Vom Wald bis zum Weltall: Wie Förster plötzlich mit Satelliten arbeiten (und warum das ziemlich genial ist)
Vom Wald bis zum Weltall: Wie Förster plötzlich mit Satelliten arbeiten (und warum das ziemlich genial ist)
Was haben Wälder und Raumfahrt gemeinsam? Mehr, als man denkt. Denn während Raketen ins All starten, liefern Satelliten Daten, die direkt im Wald ankommen.
Die neu ernannte Landsat Science Team (2026–2030) der U.S. Geological Survey und NASA sorgt genau dafür. Dieses internationale Expertenteam betreut eines der wichtigsten Erdbeobachtungsprogramme der Welt. Seit über 50 Jahren liefert das Landsat-Programm frei verfügbare Satellitendaten – eine Art „Google Maps für Wissenschaftler“, nur deutlich präziser und mit Zeitreise-Funktion.
Mit dabei ist auch Prof. Cornelius Senf von der Technischen Universität München. Seine Forschung verbindet moderne Satellitentechnologie mit Fragen rund um Wälder, Klimawandel und Landnutzung.
Satelliten wie Landsat liefern dabei nicht nur Bilder, sondern entscheidende Informationen: den Zustand von Wäldern, die Ausbreitung von Bränden und langfristige Veränderungen von Ökosystemen.
Durch die Kombination von US-amerikanischen Landsat-Daten mit europäischen Sentinel-Satelliten entstehen völlig neue Möglichkeiten. Ganze Ökosysteme lassen sich über Jahrzehnte hinweg analysieren – quasi ein „Langzeitgedächtnis“ für unseren Planeten.
Das Team arbeitet an Methoden, um riesige Datenmengen intelligenter auszuwerten. Ziel ist es, aus Satellitendaten konkrete Entscheidungen abzuleiten für bessere Waldbewirtschaftung, präzisere Klimaanpassungsstrategien oder effizientereren Naturschutz.
Die Berufung von Prof. Senf zeigt: Moderne Forstwissenschaft endet nicht am Waldrand. Sie reicht bis in den Orbit.
Bild Professor Cornelius Senf: Andreas Heddergott, TUM
Beitragsbild: Landsat / United States Geological Service
Weitere Informationen (TUM News; NASA Science News)

Großalarm im Weltwald: Übung für den Ernstfall im gefährlichen Arbeitsumfeld
Große Forstliche Rettungsübung an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf
Blaulicht flackert zwischen den Bäumen, Sirenen durchbrechen die Ruhe des Waldes. Was für vorbeifahrende Autofahrer und Sparziergänger wie ein Großeinsatz wirkt, ist in Wirklichkeit eine Übung und doch hat sie einen ernsten Hintergrund. Denn die Arbeit im Wald gehört weiterhin zu den gefährlichsten Tätigkeiten.
Hohe Unfallzahlen in der Forstwirtschaft
Aktuelle Zahlen unterstreichen das Risiko: In der Forstwirtschaft wurden zuletzt 5.188 meldepflichtige Unfälle registriert, die Zahl der tödlichen Unfälle liegt mit 35 Fällen weiterhin auf einem sehr hohen Niveau. Besonders häufig sind es herabfallende Äste, Stürze im unwegsamen Gelände oder der Umgang mit Maschinen wie Motorsägen und Seilwinden, die zu schweren Verletzungen führen. Auffällig ist zudem der deutliche Anstieg von Unfällen mit technischen Geräten, so die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau SVLFG
Training unter realistischen Bedingungen
Vor diesem Hintergrund trainieren Studierende des Studiengangs Forstingenieurwesen an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf gemeinsam mit Rettungsdienst und Feuerwehr den Ernstfall. Die Szenarien sind realitätsnah und bewusst drastisch: eingeklemmte Waldarbeiter, schwere Verletzungen durch herabstürzende Baumteile, komplexe Rettungseinsätze abseits befestigter Wege. Geübt wird die gesamte „Rettungskette Forst“ vom ersten Notruf bis zur Versorgung und Bergung der Verletzten. Entscheidend ist dabei nicht nur medizinisches Wissen, sondern vor allem schnelles, koordiniertes Handeln und gezielte Vorbereitungen etwa durch einen schriftlichen Arbeitsauftrag mit Rettungsplan. Denn im Ernstfall zählt jede Minute.
