Hans-Carl-von-Carlowitz-Platz 1, D - 85354 Freising + 49 8161/4591-920 Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Aktuelle Meldungen

Arbeitskreis Forstgeschichte in Bayern

Verborgenes im Wald sichtbar machen

Am 6. März trafen sich im Mittleren Sitzungssaal des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in München rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur 62. Sitzung des Arbeitskreises Forstgeschichte in Bayern (AK Forstgeschichte).

Die große Teilnehmerzahl machte deutlich, dass der Arbeitskreis auf ein breites Interesse stößt und eine wichtige Plattform für die unterschiedlichsten Themen der Forstgeschichte bietet, auch über die Grenzen Bayerns hinaus. So nahmen auch Interessierte und Vortragende aus Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt teil.

Zu Beginn begrüßte Dr. Joachim Hamberger als Leiter des AK die Teilnehmenden und führte kurz in das Programm der Tagung ein. Da sich unter den vielen Teilnehmern auch neue Interessierte befanden, bekamen alle die Möglichkeit sich kurz vorzustellen und ihren Bezug zur Forstgeschichte darzustellen.

Das Programm begann mit zwei Buchbesprechungen von Prof. Dr. Egon Gundermann, der die beiden Bücher „Forstchronik Thüringen“ des ThüringenForst und „Generationenvertrag Wald: Verantwortung und Leidenschaft“ von Dr. Ulrich Sauter vorstellte und auf deren inhaltliche Qualität einging.

IMG 20230306 133338 1

Mit LiDAR-Technik dem "Archiv Wald" auf der Spur

Dr. Anna Swider vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Sachsen-Anhalt berichtete in ihrem Vortrag „Archiv Wald“ über die Ergebnisse Ihrer Dissertation, in der Sie die vielfältigen Spuren der Waldnutzung des Harzes mittels digitaler Geländemodelle der LiDAR-Technologie akribisch auswertete und darstellte. So identifizierte sie anhand der Geländestruktur nicht nur alte Wegenetze, Ackerspuren, Wüstungsrelikte und Plätze von Kohlemeiler, die mit bloßem Auge im Gelände nicht ohne weiteres erkennbar sind, sondern auch künstlich angelegte Wassergräben, die im Zuge der Erzverarbeitung entstanden sind sowie großflächige Pingenfelder, in denen das Erz abgebaut wurde. Somit wird grafisch greifbar, wie eng die Forstgeschichte des Harzes mit dem Bergbau verknüpft ist.

Archäologische Geophysik macht sichtbar, was unter der Oberfläche liegt

Etwas weiter ging Dr. Armin Schmidt in seinem Vortrag zu geophysikalischen Prospektionen im Wald, in dem er die Herausforderungen und die Nutzung dieser Technologien vorstellte. Im Gegensatz zu den digitalen Geländemodellen der LiDAR Technik kann die archäologische Geophysik sichtbar machen, was sich unterhalb der Geländeorberfläche befindet. Die Methoden des Bodenradars, der Erdwiderstandsmessung und der Magnetfeldprospektion machen sich die unterschiedlichen physikalischen Eigenschaften der Bodenzusammensetzung zu Nutze und können sichtbar machen, wo sich im Boden z.B. durch Mauerreste oder andere archäologische Artefakte der elektrische Widerstand oder das Magnetfeld ändert. Durch die Kombination der unterschiedlichen Methoden kann so zerstörungsfrei eingegrenzt werden, wo sich im Boden archäologisch interessante Strukturen befinden. Während diese Methoden auf flachen Ackerflächen und Wiesen ein gängiges Vorgehen darstellen, stoßen sie im Wald wegen des dort typischen Bewuchses auf Hindernisse und werden deshalb dort nahezu kaum angewandt. Herr Schmidt, der in Remagen die Prospektionsfirma GeoDataWIZ leitet, berichtete weiter von seinen Untersuchungen einer keltischen Viereckschanze im Gemeindewald des Rheinland-Pfälzischen Eisenach (Südeifel), von Untersuchungen im Białowieża Naturpark in Polen, wo ebenfalls Besiedlungsspuren im Waldboden nachweisen werden konnten, sowie in Sri Lanka, wo durch Geophysik auch Mauerreste unter Mangobäumen zum Vorschein kamen.

