Internationale Forstexkursion in den Pazifischen Nordwesten der USA
Im Mai 2026 nahmen Studierende der Forstwissenschaften der Technischen Universität München (TUM) gemeinsam mit Studierenden der Yale School of the Environment an einer zweiwöchigen Fachexkursion durch die Bundesstaaten Washington und Oregon teil. Die Exkursion ist Teil einer seit über 40 Jahren bestehenden Partnerschaft zwischen der TUM und der Yale University, die den wissenschaftlichen Austausch fördert und den Teilnehmenden internationale Perspektiven auf Waldökologie, Waldbau und nachhaltiges Ressourcenmanagement eröffnet. Gemeinsam erkundeten die Studierenden die außergewöhnliche Vielfalt der Waldökosysteme des Pazifischen Nordwestens und diskutierten aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze der modernen Forstwirtschaft.
Die Reise führte von den temperierten Regenwäldern des Olympic National Parks über die subalpinen Wälder des Mount Rainier National Parks bis in die trockenen Ponderosa-Kiefernwälder der Yakama Nation Reservation. Dabei erhielten die Studierenden Einblicke in unterschiedlichste Eigentums- und Managementformen, von industrieller Forstwirtschaft über kommunale und staatliche Forstverwaltungen bis hin zu Familienforstbetrieben, Forschungswäldern und gemeinnützigen Organisationen.
Zu den Stationen der Exkursion zählten unter anderem die industrielle Waldbewirtschaftung bei Weyerhaeuser, der Pack Experimental Forest der University of Washington, die Familienforstbetriebe Hama Hama und Hyla Woods, die Hood River County Forests, die Oregon State University Extension sowie die Urban Forestry der Stadt Portland. Ein besonderer Höhepunkt war der Besuch der Yakama Nation Reservation, bei dem die Teilnehmenden einen Einblick in das Ressourcenmanagement der Yakama Nation erhielten und erfuhren, wie traditionelles ökologisches Wissen mit modernen wissenschaftlichen Methoden und nachhaltiger Forstwirtschaft verbunden wird.
Im Mittelpunkt der Exkursion standen aktuelle Themen wie klimaangepasster Waldbau, Waldbrandprävention und Feuerökologie, Biodiversität, Kohlenstoffspeicherung, Wildtiermanagement, Urban Forestry sowie moderne Forschungs- und Monitoringmethoden, beispielsweise der Einsatz von LiDAR-Technologien. Darüber hinaus wurden unterschiedliche Strategien zur Anpassung der Wälder an den Klimawandel sowie die vielfältigen gesellschaftlichen Ansprüche an Wälder, von Holzproduktion über Naturschutz bis hin zu Erholung und Wasserschutz, intensiv diskutiert.
Neben den fachlichen Exkursionszielen bot die Reise zahlreiche Möglichkeiten zum internationalen Austausch mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Forstpraktikerinnen und Forstpraktikern sowie Studierenden aus den USA. Der direkte Vergleich nordamerikanischer und europäischer Waldbewirtschaftung eröffnete neue Perspektiven auf gemeinsame Herausforderungen wie Klimawandel, zunehmende Waldbrandgefahr, Biodiversitätsverlust und die nachhaltige Nutzung der Ressource Holz. Gleichzeitig entstanden wertvolle internationale Kontakte und Freundschaften, die weit über die Exkursion hinaus Bestand haben werden.
Die Exkursion verdeutlichte eindrucksvoll, wie wichtig der internationale Dialog für Forschung und Lehre ist. Der unmittelbare Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis sowie das Kennenlernen unterschiedlichster Managementansätze ermöglichten den Teilnehmenden, globale Zusammenhänge besser zu verstehen und neue Impulse für Studium und berufliche Praxis mitzunehmen.
Ein herzlicher Dank gilt allen Gastgeberinnen und Gastgebern in den USA für ihre große Offenheit, die spannenden Einblicke und den intensiven fachlichen Austausch. Ebenso bedanken wir uns bei der Eva Mayr-Stihl Stiftung und der Technischen Universität München, deren Unterstützung diese außergewöhnliche Exkursion ermöglicht hat.