Forstliches Notfalltraining als Teil des Studiums
Die Übung ist inzwischen integraler Bestandteil eines forstlichen Notfalltrainings innerhalb des Studiums. In einem speziellen Seminar erwerben die Studierenden grundlegende Kenntnisse der Rettungskette Forst, Notruf, der Ersten Hilfe und trainieren lebensrettende Maßnahmen wie Wiederbelebung, die Versorgung schwerer Blutungen oder den Umgang mit bewusstlosen Personen. Ergänzt wird dies durch praktische Übungen und realitätsnahe Simulationen, die die Zusammenarbeit mit Feuerwehr und Rettungsdienst einschließen.
Vorbereitung rettet Leben
Mehr als 150 Teilnehmende nutzten die Gelegenheit, unter möglichst realistischen Bedingungen Erfahrungen zu sammeln. Die Übung zeigt eindrücklich, wie wichtig eine fundierte Ausbildung ist. Denn trotz technischer Fortschritte bleibt die Waldarbeit ein Arbeitsfeld mit hohem Risiko. Eine funktionierende Rettungskette kann im Ernstfall den entscheidenden Unterschied machen. An der Übung beteiligt waren unter anderem die Werkfeuerwehr der TU München am Standort Weihenstephan, die Rettungsdienstschule München mit angehenden Notfallsanitätern in Ausbildung und mehreren Notärzten die gemeinsam mit den Studierenden praktische Erfahrungen sammelten.
Einzigartiges Ausbildungskonzept
Mit diesem Ausbildungskonzept nimmt die Hochschule bundesweit eine Vorreiterrolle ein: Das forstliche Notfalltraining im Wald verknüpft die Rettungskette Forst und Erste Hilfe mit einer engen Verbindung von Theorie und Praxis sowie mit einer groß angelegten Rettungsübung, im forstlichen Studium wohl bislang einzigartig.
Text und Bilder: Florian Rauschmayr, HSWT
Das Borkenkäfermonitoring startet wieder
Pünktlich zum 1. April startet wie gewohnt das bayernweite Borkenkäfermonitoring. Die Fallen sind aufgestellt und die Bruthölzer ausgelegt: wir sind also bestens im Bilde, wenn bzw. wo Buchdrucker und Co. ihren Schwärmflug im Frühjahr beginnen. Sobald die ersten Fichtenborkenkäfer starten, werden wir Sie wieder regelmäßig über den neuesten Stand informieren.
Nutzen Sie jetzt noch die derzeitige kühle Witterung aus, um mögliche Resthölzer und nicht aufgearbeitete Käferbäume aus dem Wald zu entfernen! Noch besteht die Möglichkeit, damit die Ausgangspopulationen für den Start in die diesjährige Borkenkäfersaison deutlich zu reduzieren! Achten Sie auch auf (vereinzelte) Schnee- und Windbrüche – besonders in der Rhön!
Denn sobald die günstigen Witterungsbedingungen für das Ausschwärmen der überwinternden Fichtenborkenkäfer erreicht sind, ist mit Neubefall zu rechnen und in entsprechend gefährdeten Beständen muss dann mit der regelmäßigen Befallssuche begonnen werden. Buchdrucker benötigen warme (> 16,5 °C) und trockene Bedingungen zum Ausfliegen.
Auch wenn die Borkenkäferschäden 2025 zum zweiten Jahr in Folge deutlich zurückgegangen sind, verursachten sie mit rund 1,9 Mio. EFM nach wie vor das meiste Schadholz in Bayerns Wäldern. Neu ist, dass sich die Hauptschadgebiete in Bayern verschoben haben: Von den bisherigen Käferhotspots in Nordbayern und im Bayerischen Wald nach Südbayern (vgl. Abbildung). Besonders Regionen mit Vorschädigungen durch Hagel, Schnee- und Sturmbruch aus 2023 und 2024 bildeten im letzten Jahr die Schwerpunkte des Befallsgeschehens. Dazu zählen Teile der Amtsbereiche Augsburg, Ebersberg-Erding, Holzkirchen, Rosenheim und Weilheim. Auch in Fürstenfeldbruck, Regensburg und Landau zeichnet sich eine starke Zunahme der gemeldeten Borkenkäferschäden ab.
