5. ZWFH-Forum »Stadtwälder«
Man glaubt es kaum: Füchse im Englischen Garten in München, Wildschweine im Berliner Villenviertel, Waschbären auf Dachböden in Kassel – Wildtiere leben immer häufiger auch in Städten. Durch die Monotonie des Umlands – geschaffen durch die moderne Landwirtschaft – gewinnen urbane Lebensräume für Tiere und Pflanzen immer mehr an Bedeutung und werden so zu »Inseln der Artenvielfalt«, wie Prof. Josef H. Reichholf in seinem Vortrag betonte: »In Berlin singen mittlerweile mehr Nachtigallen als in ganz Bayern und in einigen Städten finden sich doppelt so viele Wildpflanzen wie in ihrem Umland«. Der hohe Stellenwert der Stadtwälder in puncto Naturschutz, Erholung oder Freizeit kam in allen Referaten auf dem 5. ZWFH-Forum »Stadtwälder – Urban Forestry: Vorstellung verschieden bewirtschafteter und geführter Stadtwälder« zum Ausdruck. »Das fordert eine Vielzahl von Kompetenzen für das forstliche Personal«, so Betriebsleiter Wilhelm Seerieder vom BaySF-Forstbetrieb München.
In allen Forstbetrieben steht, neben der Pflege des Waldes, die Öffentlichkeitsarbeit an vorderer Stelle: Durch verschiedene Medien wird die Bevölkerung über anstehende Maßnahmen umfangreich informiert; Waldarbeiter vor Ort stehen Rede und Antwort. »Die Menschen spüren lassen, das ist ihr Wald –«, das ist die Botschaft von Stephan Keilholz, Leiter des BaySF-Forstbetriebs Forchheim. Je weiter man auf das Land kommt, umso leichter kann dieses Motto gelebt werden. Der ländliche Wald finanziert den Stadtwald.
In Stadtnähe sind Wälder stark beanspruchte »Multitalente«, sie verbessern das Stadtklima, liefern bestes Trinkwasser und laden zu Spaziergängen und zu sportlichen Aktivitäten ein. »Jeder möchte dabei seine Vorstellung von Wald leben, wodurch potenzielle Konflikte nicht ausbleiben«, so Amtsleiter Jürgen Kircher der Forstverwaltung Stadt Augsburg. Das als PEFC - Erholungs-wald zertifizierte Waldgebiet der Stadt Augsburg ist mit seinen ca. 20 km² das größte außeralpine Naturschutzgebiet Schwabens. Die Auswertungen des Erholungsmonitorings der LWF waren bei der Bewältigung von Konflikten über dessen Nutzung sehr hilfreich.

Im Vortrag von Michael Degle von der Bayerischen Schlösserverwaltung wurde ersichtlich, wie die Besucher den Landschaftspark Nymphenburg als angelegtes Gartenkunstwerk begreifen und daher dessen Bewirtschaftung nicht als Eingriff der Forstwirtschaft in die Natur sehen, wie dies ansonsten bei urbanen Wäldern oft der Fall ist. Die transparente Vermittlung der Notwendigkeit der Entnahme einzelner Bäume zum Erhalt der meisterhaft gelungenen Waldästhetik ist den Passanten leicht zu vermitteln und findet weitestgehend Akzeptanz.
Hintergrund:
Die ZWFH-Foren werden am Forstcampus Weihenstephan semesterbegleitend zweimal jährlich zu verschiedenen Forschungsthemen angeboten. Sie haben das Ziel, sowohl den wissenschaftlichen Austausch zwischen den drei Partnerinstitutionen – der Studienfakultät Forstwissenschaft und Ressourcenmanagement der TU München, der Fakultät Wald und Forstwirtschaft der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft – und die Zusammenarbeit dieser drei Partnerinstitutionen mit externen Einrichtungen im Bereich Forst und Gesellschaft zu fördern.
Waldarbeit zwischen Motorsäge und Satellitendaten
Münchner Wissenschaftstage 2018
Wie sieht die Arbeitswelt der Zukunft aus? Welche Auswirkungen haben Fortschritte in den verschiedensten wissenschaftlichen Bereichen auf den Arbeitsmarkt? Über diese und viele weitere Aspekte informierten sich rund 30.000 Besucher bei den Münchner Wissenschaftstagen vom 10. bis 13. November 2018 bei zahlreichen Vorträgen, Marktständen und Workshops.
Das Zentrum Wald-Forst-Holz Weihenstephan informierte Schulklassen und Interessierte aus der städtischen Bevölkerung über Veränderungen in der forstlichen Arbeitswelt. Ob Satellitendaten oder terrestrischer Laserscanner – die Digitalisierung macht auch vor dem Wald nicht halt.
Leider teilten die Veranstalter mit, dass die Münchner Wissenschaftstage 2018 zum letzten Mal stattfanden. »Nachdem bereits in den letzten Jahren die Finanzierung der Veranstaltungsreihe auf tönernen Füßen stand, haben wir uns schweren Herzens entschlossen keine weiteren Münchner Wissenschaftstage mehr zu planen«, so Vorsitzender Frank Holl und Geschäftsführerin Steffi Bucher.


