J. Pleyer (ZWFH)
Bild: Dr. Gerrit Himmelsbach