Die weitere Befallsentwicklung ist stark von den Witterungsbedingungen abhängig und lässt sich derzeit noch nicht abschätzen. Dennoch sollte man gerade in den Fichtenwäldern südlich der Donau besonders auf der Hut sein und die „saubere Waldwirtschaft“ konsequent und gewissenhaft umsetzen. Das gilt aber auch für alle anderen Regionen, denn mit wiederansteigenden Populationen ist entsprechend der nach wie vor vielerorts hohen Fichtenvorräte und des guten Entwicklungspotenzials der Borkenkäfer-Bruten in Folge der oft überdurchschnittlichen Temperaturen jederzeit zu rechnen!

Borkenkäfer-Schadholzmengen an der Fichte im Jahr 2025 nach Forstämtern in Bayern für allen Besitzarten.
Im Gegensatz zu den letzten Jahren hat sich das Schadgeschehen verschoben: zum ersten Mal sind die höchsten Mengen nun in Oberbayern gemeldet.
(Datenquelle: Waldschutzmeldewesen)
Text: Cornelia Triebenbacher und Tobias Frühbrodt, LWF
Bild: T. Hase, StMELF
Rückblick: Der Wald als Kulturspeicher

Wie viel Geschichte steckt eigentlich in unserem Wald? Dieser Frage widmete sich der Vortrag von Dr. Joachim Hamberger im Rahmen der Wanderausstellung „Denkmal im Wald“ in der Klosterbibliothek des Landratsamts Freising. Er zeigte, dass der Wald nicht nur Naturraum, sondern auch Kulturspeicher ist. Archäologische Spuren wie Keltenschanzen, Relikte des Limes, Glashütten oder historische Pechgewinnung lassen sich heute unter anderem mithilfe moderner Laserscans sichtbar machen. Auch die Rolle der Forstpraxis wurde deutlich: Försterinnen und Förster müssen solche Strukturen nicht immer exakt bestimmen – entscheidend ist, sie als wertvolle Denkmäler zu erkennen und entsprechend damit umzugehen. Als Lehrbeauftragter an TUM und HSWT vermittelt Dr. Hamberger dieses Wissen auch an angehende Försterinnen und Förster. Gleichzeitig gab er Einblicke in seine Arbeit als Leiter des Bayerischen Amts für Waldgenetik, etwa zu Themen wie Ulmenpolz oder Eschentriebsterben. Besonders deutlich wurde: Der Blick in die Vergangenheit hilft, den Wald der Zukunft zu gestalten.
REGULUS-Statuskonferenz 2026 in München
Vom 16. bis 18. März 2026 fand die 3. REGULUS-Statuskonferenz „REGULUS im Dialog – Forschungsergebnisse im Praxistransfer“ in München statt. Über 130 Teilnehmende aus dem gesamten Verbund kamen aus ganz Deutschland zusammen, um aktuelle Forschungsergebnisse zu diskutieren und den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis zu stärken.
Der Auftakt führte am 16. März in den Forschungswald von LMU und TUM bei Landshut, wo Forschende der Innovationsgruppe „LabForest“ ihre Versuchsflächen präsentierten. An mehreren Stationen wurden laufende Arbeiten zu Fernerkundung, Hydrometeorologie, Biodiversität und Waldschutz direkt im Gelände vorgestellt und in ihren praktischen Kontext eingeordnet.
Am 17. und 18. März fand das Konferenzprogramm im Münchner Gasteig HP8 mit Vorträgen, Poster-Pitches und intensiven Diskussionen statt. Auch das A-DUR-Projekt war fachlich stark vertreten. Der Vortrag von Sophie Feiertag zeigte Ergebnisse zum Einfluss des Waldmikroklimas auf das körperliche Wohlbefinden des Menschen. Ergänzend wurden mehrere Posterbeiträge präsentiert, die im Anschluss mit interessierten Zuhörern diskutiert wurden.