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Neue Professorin für Naturraum und Wildtiermanagement an der HSWT
Mit dem Master Naturraum und Wildtiermanagement gibt es einen neuen Studiengang, viele neue Studentinnen und Studenten – und jetzt auch eine neue Professorin an der HSWT!
Seit Januar 2026 ist Prof. Dr. Tanja Straka als Professorin für Naturraum- und Wildtiermanagement an der Fakultät Wald und Forstwirtschaft der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf tätig.
Und damit jetzt fest an der Fakultät, an der sie schon einmal an Wildtieren forschte.
Ihre akademische Laufbahn begann Tanja Straka mit einem Diplom in Biologie an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität, wo sie ihre Diplomarbeit über Fledermäuse am Chiemsee schrieb.
Um Fledermäuse, aber auch Biber und Spechte ging es bei der nächsten Station: Gemeinsam mit Prof. Volker Zahner arbeitete sie 2010 im Projekt „Dynamisierung der Donauauen zwischen Neuburg und Ingolstadt“ an der HSWT.
Von 2011 bis 2015 promovierte Prof. Straka an der University of Melbourne im Bereich der Stadtökologie. Dabei wandte sich ihr Fokus von reiner Biologie hin zur sozial-ökologischen Forschung. „Human Dimensions of Wildlife and Natural Resource Management“, also die menschlichen Dimensionen in unserem Umgang mit Wildtieren und Natur, standen im Mittelpunkt.
Als Postdoc arbeitete Tanja Straka am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin, an der Technische Universität Berlin und der Freien Universität Berlin – im Fokus immer Mensch-Natur-Wildtier-Beziehungen. 2024 habilitierte sie an der Universität Münster zu „Human Biodiversity Interactions in urban areas“.
Nun wieder an der HSWT, will Tanja Straka besonders die schon angesprochenen menschlichen Dimensionen in Naturraum- und Wildtiermanagement einbringen.
„Bisher im deutschsprachigen Raum kaum etabliert, aber wir wissen, v.a. aus dem angloamerikanischen Raum wie relevant dies für das Naturraum- und Wildtiermanagement ist; insbesondere, wenn es darum geht, ein besseres Verständnis zwischen Menschen, Natur und Wildtieren zu schaffen und Lösungen für ein nachhaltiges Zusammenleben zu entwickeln. Wir wissen ja, dass Mensch-Wildtier-Konflikte häufig weniger Konflikte zwischen Menschen und Wildtieren als vielmehr Konflikte zwischen Menschen selbst sind“, so die Professorin.
Wir hoffen, dass Prof. Dr. Tanja Straka gut in Freising angekommen ist, und freuen uns, sie am Zentrum Wald-Forst-Holz begrüßen zu dürfen!

Zentrums-Geschäftsführer Dr. Markus Schaller begrüßt Dr. Tanja Straka (Foto: Jakob Hiller, ZWFH)
A-DUR Statuskolloquium: Forschungseinblicke aus dem Isar-Auwald
Wie entwickeln sich die Auwälder an der Mittleren Isar? Und welche Rolle spielen die komplexen Wechselwirkungen zwischen Wasserhaushalt, Waldentwicklung, Biodiversität, Klima- und Erholungsleistungen sowie gesellschaftlichen Ansprüchen für ihre Zukunft?
Diesen Fragen widmet sich das Forschungsprojekt A-DUR im Auwald entlang der Mittleren Isar zwischen München und Landshut. Beim Statuskolloquium am 15.06.2026 stellten die fünf Teilprojekte aktuelle Arbeiten, Zwischenergebnisse und nächste Schritte vor. Gemeinsam mit Projektpartnern sowie weiteren Gästen aus Forstverwaltung, Naturschutz und Forschung wurden die bisherigen Erkenntnisse diskutiert und der interdisziplinäre Ansatz von A-DUR vorgestellt.
