Frühjahrssitzung 2022 des Arbeitskreises Forstgeschichte
Herkunft und Zukunft der Buche – Baum des Jahres 2022
Der Arbeitskreis Forstgeschichte in Bayern hat sich auf seiner 60sten Sitzung mit der Buche beschäftigt. Pandemiebedingt fand die Veranstaltung als online-Konferenz mit insgesamt 57 Teilnehmenden statt. Die Buche wurde 2022 als erster Baum zum zweiten Mal nach 1990 zum Baum des Jahres gewählt. Sie gilt als die „Mutter des Waldes“, weil sie für den Wasserhaushalt und den Humus im Wald sehr förderlich wirkt und ohne den Menschen die dominierende Baumart in Mitteleuropa wäre.
In unserer Sprache und Kultur ist die Buche fest verankert: über 1500 Ortsnamen gehen auf die Buche zurück, wie Mariabuchen oder Heimbuchenthal. In Buchenstäbchen, die als Orakel dienten, wurden von den Germanen kleine Zeichen (Runen) geritzt. Unsere „Buchstaben“ weisen auf diesen Zusammenhang hin. Aus dem Holz der Buchen wurden später dünne Schreibtäfelchen hergestellt, die zusammengeheftet und so Vorläufer der heutigen Bücher wurden. Nach dieser kulturellen Einführung lag der Schwerpunkt allerdings auf der naturwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Buche.
Nacheiszeitliche Ausbreitung der Buche

Der renommierte Geobotaniker Prof. Hans-Jörg Küster von der Universität Hannover berichtete über die nacheiszeitliche Ausbreitung der Buche. Als sich die Gletscher vor 10.000 Jahren zurückzogen, wanderten die Baumarten, die die Eiszeit im Mittelmeerraum überdauert hatten, im Laufe der folgenden Jahrtausende zurück. Wegen der unterschiedlichen Fruchtgröße und Verbreitungsart dauerte diese Rückkehr unterschiedlich lang. Das kann man gut anhand von abgelagerten Baum-Pollen in Mooren rekonstruieren. Auf Kiefern- und Birkenwälder folgten Eichenwälder mit Ulmen und Linden. Die Buche – so Küster – sei als eine der letzten Baumarten zurückgekehrt. Dabei sei ihre Ausbreitung, auffällig parallel zur Ablagerung von Getreidepollen in Mooren, die den damals in Europa eingeführten Ackerbau belegen. Küster erklärt den Zusammenhang so: Im dichten Urwald hätte die Buche keine Chance gehabt sich anzusamen und heranzuwachsen, aber auf aufgelassenen Feldern, die in einer ersten Sukzession von Birken und Kiefern licht bestockt wurden. Unter diesem lichten Schirm der Pionierbaumarten hätte sich dann die Buche gut etablieren und mit dem damals üblichen Wanderfeldbau über diese sekundäre Wiederbewaldung gut ausbreiten können. Auch sei der Höhepunkt der Buchenverbreitung erst um 1000 nach Christus erreicht worden.
Zukunft der Buche
Dr. Tobias Mette, Biologe und Modellierer an der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, stellte die Zukunft der Buche für verschiedene Klima-Szenarien vor. Dabei wird die Buche beim mildesten Szenario (RCP 2.6), das den klimapolitisch gesetzten globalen Temperaturanstieg um maximal 2,0° Grad erfüllt, weiterhin vital sein. Lediglich am Oberrhein wird die Buche verschwinden und auf der fränkischen Platte deutlich in Stress geraten. Beim Szenario RCP 4.5, das einer (globalen) Erwärmung von ca. 2,6 °C gegenüber dem vorindustriellen Wert entspricht, wird die Buche in Teilen Frankens verschwinden und ebenso im Tertiären Hügelland im Raum um Straubing. Gleiches gilt für das Rhein-Main-Gebiet und weite Teile Brandenburgs und Sachsen-Anhalts. Außer in den Mittelgebirgslagen, wird die Buche überall in Stress geraten. Deutschland ist damit nur noch bedingt im Optimum der Buche, das sich nach Skandinavien verlagert. Das extremste Szenario RCP 8.5 entspricht einer Erwärmung der globalen Mitteltemperatur bis zum Jahr 2100 auf etwa 4,8 °C im Vergleich mit dem vorindustriellen Zustand. In diesem Fall sind nur noch die Hochlagen der Mittelgebirge und der Alpenraum für die Buche geeignet. Derzeit steuern wir auf eine Erwärmung um die 3° Celsius zu, also zwischen den Szenarien RCP 4.5 und RCP 8.6.
Die Diskussion zu den Vorträgen war rege und durchaus kontrovers.
Joachim Hamberger
Weitere Informationen zum Arbeitskreis Forstgeschichte
Die nächste Sitzung des AK Forstgeschichte in Bayern wird am 14.10.2022 in Präsenz in Aschaffenburg sein. Dort soll Professor Karl Gayer, der berühmte Waldbauer, der dort wirkte, im Mittelpunkt stehen, denn 2022 ist sein 200stes Geburtsjahr.