Besonders erfreulich: Beim REGULUS-Posterpreis 2026 wurde unter anderem ein Beitrag aus A-DUR ausgezeichnet. Das Poster „Waldverjüngung im Wandel“ von Korbinian Tartler und Clemens Detsch wurde als eines von drei Postern vom Publikum prämiert.
Den Abschluss bildete die Paneldiskussion „Vom Labor zum Wald und wieder zurück – Welche Brücken müssen wir bauen?“, moderiert von Prof. Dr. Andreas Bolte (Thünen-Institut). Dr. Irene Seling (AGDW), Philipp Gloning (Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus), Dr. Ralf Straußberger (BUND Naturschutz Bayern) und Rudolf Plochmann (Bayerische Staatsforsten) diskutierten zentrale Herausforderungen des Wissenstransfers. Deutlich wurde: Der Transfer von Forschung in die Praxis funktioniert nur im Dialog und braucht Akteure, die beide Seiten verbinden!
Beiträge von A-DUR auf der Konferenz:
Vortrag:
Feiertag, S., Scheller, D., Mess, F. und Menzel, A.: Ein Spaziergang im Wald tut nicht nur der Seele gut – Wie das Mikroklima im Wald das körperliche Wohlbefinden von Menschen beeinflusst.
Posterbeiträge:
- Tartler, K., Detsch, C., Fuchs, T., Feiertag, S., Kollmann, J., Annighöfer, P., Eisen, A.-K.: Waldverjüngung im Wandel: Dynamik und Treiber in einem anthropogen veränderten Auwald
- Kappler, K., Angerer, B., Maier, N., Lampl, R., Eisen, A.-K., Lupp, G., Egerer, M. (2026): Gesellschaftliche Ansprüche an revitalisierte Auwälder am Beispiel der Isar
- Höbenreich, K., Disse, M., Chiogna, G.: Grundwassermodellierung und Analyse der Grundwasserstände entlang der Isar zwischen München und Landshut
- Eisen, A.-K., Toma, R. A., Annighöfer, P.: Auwaldforschung digital: Zentrale Datenbank für Geodaten, Messwerte und Langzeitmonitoring
- Fendl-Zeyer, H., Zormaier, F. (AELF EE): Naturwaldentwicklungskonzept für den Naturwald „Auwälder an der Mittleren Isar“
Mehr Eindrücke:
Wie Brände, Stürme und Borkenkäfer Europas Wälder bis 2100 formen
Schäden im Wald könnten sich verdoppeln
- Studie berechnet entlang verschiedener Klimapfade, wie viel Waldfläche in Europa bis 2100 durch Brände, Stürme und Borkenkäfer geschädigt werden könnte.
- Kombination aus Satellitendaten und Waldsimulationen für 13.000 Orte in Europa simuliert mittels KI-Modell flächendeckend mögliche Störungsszenarien.
- In allen Szenarien übersteigen die zukünftigen Waldschäden das bisherige Ausmaß – mit deutlichen Auswirkungen auf den Wald und seine Funktionen.
Waldbrände, Stürme und Borkenkäfer haben großen Einfluss auf Wälder und die Leistung, die diese für Klima, Mensch und Umwelt erbringen. Ein großes internationales Team um Forschende der Technischen Universität München (TUM) hat erstmals berechnet, wie diese drei Faktoren Europas Wälder bis 2100 verändern könnten. Bereits im bestmöglichen Szenario sehen die Forschenden einen deutlichen Anstieg der geschädigten Fläche – im pessimistischsten Fall sogar eine Verdoppelung der Waldschäden.
Das Absterben von Bäumen im Wald ist nicht neu und Teil der natürlichen Entwicklung von Wäldern – wo alte Bäume sterben, wachsen in der Regel junge Bäume nach. Neu ist jedoch das Ausmaß, in dem Waldbrände, Stürme und Borkenkäfer – angetrieben vom Klimawandel – die Wälder verändern. Dies hat sich bereits in den dramatischen Waldschäden in Mitteleuropa in den letzten Jahren gezeigt, doch Zahlen darüber, wie viel Waldfläche in Zukunft geschädigt werden könnte, lagen bisher nicht vor. Dabei beeinflussen diese Störungen auch, wie viel Kohlenstoff Wälder zukünftig speichern können, wie viel Nutzholz sie liefern und welche Arten in ihnen leben – und sind somit für Politik und Gesellschaft hochrelevant.
