Nachruf Professor Dr. Erwin Klein
Sein Leben gehörte dem Wald
Am 25. August 2019 verstarb mit Professor Dr. Erwin Klein ein Hochschullehrer und Wissenschaftler, der maßgeblich die Fakultät Wald und Forstwirtschaft der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf mit aufgebaut und geprägt hat.
1931 geboren und aufgewachsen in Cziudin in der Bukowina, bedingten die Wirren des Zweiten Weltkriegs die Vertreibung aus der ursprünglichen Heimat nach Thüringen. Geprägt durch die dortige Waldlandschaft nahm Professor Klein an der Humboldt-Universität zu Berlin das Studium der Forstwissenschaften auf, das er 1955 abschloss. Nach zweijähriger Reviertätigkeit folgten drei Jahre wissenschaftliches Arbeiten an der Abteilung Ertragskunde an der Forstlichen Forschungs- und Versuchsanstalt Eberswalde. Hier erfolgte auch 1963 die Promotion. Danach übernahm Erwin Klein die Leitung des Forstbetriebs Mühlhausen, ein Betrieb, der weit über die Grenzen Thüringens hinaus für seine Laubholzplenterwälder berühmt ist. Nach achtjähriger Amtszeit wechselte er als Leiter der Forsteinrichtung und Standortskunde zum Forsteinrichtungsamt in Weimar. Aufgrund der politischen Gegebenheiten erfolgte 1974 eine abenteuerliche Flucht in die Bundesrepublik Deutschland.
Mit seiner fachlichen und persönlichen Kompetenz gelang es Professor Klein in Bayern schnell Fuß zu fassen. Nach vierjähriger Tätigkeit in der Forsteinrichtung an der Forstdirektion Augsburg erfolgte im Oktober 1978 die Berufung zum Professor für Forsteinrichtung und Waldwachstumskunde an die Fakultät Wald und Forstwirtschaft der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf.
Seine Tätigkeit an der Hochschule war geprägt von der Verbindung zwischen anwendungsbezogener Lehre und praxisorientierter Forschung.
Seine persönliche Ausstrahlung, ausgezeichnete Lehre, verbunden mit dem Schwerpunkt der praktischen Umsetzung brachten ihm die höchste Anerkennung der Studierenden ein. Durch seine Lehrtätigkeit hat er eine Generation von Förstern/innen waldbaulich mitgeprägt und den Ruf der Hochschule weit über Bayern hinausgetragen.
Von 1985–1989 stand Professor Klein der Fakultät als Dekan vor. 1991 erfolgte neben seiner eigentlichen Lehr- und Forschungstätigkeit die Berufung zum Gründungssenator der neu zu gründenden Fachhochschule Eberswalde, wo er maßgeblich beim Aufbau der dortigen Hochschule mitwirkte.
Seine wissenschaftliche Tätigkeit äußerte sich unter anderem in zahlreichen Veröffentlichungen zu forsteinrichtungstechnischen und waldbaulichen Fragestellungen mit dem Schwerpunkt von naturnahen Pflegekonzeptionen. Im Fokus seiner Lehr- und Forschungstätigkeit stand für Ihn schon vor 40 Jahren die Umgestaltung von Reinbeständen in gemischte, gestufte naturnahe Wälder und hier war er dem damaligen Zeitgeist weit voraus. Schematisiertes waldbauliches Vorgehen lehnte er ab, nicht das Einzelindividuum stand bei Ihm im Mittelpunkt, sondern das System Wald als Ganzes.
Gleichzeitig legte er in Weihenstephan ein umfangreiches Versuchsflächennetz an, das er bis nur wenige Monate vor seinem Tode selbst noch mit betreute und auswertete.
Für sein erfolgreiches Wirken in Lehre und Forschung wurde Professor Klein 1993 vom Bund Deutscher Forstleute mit der Ehrennadel in Gold ausgezeichnet.
Als Mensch bestach Professor Klein durch seine Toleranz gegenüber Anderen und Anderem, durch seine ausgleichende Persönlichkeit, einem klaren Urteilsvermögen und seiner Kollegialität. Seine direkte Art, meist gepaart mit einem tiefgründigen Humor, wusste jeder zu schätzen, da sie nie verletzend war.
Die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf wird Ihm ein ehrendes Andenken bewahren.
Prof. Dr. Wolf D. Rommel