Historische Holzabfuhr im Werdenfelser Land und der Förster von SailershausenEin Teil der Teilnehmer der Sitzung des 62. Treffens des AK Forstgeschichte.

Nach der Mittagspause verdeutlichte ein Filmbeitrag des BR, wie gefährlich die Holzabfuhr im Hochgebirge nahe Eschenlohe in der „guten alten Zeit“ abgelaufen ist, auf den AK Mitglied Michael Friedel gestoßen war. Der Beitrag wurde am Silvesterabend 1959 erstmals ausgestrahlt. Auch durch solche einmaligen Zeitdokumente werden längst vergangene Praktiken lebendig gehalten und bleiben somit sichtbar.

Im Anschluss gewährte Hans Stark, vom unterfränkischen Universitätsforstamt Sailershausen Einblicke in die Tagebücher der Förster von Sailershausen, die deren Berufsalltag im Zeitraum von 1813–1852 sichtbar werden ließen.

Nutzungsgeschichte des Schwarzwaldes

Dr. Helmut Volk aus Freiburg gab in seinem Vortrag über die lange Nutzungsgeschichte des Schwarzwaldes ein flammendes Plädoyer dafür in der Forstgeschichte die intensive Nutzung des Waldes seit der Frühgeschichte stärker herauszustellen und zu verankern. Seit der Zeit von Kurt Mantel habe die Forstgeschichte kaum neue Erkenntnisse zum aktuellen Forschungstand aufgenommen, wie etwa Pollenanalysen, dendrochronologische Untersuchungen, etc. und die neuen Schlüsse, die daraus entstehen können. Oft beginnt die Nutzungsgeschichte des Waldes erst mit den Rodungsbemühungen des Mittelalters. So bedauert Herr Volk die aktuelle Darstellung der Naturschutzszene von unberührten Urwäldern, die mit immer aggressiver werdenden Forderungen nach Flächen des Nutzungsverzichts im Wald einhergehen. Hier schlug er auch den Bogen zum Vortag von Dr. Schmidt, der von der Untersuchung alter Siedlungsspuren im Białowieża-Naturpark nachweisen konnte und das Gebiet seit jeher unberührter Natur eingrenzte.

Arborglyphen als lebendige und vergängliche Denkmale des 2. Weltkriegs

Zum Schluss der Tagung berichtete Julian Gröber, Revierleiter bei Landesforsten Rheinland-Pfalz, von Baumritzungen, sogenannten Arborglyphen, die im BeNeLux-Gebiet und an der Westdeutschen Grenze in Verbindung mit dem 2. Weltkrieg in Bäumen entstanden sind. So verewigten sich Soldaten aller Kriegsparteien ebenso wie Bewohner vor Ort durch Ritzungen in Buchen mit Datum, Initialen und kunstvollen figürlicher (Selbst-)Darstellungen, die oft das letzte Lebenszeichen dieser Kriegsteilnehmer darstellen. Diese Form von Denkmalen einer unheilvollen Zeit sind kaum bekannt und müssen auch in Fachkreisen ins Bewusstsein gerufen werden, um aus dem Verborgenen zu treten. Denn durch den Klimawandel und das zunehmende Buchensterben sind die Arborglyphen stark gefährdet und müssen ggf. durch Scans der Rindenoberfläche für die Nachwelt erhalten bleiben. Durch einen aufmerksamen Waldbesuch kann hier jeder einen Beitrag zum Erhalt der Arborglyphen des 2. Weltkrieges leisten.

Joachim Hamberger beschloss mit der Terminankündigung der nächsten Sitzung des AK am 24. Juli in Landshut ein hoch informatives und abwechslungsreiches 62. Treffen des AK Forstgeschichte in Bayern.

AK Forstgeschichte

Weitere Informationen zum AK Forstgeschichte

 

Informations-Kanäle & Presseservice

 TUM Website footer                          
               
 HSWT Logo gruen                             LWF Website footer neu
TUM Logo extern mt DE CMYK neg
HSWT Logo gruen
LWF Logo

Newsletter abonnieren

Ja, ich möchte den Newsletter des Zentrum Wald-Forst-Holz Weihenstephan abonnieren (die Hinweise zum Datenschutz habe ich gelesen):

Mitglied werden

Werden Sie Mitglied im Förderverein ZWFH.
Hier geht es zu den Informationen der Anmeldung:

Mitglied werden

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung