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Wer stoppt den Klimawandel? – Rollenspiele zur UN-Klimakonferenz

Klimaschutz verhandeln – das war das Motto der zwei Veranstaltungen mit den von Climate Interactive und deren Partnern entwickelten Simulationsmodellen EN-ROADS und C-ROADS. Die Veranstaltungen fanden am 1. März 2023 an der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Fortwirtschaft statt. Geleitet und moderiert wurden sie von Hans Dieter Kasperidus vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig, unterstützt von Dr. Peter Biber (Lehrstuhl für Waldwachstumskunde, Technische Universität München) und vom Zentrum Wald-Forst-Holz Weihenstephan.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie die Veranstalter mit erfolgreich verhandeltem Klimaschutz am Vormittag. Foto: C. Josten, ZWFH

Erklärtes Ziel der gespielten Klimakonferenz war es, Maßnahmen zu verhandeln, welche die globale Klimaerwärmung auf 1,5° C oder maximal 2° C im Jahr 2100 begrenzen. Aufgabe der Teilnehmerinnen und Teilnehmer war es jedoch auch, die Interessen verschiedener Länder, Regionen und Stakeholder zu vertreten, die zumindest teilweise im Widerspruch mit diesem Ziel stehen. UN-Generalsekretär Antonio Guterres, dargestellt von Hans Dieter Kasperidus, appellierte deshalb an das Plenum, das gemeinsame Ziel nicht aus den Augen zu verlieren und betonte: „Ein ungebremster Klimawandel hat verheerende Folgen für alle!“

Eindrücke aus den Verhandlungsrunden vom EN-ROADS Rollenspiel am Vormittag. Fotos: C Josten, ZWFH IMG 9503 1

 

Rollenspiel mit dem EN-ROADS Simulationsmodell 

Der Vormittag war für den englischsprachigen Studiengang Sustainable Resource Management der TU München konzipiert. Im Simulationsmodell EN-ROADS konnten die Verhandlungsergebnisse der Studierenden direkt eingegeben werden. Die Wirkung auf die prognostizierte Klimaerwärmung zeigte das Programm auch prompt an – zunächst mit ernüchterndem Ergebnis. Es musste also nachverhandelt werden. Zur Auswahl standen verschiedenen Maßnahmen im Bereich Energie wie die Besteuerung von fossilen Energieträgern, die Elektrifizierung und Steigerung der Energieeffizienz im Bereich Transport, Gebäude und Industrie, das Wachstum von Wirtschaft und Bevölkerung, aber auch Landnutzung und Entwaldung. Die Dekarbonisierung konnte durch Wiederaufforstung und Technologieeinsatz beeinflusst werden. Nach einer dritten intensiven Verhandlungsrunde konnten die Studierenden schlussendlich ein erfolgreiches Szenario beschließen, das die Klimaerwärmung auf 1.9° C begrenzte. 

Rollenspiel mit dem C-ROADS Simulationsmodell 

Am Nachmittag vertrat Enno Uhl die Klimapolitik der Entwicklungsländer, Dr. Peter Biber notiert die vorgestellten Klimaschutzmaßnahmen. Foto: C. Josten, ZWFH

Der Nachmittag war für alle Interessierten offen und konzentrierte sich auf das Simulationsmodell C-ROADS. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vertraten verschiedene Länder und Regionen und konnten ihre Klimapolitik individuell festlegen. Während industrialisierte Länder bereit waren, sofort ihre Emissionen zur reduzieren, stand für Vertreterinnen und Vertreter von Schwellen- und Entwicklungsländern zunächst die Armutsbekämpfung und das weitere Wirtschaftswachstum im Vordergrund. Intensive Verhandlungen, gegenseitige Ermunterungen und auch Zugeständnisse, zum Beispiel in Form finanzieller Unterstützung, waren in der Folge notwendig. Auch am Nachmittag fiel das Ergebnis der ersten Verhandlungsrunde sehr ernüchternd aus. Um in Reichweite des Zieles zu kommen, mussten viel drastischere Maßnahmen ergriffen werden, als es den Vertreterinnen und Vertretern zunächst tragbar erschien. Trotz zwei weiterer Verhandlungsrunden verfehlten die Spieler mit 2,3° C das Ziel von maximal 2,0° C. Für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer war verblüffend, welche Schlüsselrolle in diesem Szenario die Entwicklungsländer einnahmen. Die Pro-Kopf-Emissionen sind dort zwar um ein Zigfaches geringer als in wohlhabenden Staaten. Doch steigen die wirtschaftlich schwächeren Länder voraussichtlich erst später in die Emissionsreduzierung ein. Außerdem wird ihnen das höchste Bevölkerungswachstum prognostiziert, was das Erreichen der Klimaziele nicht einfacher macht.

Ergebnis der Verhandlungen im Simulationsmodell C-ROADS: auch nach der dritten Runde konnte das Ziel von unter 2° C Klimaerwärmung in 2100 nicht erreicht werden.

Temperaturerhöhung begrenzen ist möglich

Für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer war das Rollenspiel ein intensives Erlebnis, bei dem verschiedene Perspektivwechsel vollzogen wurden. Auch der Beitrag von Wald und Forstwirtschaft war Thema. Die Modelle zeigten jedoch klar, dass mit Entwaldungsstopps und maximaler Aufforstung allein der Klimawandel nicht aufgehalten werden kann. Einig waren sich am Schluss jedoch alle, dass der Kampf gegen den Klimawandel möglich ist. Allerdings nur dann, wenn weltweit jeder Einzelne mit beherztem Einsatz dabei ist und Maßnahmen so früh wie möglich auf verschiedenen Ebenen gleichzeitig umgesetzt werden.

Netzwerk Climate Interactive

Beide Simulationsmodelle EN-ROADS und C-ROADS sind frei über die Internetseite www.climateinteractive.org zugänglich. Schon über 270.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben an den von Climate Interactive entwickelten Workshops und Rollenspielen weltweit teilgenommen. Aber auch in echten Verhandlungsrunden und strategischen Planungssitzungen wurden und werden die Modelle von Climate Interactive von Entscheidungsträgern aus Regierung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft eingesetzt.

Wenn Sie ebenfalls Interesse an der Teilnahme oder Durchführung eines derartigen Rollenspiels oder Workshops haben, können Sie sich gerne an uns wenden. Weitere Veranstaltungen werden bei entsprechender Nachfrage geplant.

Herzlicher Dank gilt Hans Dieter Kasperidus für die Vorbereitung und Durchführung sowie der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft als Gastgeberin.

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