Das Team um Rupert Seidl, Professor für Ökosystemdynamik und Waldmanagement an der TUM, hat diese Lücke nun geschlossen. Die Forschenden gehen davon aus, dass sich bei einer Erderwärmung von etwas mehr als 4 Grad Celsius das Ausmaß der von Bränden, Stürmen und Borkenkäfern geschädigten Fläche bis 2100 mehr als verdoppeln könnte. Als Vergleich legten die Forschenden Daten aus den Jahren 1986 bis 2020 zugrunde, also einer Periode, in der bereits ungewöhnlich viele Waldschäden auftraten. Selbst im besten Fall einer Erwärmung von nur etwa 2 Grad Celsius erwarten die Forschenden in Zukunft mehr Schäden im Wald als in diesem Vergleichszeitraum.
Regionale Unterschiede
Die Forschenden arbeiteten mit einem KI-gestützten Simulationsmodell. Dieses trainierten sie mit 135 Millionen Datenpunkten aus Waldsimulationen für 13.000 Orte in Europa und kombinierten die Ergebnisse mit Satellitendaten zu Waldstörungen. So konnten sie die zukünftige Waldentwicklung sowie das Auftreten und die Folgen von Störungen bis auf einen Hektar genau berechnen und dadurch sehr präzise Aussagen zu den unterschiedlichen regionalen Entwicklungen treffen.
Die Wälder Süd- und Westeuropas werden laut der Studie in Zukunft besonders stark von Waldschäden betroffen sein und sich entsprechend stark verändern. Nordeuropa trifft dieser Wandel im Verhältnis weniger stark, wobei auch hier Hotspots zukünftiger Waldschäden zu erwarten sind. „Störungen werden zunehmend überregional zum Problem, bringen die Holzmärkte in ganz Europa durcheinander und gefährden die Gemeinwohlleistungen des Waldes“, sagt Rupert Seidl.
Die Autorinnen und Autoren der Studie sehen daher dringenden Bedarf, weiter steigende Waldschäden bereits jetzt in der Waldbewirtschaftung zu berücksichtigen: „Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir auch in den nächsten Jahren große Schäden im Wald haben werden. Das heißt einerseits, dass wir größere Schwankungen in den Leistungen des Waldes abpuffern werden müssen. Andererseits bieten Störungen auch die Chance, einen neuen, Klima-angepassten Wald zu begründen – sie wirken als Katalysatoren der Veränderung. Diesen Risiken und Chancen durch steigende Störungen muss sich die Forstpraxis – unterstützt durch neue Methoden und Erkenntnisse der Wissenschaft – stellen“, so Seidl.
Publikation:
Grünig, M.; Rammer, W.; Senf, C. et al 2026. Climate change will increase forest disturbances in Europe throughout the 21st century, Science, in press, https://doi.org/10.1126/science.adx6329
Weitere Informationen:
- Die Studie wurde im Rahmen des Projekts Resonate – Resilient Forests for Society (https://resonateforest.org/) durchgeführt, welches vom European Forest Institute (EFI) koordiniert wurde.
- Rupert Seidl ist Professor an der TUM School of Life Sciences. Darüber hinaus leitet er den Fachbereich Forschung und Monitoring des Nationalparks Berchtesgaden und ist Mitglied im Zentrum für alpine Waldwirtschaft an der TUM.
Wissenschaftlicher Kontakt
Prof. Dr. Rupert Seidl
Technische Universität München
Lehrstuhl für Ökosystemdynamik und Waldmanagement
+49 (8161) 71 – 4691
Rupert.seidl@tum.de
Kontakt im TUM Corporate Communications Center
Anja Lapac
Media Relations
Tel. +49 8161 71-5403
presse@tum.dewww.tum.de
Studierende der HSWT mitten im Isar-Auwald
Drei Tage im Gelände, 30 Untersuchungsplots und jede Menge spannende Entdeckungen: Studierende der Bachelorstudiengänge Forstingenieurwesen sowie Arboristik & Urbanes Waldmanagement der HSWT waren im Rahmen der praxisbegleitenden Lehrveranstaltung (PLV) für das A-DUR-Projekt unterwegs.
