Verabschiedung in den Ruhestand
Interview mit Professor Wolf Dieter Rommel
Ende November verabschiedete die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) Prof. Dr. Wolf Dieter Rommel im Rahmen des 31. Weihenstephaner Forsttags in den Ruhestand. Rommel war 30 Jahre lang an der Fakultät Wald und Forstwirtschaft (WF) tätig. In der Lehre lag Rommels Schwerpunkt auf den Fächern Forstliche Betriebswirtschaftslehre, Forstbetriebsplanung sowie Forstgeschichte und Menschenführung. Rommel wird zunächst weiterhin teilweise in der Lehre aktiv sein.

Sehr geehrter Professor Rommel, woher stammen Sie und wie kamen Sie zum Forststudium?
Wie schon an meinem Dialekt unschwer zu erkennen, stamme ich aus Württemberg, genauer gesagt aus einem heutigen Vorort von Schwäbisch Hall.
Wie kam ich zum Forststudium? Nach dem Pflichtwehrdienst nahm ich zuerst eine Auszeit von einem Jahr, um etwas Geld zu verdienen und mir über die Wahl meines Studiums klar zu werden. Zur Auswahl standen für mich die Veterinärmedizin und die Forstwissenschaft. Letzteres hat, auch durch den Einfluss eines guten Freundes, der ein Jahr vorher das Studium der Forstwissenschaften begonnen hatte, überwogen.
Was war die Motivation sich an Fakultät WF zu bewerben?
Die Motivation war vor allem die Kombination von praxisbezogener Lehre und die Wissensvermittlung an junge Menschen. Selbstverständlich war es auch der gute Ruf der Hochschule Weihenstephan, der mich bestärkte, mich dort zu bewerben.
Wenn Sie sich an Ihr Studium zurückerinnern und es mit dem heutigen Studium an der Fakultät WF vergleichen, welche Unterschiede fallen Ihnen dabei am stärksten ins Auge?
In meiner Studienzeit an der Universität wurden die forstlichen Inhalte meist nur theoretisch vermittelt, was ich damals sehr bedauerte. Allerdings war das Studium nicht so verschult wie heute, sondern freier, was natürlich auch mehr Eigenverantwortung bedeutete.
Die Betreuung der Studierenden, wie wir sie an der HSWT kennen, war bei weitem nicht gegeben, ein direkter Kontakt zwischen Professoren und Studierenden so gut wie ausgeschlossen. Auch eine Studienberatung, wie wir sie bei uns an der Hochschule haben, war nicht üblich; man kann sagen, man war zumindest zu Beginn des Studiums auf sich alleingestellt bzw. auf die Ratschläge von Kommilitoninnen und Kommilitonen angewiesen, heute kaum mehr vorstellbar.
Was waren in all den Jahren die Dinge, die Sie am meisten geschätzt haben?
Am meisten habe ich den kollegialen Umgang miteinander, die Unterstützung durch und die Zusammenarbeit mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geschätzt.
Was waren persönliche Höhepunkte für Sie?
Persönliche Höhepunkte für mich gab es mehrere während meiner Zeit hier in Weihenstephan. Zum einem war es das Vertrauen der Kollegen, die mich nach nur zweijähriger Dienstzeit mit der Leitung der Fakultät bis 1999 beauftragten. Dann der Neubau des Fakultätsgebäudes und die Gründung des Zentrums Wald-Forst-Holz. Ein weiterer Höhepunkt war die Möglichkeit, neun Jahre als Mitglied der Hochschulleitung bei der Entwicklung der HSWT mitwirken zu dürfen. Auch die Einführung des Masterstudiengangs International Management of Forest Industries ist an dieser Stelle zu nennen.
Neben diesen, sagen wir dienstlichen Höhepunkten, erfüllt es mich immer mit sehr großer Freude und auch Genugtuung, wenn ich ehemalige Studierende wiedersehe und erfahre, dass die Ausbildung an der HSWT erfolgreich war.
Wo sehen Sie künftig die größten Herausforderungen in Ihrem Arbeitsfeld?
In der Forstwirtschaft bzw. Forstwissenschaft gibt es kein isoliertes Arbeitsfeld. Sicherlich stellen der Klimawandel und seine Auswirkungen auf den Wald und auf die Forstwirtschaft die größte Herausforderung dar. Hier wird eine noch engere Verzahnung der forstlichen Disziplinen notwendig werden, um das Ökosystem Wald als Lebensgrundlage nicht nur zu erhalten, sondern auch Möglichkeiten zu finden, dass der Wald zukünftig wirtschaftliche Grundlage für viele Waldbesitzer bleibt.
Was bedeutete Ihnen das Zentrum Wald-Forst-Holz?
Das Zentrum Wald-Forst-Holz bedeutet mir sehr viel und ich bin froh, dass Präsident Olaf Schmidt die Idee eines forstlichen Kompetenzzentrums erfolgreich mit Unterstützung der Bayerischen Staatsforstverwaltung auf den Weg bringen und erfolgreich umsetzen konnte. Das Zentrum als gemeinsame Plattform von LWF, TUM und HSWT und als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis ist in Europa einzigartig und kann seit seinem Bestehen auf eine erfolgreiche Arbeit zurückblicken.
Was würden Sie der Fakultät und dem Zentrum gerne noch für die Zukunft mit auf den Weg geben?
Einer Fakultät sollte man als scheidender Kollege keine großen Ratschläge geben, wie sie sich entwickeln sollte. Die Anforderungen an die forstliche Ausbildung werden sich stets ändern, wenn auch der Kern der Ausbildung sicherlich seine grundsätzliche Relevanz nicht verlieren wird.
Wichtig erscheint für mich, das einmalige Profil einer runden forstlichen Hochschulausbildung und hier vor allem den Praxisbezug in der Lehre beizubehalten.
Für das Zentrum könnte ich mir zukünftig eine noch engere inhaltliche Verzahnung der beteiligten Institutionen vorstellen, vor allem vor dem Hintergrund des Klimawandels und der damit verbundenen ökologischen und ökonomischen Herausforderungen für die Forstwirtschaft.
Wissenschaft und Lehre sind oft mehr Berufung als Beruf. Haben Sie vor, sich weiterhin für die Forschung oder die Lehre zu engagieren?
Selbstverständlich wird es mir nicht gelingen – und ich habe es auch nicht vor – mich ganz aus der forstlichen Materie zurückzuziehen. Ich werde mehr Zeit meinem beruflichen Hobby, der Forst- und Wirtschaftsgeschichte widmen und hier versuchen einige Projekte, die bisher liegen geblieben sind, endlich zum Abschluss zu bringen.
Haben Sie weitere Hobbies, denen Sie zukünftig mehr Zeit widmen möchten?
Ich glaube, neue Hobbies brauche ich nicht. Meine anderen Hobbies, wie das Motorradfahren und die Jagd sollen in Zukunft nicht mehr zu kurz kommen.
Das Interview führten Matthias Straßer, HSWT und Christoph Josten, ZWFH
Weitere Informationen
31. Weihenstephaner Forsttag: https://www.hswt.de/presse/news/article/31-weihenstephaner-forsttag-ist-die-oekologische-waldwirtschaft-der-koenigsweg-fuer-waelder-im-klimawa.html