Die Beiträge zeichneten insgesamt ein differenziertes Bild der Waldentwicklung. Erste Ergebnisse aus der Walddynamik und Verjüngung deuten auf eine anhaltende Verschiebung der Baumartenzusammensetzung hin: Während klassische Auenbaumarten wie Esche und Erle weiter zurückgehen, nimmt insbesondere der Anteil von Bergahorn in der Verjüngung zu. Auch Vegetationsaufnahmen verdeutlichen die Veränderungen der Waldgesellschaften unter veränderten hydrologischen Bedingungen.
Besonders deutlich wurde die Rolle der Auwälder im aktuellen Klimakontext. Durch ihre hohe Evapotranspiration tragen sie wesentlich zur lokalen Kühlung bei und wirken als effektive thermische Ausgleichsräume. Vergleichende Betrachtungen zeigen, dass Auwälder in ihrer Kühlleistung gegenüber terrestrischen Wäldern häufig überlegen sind. Insbesondere typische, standortangepasste Auenbaumarten tragen hierzu besonders stark bei. Vor dem Hintergrund zunehmender Hitzewellen gewinnt diese Funktion deutlich an Relevanz und unterstreicht die Bedeutung der Auen für das Stadt- und Landschaftsklima.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der gesellschaftlichen Dimension: Im Rahmen des Verbundprojekts startet aktuell eine Citizen-Science-Studie zur Wahrnehmung und Nutzung der Isar-Auen. Mit dem Photovoice-Ansatz dokumentieren Teilnehmende viermal im Jahr eine feste Route (ca. 4 km) durch die Auen anhand vorgegebener Leitfragen. Die Beiträge werden mit kurzen Texten ergänzt, wissenschaftlich ausgewertet und pseudonymisiert. Auch hier werden die Ergebnisse am Projektende gemeinsam mit Interessierten für eine öffentliche Ausstellung in den umliegenden Städten aufbereitet. Interessierte können sich für weitere Informationen per Mail melden.
Weitere Informationen zu A-DUR-Veranstaltungen: https://forstzentrum.de/index.php/de/was-bieten-wir/auwaldforschung-a-dur/veranstaltungen-a-dur

Die Doktoranden des A-DUR Forschungsprojekts
Studie bestätigt: Bayerns Rotwildbestände genetisch gut aufgestellt
Gute Nachrichten für Bayerns Rotwild: Eine umfassende wissenschaftliche Untersuchung der Technischen Universität München (TUM) und der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) bestätigt den guten genetischen Zustand der meisten bayerischen Rotwildpopulationen. Bayerns Forstministerin Michaela Kaniber nahm den Abschlussbericht des Forschungsprojekts zur genetischen Populationsstruktur des Rotwilds am 9. Juni in München entgegen.
Ausgangspunkt der Studie war die Frage, ob die bestehenden Rotwildgebiete in Bayern die genetische Vielfalt und damit die langfristige Fitness der Bestände beeinträchtigen könnten. Zwischen 2023 und 2026 analysierten die Forschenden die Populationsstruktur, den genetischen Zustand sowie die Vernetzung der zehn bayerischen Rotwildgebiete mithilfe moderner genetischer Methoden.
Die Ergebnisse fallen überwiegend positiv aus: Sieben der zehn untersuchten Rotwildgebiete – darunter Oberbayern/Hochgebirge, Schwaben, Bayerischer Wald und das Fichtelgebirge – weisen einen guten bis sehr guten genetischen Zustand auf. Die Wissenschaftler bescheinigen diesen Populationen eine hohe genetische Vielfalt und ausreichende Vernetzung. Besonders erfreulich: Hinweise auf Inzuchtprobleme konnten bei keinem der untersuchten Bestände festgestellt werden.
Lediglich in den vergleichsweise kleinen Rotwildgebieten Haßberge, Odenwald und Isarauen sehen die Forschenden weiteren Untersuchungs- und Handlungsbedarf. Während für Haßberge und Odenwald zusätzliche Analysen zur Landschaftsvernetzung empfohlen werden, könnte in den stark isolierten Isarauen die gezielte Einbringung geeigneter Tiere aus anderen Gebieten dazu beitragen, die genetische Vielfalt langfristig zu sichern.