Im Mittelpunkt standen Baummikrohabitate – kleine Strukturen an Bäumen wie Höhlen, Rindenverletzungen, Stammrisse, Kronenbrüche oder Nester. Sie entstehen durch natürliche Prozesse und bieten zahlreichen spezialisierten Arten Brut-, Nahrungs- oder Rückzugsplätze. Bäume mit solchen Mikrohabitatstrukturen sind echte Biodiversitäts-Hotspots im Wald.
Nach der Geländearbeit wurden die gesammelten Daten an zwei weiteren Tagen in Kleingruppen ausgewertet und in Präsentationen diskutiert. Dabei setzten sich die Studierenden intensiv mit der Vielfalt der Mikrohabitate in verschiedenen Waldtypen auseinander, untersuchten die Bindung von Singvögeln an bestimmte Strukturen, den Einfluss von Boden und Vegetation auf die Avifauna und die Folgen von Hochwasser auf Mikrohabitate.
Die Datenerhebung im Gelände lieferte dabei nicht nur wertvolle Praxiserfahrung für die Studierenden, sondern auch wichtige Informationen für das A-DUR-Projekt. Die aufgenommenen Daten werden projektintern weiter ausgewertet und fließen in die wissenschaftlichen Analysen zur Strukturvielfalt und Biodiversität der Isar-Auwälder ein.
Erfolgreiches Team vom Campus Weihenstephan beim Forstlichen Biathlon
Mit Sonnenschein und besten Loipenbedingungen begrüßte das Landesleistungszentrum Hohenzollern-Skistadion am Fuße des Arbers die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Bayerischen Forstlichen Biathlons 2026. Etwas mehr als 50 Personen aus der Wald- und Forstbranche waren der Einladung des Bayerischen Vereins für forstlichen Skilauf e.V. als Veranstalter und dem Forstbetrieb Bodenmais sowie dem AELF Regen gefolgt. Dabei war auch eine kleine Mannschaft des Campus Weihenstephan, die sich nicht scheut der Konkurrenz zu stellen. Die Strecke von 2 km im Leistungszentrum war von den männlichen Läufern dreimal von den Läuferinnen zweimal zu durchlaufen. Dabei forderte das Streckenprofil durch die Anstiege auch alle Athleten. Jeweils nach dem ersten Durchlauf erfolgten die fünf Schüsse mit den im Schießstand ausliegenden Kleinkalibergewehren auf die Biathlonscheiben. Damit auch hier ein paar Treffer für die weniger geübten Teilnehmerinnen und Teilnehmer möglich waren, wurde der Anschlag stehend angestrichen an einem Pflock ermöglicht.
Von den vier Startern des Campus Weihenstephan erreichten Johann Geiger (LWF) in der Klassischen Technik der Altersklasse M51 und Martin Högl (LWF) in der Freien Technik (M61) jeweils als zweite ein Platz auf dem Stockerl. Ebenfalls von der Partie waren Jonathan Fibich (TUM – Professur für Waldinventur und nachhaltige Nutzung) und Markus Blaschke (LWF). Die große Überraschung brachte dann die Mannschaftwertung bei der das Team des Campus Weihenstephan (mit Johann Geiger, Martin Högl und Jonathan Fibich) durch die ausgeglichenen Einzelleistungen in der Mannschaftswertung den zweiten Platz hinter dem siegreichen Forstbetrieb Bodenmais und vor dem Team „Schutzwald, Schützer / Grenzgänger“ belegte.
Im kommenden Jahr plant der Bayerische Verein für forstlichen Skilauf wieder einen Forstlichen Biathlon im Bundesleistungszentrum in Ruhpolding und hofft die ein oder andere Läuferin und Läufer mehr an den Start zu bringen.
Einzelergebnisse gibt es unter: www.forstski-bayern.de

Die Teilnehmer des Teams Campus Weihenstephan von links: Jonathan Fibich, Martin Högl, Markus Blaschke und Johann Geiger
Foto: J. Geiger
Platz schaffen für die Zukunft - Warum Durchforstungen Wälder stabiler machen
Wie viel Platz brauchen Bäume, um stabil zu wachsen? Und welchen Beitrag leisten gezielte Durchforstungen zu gesunden und widerstandsfähigen Wäldern?
