Rupert Seidl an die TUM berufen
Professur für Ökosystemdynamik und Waldmanagement in Gebirgslandschaften
Waldbau ist die zielgerichtete Steuerung von Waldökosystemen. Diese Kompetenz ist nicht zuletzt aufgrund der steigenden gesellschaftlichen Anforderungen an Wälder und einer sich immer rascher ändernden Umwelt heute wichtiger denn je. Um ein komplexes System wie den Wald erfolgreich steuern zu können, muss man zuerst seine natürliche Dynamik verstehen. Genau hier setzt die neue Professur für Ökosystemdynamik und Waldmanagement an: Ihr zentrales Ziel ist es, das Verständnis der Ökosystemdynamik zu verbessern und dieses für die nachhaltige Waldbewirtschaftung nutzbar zu machen.
Die Ökosystemdynamik beschäftigt sich mit Veränderungen der Natur in Raum und Zeit. Sie wendet eine Kombination vielfältiger Methoden an, um Veränderungen in Ökosystemen zu beschreiben, deren Ursachen zu erforschen und deren Auswirkungen zu quantifizieren. Diese Informationen bilden die Basis für die Ableitung von robusten Managementkonzepten mit dem Anspruch, einen Beitrag zur nachhaltigen Bereitstellung vielfältiger Ökosystemleistungen zu erbringen und die Integrität und Diversität von Ökosystemen in einer sich wandelnden Welt zu bewahren.
Ein spezieller Fokus der Professur liegt auf Gebirgslandschaften. Diese stellen ein ideales Studienobjekt für den oben umrissenen Themenkomplex dar, da sie vom Klimawandel besonders betroffen sind, sich durch eine hohe biologische Vielfalt auszeichnen und gleichzeitig einer Vielzahl von gesellschaftlichen Ansprüchen gerecht werden müssen. In enger Kooperation mit dem Nationalpark Berchtesgaden – Deutschlands einzigem Nationalpark in den Alpen – erforscht die Professur die Prozessdynamik in Gebirgslandschaften. Die hohe topographische Komplexität sowie die Dichte an Umweltbeobachtungen machen den Nationalpark Berchtesgaden zu einem herausragenden Lernort der Ökosystemdynamik. Der Fokus der Arbeiten bleibt jedoch nicht auf eine einzelne Gebirgslandschaft beschränkt, sondern analysiert deren Besonderheiten im Kontrast zu anderen Gebieten (inkl. aktiv bewirtschafteten Ökosystemen der Tief- und Mittellagen). Dieser Vergleich auf größerer räumlicher Ebene erlaubt es, spezielle von generellen Mechanismen zu separieren und die der Dynamik von Ökosystemen zugrunde liegenden Prozesse besser zu verstehen.
Kurzbio
Rupert Seidl (*1979 in Salzburg) studierte nach vorangegangener Ausbildung zum Förster (Försterschule Bruck/Mur) an der Universität für Bodenkultur (BOKU) Wien Forstwirtschaft. Er promovierte 2008 ebenfalls an der BOKU mit einer Arbeit zum Thema Waldbewirtschaftung im Klimawandel. Nach PostDocs an der Oregon State University (OSU) in Corvallis, OR (USA) und der Swedish University of Agricultural Sciences (SLU) in Alnarp (Schweden) kehrte er 2012 an die BOKU zurück. Dort trat er 2013 eine Assistenzprofessur am Institut für Waldbau an und habilitierte sich 2014 im Fach Waldökosystemmanagement. Ab 2015 war Seidl Assoziierter Professor am Institut für Waldbau der BOKU, für welches er 2018 auch die stellvertretende Leitung übernahm.
Seidls Forschungsarbeiten wurden in renommierten internationalen Fachzeitschriften publiziert. Mit über 6000 Zitierungen zählt er lt. Clarivate Analytics zu den am meisten zitierten Wissenschaftlern seines Feldes. Er erhielt für seine Arbeiten eine Vielzahl von Auszeichnungen, darunter den Schweighofer Innovationspreis sowie den START-Preis des Österreichischen Wissenschaftsfonds. Seidl war der erster Kandidat in der 137-jährigen Geschichte der BOKU, der sein Doktoratsstudium mit der höchstmöglichen Auszeichnung „sub auspiciis praesidentis“ abschloss. Im Jahr 2016 wurde er in die Österreichische Akademie der Wissenschaften (Junge Kurie) aufgenommen.
Neben wissenschaftlicher Exzellenz zeichnet sich Seidls Arbeit durch hohe Praxisnähe aus. Er initiierte und leitete z.B. Kooperationsprojekte mit den Österreichischen Bundesforsten und dem Landesforstdienst Oberösterreich zur angepassten Bewirtschaftung von Bergwäldern im Klimawandel. Weiters erarbeitete er in Kooperation mit Schutzgebietsmanagern Abschätzungen zu den Auswirkungen aktueller und zukünftiger Störungen auf die Entwicklung des Nationalparks Kalkalpen.