Die Ergebnisse liefern eine wichtige wissenschaftliche Grundlage für die Weiterentwicklung des Rotwildmanagements in Bayern. Dabei gilt es, sowohl die Bedürfnisse des Rotwilds als auch die Interessen von Land- und Forstwirtschaft sowie die Ziele des Waldumbaus zu berücksichtigen. Insgesamt zeigt die Studie deutlich: Die Sorge vor einer genetischen Verarmung der bayerischen Rotwildbestände ist weitgehend unbegründet.
Das Forschungsprojekt wurde von Prof. Dr. Andreas König (TUM) geleitet. An der Projektbearbeitung waren Ferdinand Paul Stehr, Dr. Sarah-Alica Dahl und Dr. Susanne Jacobs beteiligt. Kooperationspartner waren die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) mit Dr. Wibke Peters sowie die ApoGene Biotechnologie GmbH & Co. KG mit Prof. Dr. Gottfried Brem.
Weitere Informationen (Abschlussbericht)

Gruppenbild: Pia Regnet / StMELF
Rothirsch: Rudolf Vornehm
A-DUR: Hospitation im Donau-Forschungsprojekt in Bulgarien
Im Frühjahr 2026 nahm A-DUR1-Doktorand Korbinian Tartler (Lehrstuhl für Renaturierungsökologie, Technische Universität München) im Rahmen einer projektbezogenen Hospitation an einer internationalen Feldkampagne in Bulgarien teil.
Gemeinsam mit Forschenden aus Bulgarien und Rumänien untersuchte er auf den Donauinseln Vetren und Aydemir die Vegetation von Auwäldern entlang der unteren Donau. Ziel der Kampagne war es, Vegetationsaufnahmen aus dem Jahr 2019 zu wiederholen und so die Veränderungen der Auen über die vergangenen Jahre zu analysieren.
Nach der langen Anreise durch Bulgarien brachte die Feldarbeit alles mit sich, was Auenforschung auszeichnet: holprige Wege bis an den Fluss, die Überfahrt per Motorboot auf die Inseln und dichte, kaum zugängliche Auwälder. Vor Ort arbeiteten die Teams in teils überfluteten Beständen mit meterhoher Vegetation, Lianen und Dornensträuchern – stellenweise kam man ohne Machete nicht weiter.
Dennoch konnten die meisten Untersuchungsflächen erfolgreich wiedergefunden und erneut aufgenommen werden. Im Fokus standen die Erfassung der Waldstruktur sowie die vollständige Kartierung der krautigen Vegetation. Insgesamt wurden 93 Pflanzenarten nachgewiesen, mit deutlichen Unterschieden zwischen den Lebensraumtypen – von geschlossenen Schwarzpappelbeständen bis hin zu offenen, artenreichen Sandflächen.
Der fachliche Austausch im internationalen Team baut auf Kontakten auf, die bereits im Rahmen einer vom Zentrum Wald Forst Holz organisierten Exkursion nach Bulgarien2 im Jahr 2024 entstanden sind. Im Mittelpunkt dieser Exkursion standen damals andere Waldökosysteme außerhalb der Auen sowie standörtliche Fragestellungen in verschiedenen Regionen des Landes. Die dort geknüpften Kontakte bildeten die Grundlage für die nun erfolgte Hospitation und ermöglichten die vertiefte Zusammenarbeit in einem aktuellen Donau-Forschungsprojekt.
Neben der wissenschaftlichen Arbeit blieb Raum für informellen Austausch und gemeinsame Aktivitäten – darunter gemeinsames Grillen frisch gefangener Fische sowie musikalische Abende am Lagerfeuer mit rumänischen und deutschen Liedern. Die Hospitation war insgesamt geprägt von intensiver Feldarbeit, enger internationaler Kooperation und einem offenen, kollegialen Miteinander.

1A-DUR ist Teil des BMBF-geförderten Verbundvorhabens REGULUS und beschäftigt sich mit der Entwicklung und Steuerung nachhaltiger Auen- und Flusslandschaften an der mittleren Isar. (Link)
2Fottner, K. und Rothe, A. (2026): Wald der Zukunft: Bulgarien als Vorbild?. Bay. Landwirtschaftliches Wochenblatt. Heft 17. S. 31-32.