Mit diesen Fragen beschäftigten sich Forstexperten der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) gemeinsam mit Vertretern des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürstenfeldbruck (AELF) sowie des Forstbetriebs Landsberg der Bayerischen Staatsforsten (BaySF) bei einer Exkursion zur Versuchsfläche nahe Fürstenfeldbruck.
Frühe Durchforstungen stärken Stabilität
Die Versuchsfläche bei Althengenberg liegt im Staatswald und wird wissenschaftlich von der LWF betreut.
Hier wird seit vielen Jahren untersucht, wie sich unterschiedliche Pflanzdichten und Durchforstungen auf das Wachstum der Fichten auswirken.
Die Ergebnisse sind eindeutig: Wenn Bäume frühzeitig gezielt ausgewählt und ihre Konkurrenten entnommen werden oder mit genügend Abstand gepflanzt werden, entwickeln sie sich stabiler und erreichen schneller größere Durchmesser.
Diese besonders geförderten Bäume nennt man Zukunftsbäume oder kurz „Z-Bäume“.
Sie sind vital, standfest und liefern hochwertiges Holz. Gleichzeitig leistet der Bestand einen hohen Gesamtzuwachs.
Rechtzeitige Durchforstungen können zudem die Umtriebszeit verkürzen – also die Zeitspanne, bis ein Bestand hiebsreif ist und geerntet werden kann.
Das eröffnet Waldbesitzenden zusätzliche wirtschaftliche Spielräume.
Eine reine Niederdurchforstung hingegen – bei der vor allem unterständige oder schwächere Bäume entnommen werden, die kaum am Kronendach mitwirken – bringt für die stärksten Bäume im Bestand nur geringe Vorteile.
Entscheidend ist, gezielt Raum für die leistungsfähigsten Bäume zu schaffen.
„Gezielte und frühzeitige Durchforstungen sind ein Schlüssel für stabile, zukunftsfähige Wälder“, betont LWF Präsident Dr. Peter Pröbstle. „Langfristige Versuche liefern dafür die entscheidende Wissensgrundlage.“
Forschung, Beratung und Praxis ziehen an einem Strang
Die Versuchsfläche ist Teil des „Ertragskundlichen Versuchsflächennetzes Bayern“. Dieses Netzwerk besteht seit über 150 Jahren und umfasst heute 157 Versuchsstandorte mit rund 1.400 Versuchsparzellen in ganz Bayern.
Die meisten Flächen liegen im Staatswald. Die LWF koordiniert und betreut dieses weltweit einzigartige Netz. Seit seinem Bestehen hat das Versuchsflächennetz eine Vielzahl von Erkenntnissen erbracht und Gesetzmäßigkeiten aufgedeckt.
Die langfristigen Daten sind eine wichtige Grundlage für den Waldumbau im Klimawandel.
Die Bayerischen Staatsforsten setzen viele dieser Erkenntnisse im Staatswald praktisch um.
„Die richtigen Bäume gezielt zu fördern, zahlt sich ökologisch und wirtschaftlich aus“, so Robert Bocksberger, Forstbetriebsleiter des BaySF-Forstbetriebs Landsberg.
Für den Privat- und Körperschaftswald übernimmt die Forstverwaltung die Beratung.
„Unser Ziel ist, dass das Wissen aus der Forschung auch über die Beratung direkt zum Waldbesitzer kommt“, erklärt Marc Koch, Bereichsleiter Forsten am AELF Fürstenfeldbruck.
Gemeinsam zeigen Forschung, Beratung und Praxis: Wer frühzeitig gezielt pflegt, schafft stabile Wälder – und legt damit die Grundlage für eine sichere Zukunft unserer Wälder im Klimawandel.

Martin Nickel (TUM) und Marie Neufanger (LWF) zeigen zwei gleich alte Baumscheiben mit unterschiedlicher Dicke:
Mehr Platz bedeutet stärkeres Wachstum. Foto: R. Bocksberger