2. Fachforum CrossConnect: Materialoffenheit als Schlüssel für zukunftsfähiges Bauen
MAI Carbon und CU Bau des Composites United e.V. sowie die Cluster-Initiative Forst und Holz in Bayern diskutieren erneut mit Expertinnen und Experten im Kloster Benediktbeuern, wie innovative Werkstoffe und hybride, zirkuläre Bauweisen zur Bauwende beitragen und in die Anwendung überführt werden können
Augsburg / Freising | 22.05.2026 Wie kann das Bauwesen ressourcenschonender, leistungsfähiger und zugleich wirtschaftlicher werden? Welche Rolle spielen Holz, Carbon, Beton, Lehm, Naturfasern und weitere innovative Werkstoffe dabei? Und wie gelingt es, neue Materiallösungen schneller und skalierbar in die Praxis zu bringen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des „2. Fachforum CrossConnect“ vom 18. bis 20. Mai 2026, das von den beiden Clustern MAI Carbon und CU Bau des Composites United e.V. sowie der Cluster-Initiative Forst und Holz in Bayern gGmbH im Kloster Benediktbeuern veranstaltet wurde.
Historischer Ort mit aktueller Relevanz
Bereits der Veranstaltungsort machte deutlich, worum es beim Fachforum ging: Um das Zusammenspiel von Bestand, Innovation, Nachhaltigkeit und Praxis. Das Kloster Benediktbeuern bot dafür einen besonderen Rahmen – als historischer Ort, Bildungs- und Naturschutzzentrum sowie Tagungsstätte mit unmittelbarem Bezug zu Fragen der Klimaanpassung und resilienten Bauweise. So wurde das Kloster Benediktbeuern am 26. August 2023 Opfer eines verheerenden Hagelsturms. Binnen zehn Minuten beschädigten tennisballgroße Hagelkörner fast die Hälfte aller Dächer und verwüsteten großflächig die Außenfassaden – ein konkretes Beispiel für die Herausforderungen, denen sich die Baupraxis künftig verstärkt stellen muss.
Werkstoffe intelligent kombinieren und in die Anwendung bringen
Ein zentraler Gedanke des Fachforums war: Zukunftsfähiges Bauen braucht Materialoffenheit. Nicht ein einzelner Werkstoff steht im Mittelpunkt, sondern die intelligente Kombination unterschiedlicher Materialien und ihrer spezifischen Eigenschaften. Dies zeigte sich in Beiträgen zu Bestanderhaltung, Umnutzung, Denkmalpflege, Carbonbeton, Holz-Beton-Verbund, Lehmbaustoffen, Holzschweißen, Faserverbundanwendungen und Holzhybridbauten. Gleichzeitig wurde deutlich, dass der entscheidende Schritt nicht allein in der Entwicklung neuer Materialien liegt, sondern in deren Überführung in praxistaugliche, wirtschaftlich tragfähige Lösungen und skalierbare Anwendungen.
„Das Fachforum hat eindrucksvoll gezeigt, dass zukunftsfähiges Bauen nicht durch ein einzelnes Material oder eine einzelne Technologie gelöst wird. Entscheidend ist Materialoffenheit: Wir müssen die spezifischen Eigenschaften der Werkstoffe verstehen, intelligent kombinieren und in praxistaugliche Anwendungen überführen – mit messbaren Vorteilen über den gesamten Lebenszyklus“, sagt Roy Thyroff, Netzwerkgeschäftsführer CU Bau des Composites United e.V.
Zirkuläre Bauweisen als wirtschaftlicher und ökologischer Hebel
Neben technischen Lösungen standen auch zirkuläre Bauweisen und neue Geschäftsmodelle im Fokus. Diskutiert wurde der notwendige Wandel von linearen hin zu kreislauforientierten Wertschöpfungsmodellen: Weg vom Verbrauch, hin zum Gebrauch; weg vom Abfall, hin zum Wertstoff. Für Unternehmen ergeben sich daraus nicht nur ökologische Vorteile, sondern auch klare wirtschaftliche Potenziale, etwa durch längere Nutzungsdauern, reduzierte Instandhaltungskosten, Rückbau- und Wiederverwendungskonzepte sowie neue digitale Lösungen.
Auch die Diskussion mit dem Publikum machte deutlich, dass Innovation im Bauwesen nicht allein eine technologische Frage ist. Neue Bauweisen brauchen geeignete normative Rahmenbedingungen, angepasste Ausschreibungs- und Zulassungsprozesse sowie ein stärkeres Zusammenspiel mit öffentlichen Auftraggebern und Politik.
„Unser Fachforum CrossConnect steht genau für diesen Brückenschlag zwischen Materialien, Branchen, Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Anwendern. Die Bauwende braucht solche Formate, weil Innovationen dort entstehen, wo unterschiedliche Kompetenzen zusammenkommen und gemeinsam weitergedacht werden“, betont Stefan Torno, Leiter Cluster- und Projektmanagement bei der Cluster-Initiative Forst und Holz in Bayern gGmbH.
Von der Diskussion zur Umsetzung
Mit Führungen durch das Kloster und die Alte Schäfflerei wurde der fachliche Austausch direkt mit realen Sanierungs- und Anwendungsfällen vor Ort verknüpft.
In der abschließenden Innovationswerkstatt wurden die Impulse des Fachforums mittels LEGO® Serious Play® in ein gemeinsames Zukunftskonzept übertragen. Die Teilnehmenden entwickelten ein Konzept für eine alpinen Forschungsinfrastruktur mit mehreren Stationen, die unterschiedlichen klimatischen und baulichen Beanspruchungen ausgesetzt sind. Dabei wurde der Leitgedanke von CrossConnect konkret: Zukunftsfähiges Bauen entsteht durch Materialoffenheit, Wiederverwendung, intelligente Verbindungstechnologien und interdisziplinäre Zusammenarbeit mit einem klaren Fokus auf Umsetzung und Skalierung.
Fazit
Das 2. Fachforum CrossConnect machte deutlich: Die Herausforderungen im Bauwesen sind komplex, doch viele Lösungsansätze sind bereits vorhanden.
Entscheidend wird sein, Forschung, Industrie, Planung, Anwendung und Politik noch stärker zu vernetzen und innovative Werkstofflösungen schneller, gezielter und wirtschaftlich in die Baupraxis zu überführen.
Mehr zum Cluster: Hier klicken

Die Gäste des 2. Fachforum CrossConnect zu Gast am Campus Tölz als Auftakt der dreitägigen Veranstaltung.
© Composites United/MAI Carbon
Staatsminister Markus Blume auf dem Jahresempfang
Die Tische waren geschmückt, die Getränke gekühlt und die Sonne strahlte doch:
Am 21. Mai durfte das Zentrum Wald-Forst-Holz zum Jahresempfang einladen. Und unserem Ruf folgten viele Expertinnen und Experten, Freundinnen und Freunde und Mitarbeitende des Zentrums und ihrer drei Institutionen.
Besonders begrüßen durften wir den Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Markus Blume.
Eröffnet wurde der Abend vom Leiter unseres Zentrums, Prof. Andreas Rothe.
In seiner Ansprache hob er die Vielzahl an forstlichen Studiengängen, Akteuren und Ideen hervor, die im Zentrum zusammenkommen.
Diese Zusammenarbeit griff auch Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume in seinen Grußworten auf:
„Wald braucht Wissenschaft! Das Zentrum Wald-Forst-Holz Weihenstephan ist seit über 20 Jahren Thinktank und Kümmerer für unsere bayerischen Wälder. Holz ist zentraler Rohstoff und wertvolle Ressource aus unserer Heimat. Die Expertise von HSWT, TUM und LWF im Forstbereich kommt im Zentrum unter einem Dach zusammen – hier wird unbürokratische Zusammenarbeit zwischen Institutionen und Disziplinen extrem erfolgreich gelebt! Schneller und effizienter Wissenstransfer zu allen Themen rund um den Wald ist die große Stärke des Zentrums. Herzlichen Dank für die Einladung zum Jahresempfang. Und herzlichen Glückwunsch an die Preisträger der diesjährigen Georg-Dätzel-Medaille für besondere Leistungen bei der Anwendung, Umsetzung und Verbreitung von Waldwissen!“
Der Preisträger durfte im Anschluss seine Ehrung entgegennehmen: Der Arbeitskreis Forstliche Bildungsarbeit erhielt die vom Förderverein gestiftete Georg-Dätzel-Medaille für über 30 Jahre herausragende Leistungen in der Waldpädagogik. (Mehr dazu hier)
Für herausragendes Engagement und Wissenstransfer erhielt Herbert Rudolf den Ehrenpreis des Forstzentrums (Mehr dazu hier)
Wir danken allen Mitarbeitenden, den Streichern der Musikschule Freising für die musikalische Gestaltung und Ihnen allen, die sich über den Abend ausgetauscht, gelacht und den Zentrumsgedanken aufleben haben lassen!
Arbeitskreis Forstliche Bildungsarbeit erhält Georg-Dätzel-Medaille
Im Rahmen des Jahresempfangs durfte das Zentrum Wald Forst Holz Weihenstephan wieder die Georg-Dätzel-Medaille übergeben. Empfänger war dieses Jahr der Arbeitskreis Forstliche Bildungsarbeit, für seine herausragenden Verdienste um die Waldpädagogik.
Seit über 30 Jahren entwickelt das interdisziplinäre Team aus Forstfachleuten, Pädagogen und weiteren Expertinnen und Experten praktische Werkzeuge für die waldbezogene Bildungsarbeit. Der „Leitfaden Forstliche Bildungsarbeit“ ist wohl das bekannteste Werkzeug. Mittlerweile in zehn Sprachen übersetzt, ist er ein Standardwerk, um Waldwissen für Jung und Alt aufzubereiten.
Somit werden nicht nur Brücken zwischen den beteiligten Disziplinen gebaut, sondern auch von der Gesellschaft in den Wald.
Diese metaphorische Brücke wurde während der Dankesrede von Prof. Robert Vogel sichtbar: Die Mitglieder des Arbeitskreises brachten ihre eigenen Brückenteile, symbolisch für ihr Fachwissen, mit, und konnten so die Brücke stabil bauen.
Die vom Förderverein Zentrum Wald Forst Holz Weihenstephan e.V. gestiftete Medaille erinnert an den ersten Leiter der Forstschule Weihenstephan, Prof. Dr. Georg Anton Dätzel (1752 – 1847), Mitbegründer der angewandten Forstwissenschaft und Mittler zwischen Forstwirtschaft und Gesellschaft.
Herbert Rudolf erhält Ehrenpreis des Forstzentrums
Für seine jahrzehntelanges Engagement um die Freisinger Wälder und den Wissenstransfer erhält Herbert Rudolf den Ehrenpreis des Zentrums Wald Forst Holz Weihenstephan auf dessen diesjährigen Jahresempfang.
Im Laufe seines Berufslebens leistete der Förster Herausragendes in der forstlichen Praxis, der Lehre und im Wissenstransfer. Vier Jahrzente hatte er bis zuletzt das Forstrevier Freising der Bayerischen Staatsforsten inne und hat die damaligen Fichtenwälder in intensiver waldbaulicher Arbeit in strukturreiche Mischwälder überführt. Unermüdliches Engagement zeigt er bei der Vermittlung von Wissen in Vorlesungen, Vorträgen und unzähligen Führungen im Wald: Mit allen Sinnen lässt er Studierende sowie Besucherinnen und Besucher den Wald erleben und eröffnet ihnen damit einen einzigartigen Zugang zu den von ihm gestalteten Dauerwäldern. Rudolf zeigt dabei ein tiefes Verständnis für Waldästhetik und waldbauliche Meisterschaft. Der Weltwald mit dem Landesarboretum ist heute ein Wahrzeichen Freisings und steht für die gelungene Verbindung von Wissensvermittlung und Erholung im Wald.
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Im Bild: Staatsminister Markus Blume, Förster Herbert Rudolf und |
Herbert Rudolf bei seiner Dankesrede | Herbert Rudolf und Prof. Dr. Andreas Rothe mit den überreichten Preisen |
















